Es ist nicht vorbei (TV)

Regie Franziska Meletzky  Drehbuch Kristin Derfler, Clemens Murath  Produzenten Michael Lehmann, Heike Streich 
Genre Drama  Filmlänge 90 min
Land Deutschland, 2011  Verleih SWR

Story

In den vergangenen Jahren ist es Carola Weber gelungen, die schlimmste Zeit ihres Lebens tief in sich zu begraben. Nicht einmal ihrem Ehemann, mit dem sie zusammen eine Familie gründen möchte, weiß, dass Carola einst in dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck inhaftiert war. Erst als Carola per Zufall dem Arzt Prof. Wolfgang Limberg begegnet, reißen alte Wunden wieder auf und die Erinnerungen an eine grausame und menschenunwürdige Zeit brechen herauf. Carola glaubt in Limberg einen ehemaligen Gefängnisarzt wiederzuerkennen. Limberg lebt heute jedoch ein normales Leben und hat alle Spuren, die zu seiner finsteren Vergangenheit im DDR-Gefängnis führen, verwischt. Carola beschließt jedoch für Gerechtigkeit zu kämpfen: Sie kann nicht fassen, dass ein Arzt, der einst Medikamente missbraucht und das Leben von vielen Frauen zerstört hat, noch heute erfolgreich praktiziert. Der Weg, den Carola versucht zu gehen, ist jedoch kein leichter, denn natürlich setzt Prof. Wolfgang Limberg alles daran, seine Vergangenheit vor allen geheim zu halten…

Schauspieler

Es ist nicht vorbei (TV) Anja Kling, Ulrich Noethen, Tobias Oertel, Melika Foroutan, Kirsten Block, Catherine Bode, Rosa Enskat, Peter Fieseler, Sinha Gierke, Marie Gruber, Tim Kauermann, Ernst-Georg Schwill

Filmkritik von Kathrin Lang

Kathrin vergibt 5 von 5 Ms Es ist nicht vorbei (TV) Drehbuchautorin Kristin Derfler beschäftigt sich bereits seit 1998 mit der jüngsten deutschen Geschichte. Deutschland ist zwar schon lange wiedervereinigt, doch im Kern noch immer ein zerrissenes Land. „Wo verläuft der Riss im heutigen Deutschland?“, ist daher die zentrale Frage, der Derfler als gebürtige Österreicherin und im Westen Deutschlands aufgewachsene Drehbuchautorin nachspüren möchte. Mit ihren Filmen will sie den Opfern der SED-Diktaktur eine Stimme verleihen und auch medial darauf aufmerksam machen, dass es Wunden gibt, die auch heute noch lange nicht verheilt sind.

Mit ihrem Fernsehfilm „Es ist nicht vorbei“ sucht sie sich mit den einst in der Haftanstalt Hoheneck gefangenen Frauen ein sehr spezifisches Thema heraus, das detailliert auf einen Aspekt der jüngsten deutschen Geschichte verweist. Die Geschichte rund um Protagonistin Carola ist dabei frei erfunden, hätte sich so oder so ähnlich aber durchaus zutragen können. Seine nachhaltige Wirkung erzielt „Es ist nicht vorbei“ vor allem, weil Kristin Derfler, zusammen mit ihrem Co-Autor Clemens Murath, die Geschichte in der Gegenwart ansiedelt. Schnell bekommt man einen Bezug zu Carolas schwerem Schicksal, weil offenbar wird, dass Carolas Wunden noch heute nicht verheilt sind, sie in den vergangenen Jahren nur in einen ungesunden Zustand des Schweigens verfallen ist. Ihr Leiden und ihre Taten sind zu jeder Zeit zutiefst menschlich und nachvollziehbar. Anja Kling in der Hauptrolle weiß toll mit dem beklemmenden Zustand ihrer Figur umzugehen. Oft sagt sie mit ihren Blicken mehr als tausend Worte und bringt damit wahre Emotionen und den tiefsitzenden Schmerz authentisch zum Vorschein. Doch auch in den Reihen der Nebendarsteller finden sich überzeugende Darsteller wieder: Neben einem wie immer brillant aufspielenden Ulrich Noethen, ist es vor allem Tobias Oertel, der in seiner Rolle des bislang unwissenden und sich nun verraten fühlenden Ehemanns eine fantastische Darbietung abliefert.

Toll besetzt und mit einer Geschichte, die unter die Haut geht und authentisch ausgearbeitet wurde, gelingt es dem Fernsehspielfilm „Es ist nicht vorbei“ nicht nur spannend zu unterhalten, sondern auch einem wichtigen Thema eine passende Plattform zu bieten.

Wissenswertes

Es ist nicht vorbei (TV) "Es ist nicht vorbei" wird zum ersten Mal am 9. November um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Im Anschluss zeigt die ARD die Dokumentation "Die Frauen von Hoheneck - Ein DDR Gefängnis und seine Schatten in die Gegenwart"



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Kommentare

Ulrich schreibt am 18.11.11, 19:22
Der Film hat mich wie selten einer beeindruckt, nicht nur wegen des wohl bestens recherchierten Stoffs, sondern auch wegen der künstlerischen Umsetzung.
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