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Homevideo (TV)
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Regie
Kilian Riedhof
Drehbuch
Jan Braren
Produzenten
Benjamin Benedict, Christian Granderath, Lucia Staubach
Genre Drama FSK 12 Filmlänge 90 min Land Deutschland, 2011 DVD-Start 20.01.2012 Verleih NDR |
Story
Der 15jährige Jakob findet sein Leben nur noch zum Davonlaufen. Seine Eltern Claas und Irina streiten sich ständig lautstark, und vor allem Jakobs kleine Schwester Amelie wird mit der Situation überhaupt nicht fertig. Claas und Irina sind derart mit sich selbst beschäftigt, dass sie von Jakobs Problemen so gut wie gar nichts mitbekommen. Dann zieht Irina aus und mit ihrer neuen Lebenspartnerin zusammen, Amelie nimmt sie mit, während sie ihren Sohn bei Claas zurücklässt. Jakobs Zuflucht ist seine Videokamera, mit der er alles filmt, was ihn gerade bewegt. Als er sich eines Tages selbst beim Onanieren filmt und seine Mutter im Umzugsstress nichts ahnend seine Videokamera an Henry und Erik, zwei Mitschüler Jakobs verleiht, kommt es zur Katastrophe. Denn anstatt Jakob die Speicherkarte umgehend zurückzugeben, erpressen sie ihn mit dem kompromittierenden Video.
Als Claas, der Polizist ist, Henry unter Druck setzt und die Speicherkarte zurückfordert, stellt der Jakobs Video ins Internet. Innerhalb kürzester Zeit verbreitet sich das Video in Jakobs Schule. Der ist völlig verzweifelt, er wird verhöhnt und gemobbt und erhält zuhauf Hassbotschaften per Internet. Auch Hannah, in die er sich verliebt hat, zieht sich von dem Jugendlichen zurück. Jakob ist innerhalb kürzester Zeit psychisch am Ende, denn ihm ist klar, dass jeder, dem er begegnet, sein Video bereits auf seinem Handy haben könnte. Seine Eltern hingegen können die Tragweite dessen, was mit ihrem Sohn geschieht, nicht wirklich erfassen…
Schauspieler
Jonas Nay, Wotan Wilke Möhring, Nicole Marischka, Sophia Boehme, Jannik Schümann, Petra Kelling, Sabine Timoteo, Hans Werner Meyer, Anne Cathrin Buhtz, Oda Thormeyer, Tom Wolf, Willi Gerk, Anett Heilfort, Noa Togler, Sheeba Karim
Filmkritik von Stefanie Rufle
Es ist ein wirklich beklemmendes und leider nur zu realistisches Szenario, das Regisseur Kilian Riedhof in „Homevideo“ erschreckend glaubhaft inszeniert. Das meisterhafte Drehbuch aus der Feder von Jan Braren befasst sich mit einem hochaktuellen und kontrovers diskutierten Thema unserer Zeit: Cyber-Mobbing. Es geht schneller, als wahrscheinlich so manchem Jugendlichen klar sein dürfte, und plötzlich ist es geschehen: Etwas Kompromittierendes und absolut Privates, von dem man niemals wollte, dass jemand davon erfährt, ist im Netz für jedermann frei zugänglich. Sämtliche Lebensbereiche vieler Jugendlicher sind mittlerweile medialisiert und das hat für sie weitreichende Konsequenzen. Vor allem Hauptdarsteller Jonas Nay ist es zu verdanken, dass die nicht wieder gut zu machende Katastrophe, die das für Jakob bedeutet, förmlich mit Händen zu greifen ist. Seine Darstellung des introvertierten Jugendlichen ist derart intensiv und authentisch, dass man in jeder Sekunde mit ihm fühlt und hofft, dass doch noch alles gut für ihn enden möge. Vor allem die übergroße Scham, die die Veröffentlichung dieses privaten Videos bei ihm auslöst, transportiert Nay absolut eindringlich.
Doch auch alle anderen Darsteller dieses grandios inszenierten Fernsehfilms überzeugen und hinterlassen dabei einen tiefen Eindruck. Neben einer absolut überzeugend agierenden Nicole Marischka, die Jakobs Mutter darstellt, brilliert Wotan Wilke Möhring als dessen an der Trennung beinahe zerbrechenden und völlig überforderten Vater. Besonders erschreckend und eindringlich ist Jannik Schümann als eiskalter und berechnender Henry, der nicht davor zurückschreckt, Jakob öffetnlich zu diffamieren.
„Homevideo“ ist ein wirklich komplett niederschmetternder Film zum Thema Cyber-Mobbing, bei dem man sich beinahe selbst in Jakobs Albtraum gefangen fühlt. Das, was mit Jakob geschieht, gleicht einer öffentlichen Hinrichtung – und die ist gnadenlos gut inszeniert und gespielt.
Wissenswertes
Beim Deutschen Fernsehpreis in Köln wurde "Homevideo" in der Kategorie Bester Fernsehfilm ausgezeichnet. Hauptdarsteller Jonas Nay wurde darüberhinaus der Förderpreis für die Rolle des Jakob verliehen.
Benedict Neuenfels gewann für „Homevideo“ den Deutschen Kamerapreis 2011 in der Kategorie Fernsehfilm/Dokudrama.
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