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We need to talk about Kevin
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Regie
Lynne Ramsay
Drehbuch
Lynne Ramsay, Rory Kinnear
Produzenten
Jennifer Fox, Luc Roeg, Robert Salerno
Genre Drama FSK 16 Filmlänge 112 min Land USA, 2011 Kinostart 16.08.2012 DVD-Start 08.11.2012 Verleih Fugu |
Story
Von dem Leben, das Eva Khatchadourian einst geführt hat, ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Erinnerungen an vergangene Tage sind fast alles, was ihr geblieben ist. Während Eva ihr einsames, trauriges und immer wertloser erscheinendes Leben in einem kleinen Häuschen fristet, lässt sie ihr vergangenes Leben gedanklich Revue passieren. Sie erinnert sich an die Nacht zurück, in der sie ihren Ehemann kennengelernt hat und an die Zeit ihrer ersten Schwangerschaft, an deren Ende Kevin das Licht der Welt erblickte. Evas Erstgeborener macht ihr das Leben von Anfang an jedoch alles andere als einfach, wodurch sich eine sonderbare Mutter-Sohn-Beziehung entwickelt, die bis in Kevins Teenagerzeit fortwirkt. Die Situation entspannt sich ein wenig, als Eva Jahre später mit Celia ein zweites Kind bekommt. Doch Kevin ist und bleibt, nicht zuletzt durch den fehlenden Zugang der Eltern zu ihrem Kind, ein Problemkind.
Schauspieler
Tilda Swinton, John C. Reilly, Ezra Miller, Siobhan Fallon, Ursula Parker, Jasper Newell, Rock Duer, Ashley Gerasimovich, Lauren Fox, Erin Maya Darke, Leslie Lyles, Suzette Gunn
Filmkritik von Kathrin Lang
Als Lionel Shriver für ihren Roman „We need to talk about Kevin“ mit dem Orange Prize, einem der weltweit wichtigsten Literaturpreise, ausgezeichnet wurde, wurde ihr Buch in zahlreiche Sprachen übersetzt und so zu einer internationalen Buchperle, die Leser des besonderen Literaturstoffs ansprach. Schon früh kündigte sich eine Verfilmung an, die nun jedoch verhältnismäßig lange auf sich warten ließ. Bei uns in Deutschland war zwischenzeitlich sogar die Rede davon das Drama nur auf DVD zu veröffentlichen, bis sich letztlich doch ein Verleih fand, der „We need to talk about Kevin“ mit kleiner Kopien-Anzahl im Sommer 2012 auf unsere Leinwände bringt. Wirklich verwunderlich ist dies jedoch nicht, denn ebenso wie das Buch keine allzu breite Masse ansprach, ist auch der Film nicht als massenkompatibler Blockbuster angelegt, sondern viel eher als kleiner Independentfilm, der auch in der filmischen Umsetzung nach dem besonderen Stilmittel sucht.
Obwohl man es sich kaum vorstellen konnte, ist Regisseurin und Drehbuchautorin Lynne Ramsay mit „We need to talk about Kevin“ eine herausragende Romanverfilmung gelungen. Lionel Shriver erzählt ihre Geschichte innerhalb von mehreren Erzählebenen und handelt einen der bedeutungsträchtigsten Erzählstränge in Briefform ab. Die Herausforderung bestand für Ramsay vor allem darin, die feinen Vernetzungen zwischen den einzelnen Zeitebenen auch im Film störungsfrei umzusetzen. Die Filmemacherin entwickelt jedoch von Anfang ein tolles Gespür für den literarischen Stoff und schafft es nicht nur im Erzählstil und im Inhalt, sondern auch inszenatorisch eine einwandfreie Umsetzung dessen zu liefern, was Shriver vorgab. Mit wenigen Worten, aber mit ungeheuer ausdrucksstarken Bildern gelingt es Lynne Ramsay innerhalb kurzer Zeit ihrem Film eine wirkungsvolle Atmosphäre und ihren Figuren eine sehr klar ausgerichtete Charakteristik zu verleihen. Darum herum entfacht sich eine Geschichte, die recht konventionell nach dem Muster eines Sozialdramas beginnt, dann jedoch mit einer Wucht, wie man sie selten erlebt, eine Richtung einschlägt, die man höchstens als Leser des Romans kommen sehen konnte.
Neben der fabelhaften Inszenierung, die mit starken filmischen Mitteln sehr wirkungsvoll arbeitet, sind es die zwei Hauptdarsteller, die „We need to talk about Kevin“ letztlich zu einem der besten Dramen des Kinojahrs krönen. Während Tilda Swinton als Mutter zu Beginn viel der Geschichte alleine meistert, wird ihr später der mittlerweile im Teenageralter angekommene Kevin, gespielt von Ezra Miller, zur Seite gestellt. Obwohl Swinton bis zum Schluss der große Star des Films bleibt und durch die sehr facettenreiche und stets intensive Darstellung sehr unterschiedlicher Lebensstationen ihrer Figur begeistert, gelingt es dem Nachwuchsdarsteller Ezra Miller mit der OSCAR-Preisträgerin Schritt zu halten. Ebenso wie Tilda Swinton beherrscht auch er die ganz hohe Kunst der Schauspielerei und hinterlässt damit, angesichts des drastischen Hintergrunds seiner Figur, einen schon fast schaurig nachhaltigen Eindruck.
Mit „We need to talk about Kevin“ inszeniert Regisseurin und Drehbuchautorin Lynne Ramsay eine der besten Literaturverfilmungen, die je die Leinwand erreicht haben. Dem Buch stets sehr nahe, gelingt ihr die Umsetzung von den literarischen Stilmitteln in ganz eigene filmische Stilmittel mehr als beeindruckend. Kino, das unter die Haut geht!
"We need to talk about Kevin" lief im Wettbewerb der 64. Filmfestspiele in Cannes.
