Citizen Kane

Filmplakat Citizen Kane
Regie Orson Welles  Drehbuch Herman J. Mankiewicz, Orson Welles  Produzent Orson Welles 
Genre Drama  FSK 12  Filmlänge 119 min
Land USA  Kinostart 29.06.1962  DVD-Start 22.04.1999  Verleih Neue Visionen

Story

Der steinreiche und verbitterte amerikanische Zeitungsmagnat Charles Foster Kane stirbt einen einsamen Tod in seinem Privatschloss Xanadu. Während ihm eine gläserne Schneekugel aus der Hand gleitet, flüstert er ein letztes Wort: Rosebud. Doch was bedeutet dieses Wort? Ein Reporter macht sich auf die Suche nach dem wirklichen Gesicht von Charles Foster Kane. Im Stil der Wochenschauen werden nun verschiedene Menschen befragt, die Kane gekannt haben und so die unterschiedlichen Lebensstationen des aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Kanes beleuchten.

Der Reporter Thompson versucht zunächst mit Kanes zweiter Frau Susan Alexander zu sprechen, einer ehemaligen Opernsängerin, die mittlerweile dem Alkohol verfallen ist und als Nachtclubtänzerin arbeitet. Die weigert sich aber, über ihren verstorbenen Mann zu sprechen. Im Privatarchiv des verstorbenen Bankiers Thatcher, der Kanes Ziehvater war, erfährt Thompson Details aus Kanes Kindheit und Jugend, doch keine Hinweise auf Rosebud. Kanes langjähriger Geschäftsführer und Finanzberater Bernstein vermutet, Rosebud könne ein Mädchen sein, das Kane einst verloren habe. Kanes einzig wahrer Freund Leland berichtet Thompson vom steilen Aufstieg seines Freundes als Herausgeber der Zeitung „Inquirer“, vom Scheitern dessen erster Ehe und von der öffentlichen Diffamierung eines politischen Rivalen. Vom Butler Raymond schließlich erfährt der Reporter von Kanes letzten Stunden – doch die Bedeutung des Wortes Rosebud kann ihm keine dieser Personen erklären…

Schauspieler

Citizen Kane Orson Welles, Joseph Cotten, Dorothy Comingore, Agner Moorehead, Ruth Warrick, Ray Collins, Erskine Sanford, Everett Sloane, William Alland, Paul Stewart, George Coulouris, Fortunio Bonanova, Gus Schilling, Philip Van Zandt, Georgia Backus, Harry Shannon, Sonny Bupp, Buddy Swan

Filmkritik von Stefanie Rufle

Steffi vergibt 5 von 5 Ms Citizen Kane „Citizen Kane“ zählt bis heute zu den Meilensteinen der Filmgeschichte – und das völlig zu Recht! Selbst als Zuschauer, der von den Special Effects der heutigen Filme geprägt ist, kann man sich der unglaublichen Faszination dieses Streifens nicht entziehen. Seinerzeit erlangte „Citizen Kane“ vor allem aufgrund vieler filmtechnischer Innovationen Berühmtheit, denn obwohl viele der Techniken, die Orson Welles anwandte auch schon zuvor in den Arbeiten anderer Regisseure zu sehen waren, vereinte Welles sie allesamt in diesem Meisterwerk. Seien es nun die vielen langen Kameraeinstellungen, die unzähligen Spiegelungen, die im Film zu sehen sind, Zeitsprünge innerhalb einer Szene oder auch, dass mehrere Figuren über einen Zeitraum von vierzig Jahren nur von einem Darsteller verkörpert wurden – all das war für damalige Zeiten revolutionär und völlig neu. Wahrscheinlich war gerade das der Grund dafür, dass der Film bei seiner Erstveröffentlichung ein kommerzieller Flop war – er war seiner Zeit einfach um Längen voraus.

„Citizen Kane“ befasst sich mit dem amerikanischen Traum und dessen Kehrseite. Kane ist ein Mann, der im Lauf seines Lebens sämtliche seiner Ideale verrät und am Ende allein und verbittert zurückbleibt. Erst auf dem Sterbebett erkennt er, was wirklich wichtig ist im Leben, hier erinnert er sich noch einmal seiner verlorenen Kindheit und dem, was hätte sein können. Wenn in Ausschnitten und Fragmenten das Leben des Charles Foster Kane gezeigt wird, ist es am Zuschauer, diese wie ein Puzzle zusammenzusetzen – eine Metapher, die auch im Film des Öfteren vorkommt. Auch wenn den Zuschauer die Frage nicht loslässt, was es denn nun mit Rosebud auf sich hat, auch wenn er wie im Fieber auf die große Auflösung hofft, so ist die am Ende dann doch eher nebensächlich. Vielmehr ist man berührt vom traurigen Leben dieses unglücklichen Mannes, dem seine Kindheit geraubt wurde und der bis zu seinem Tod dem Traum vom großen Glück nachjagte – und dieses dabei verpasste. Obwohl schon zu Beginn des Films dessen Handlung eigentlich komplett erzählt ist, verfolgt man gebannt die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Mannes, der bis zum Schluss ein Mysterium bleibt. Letztendlich bleibt dem Zuschauer nichts anderes übrig, als sich selbst ein Bild zu machen – und auch wenn am Ende die Bedeutung des Wortes Rosebud geklärt wird, kann man sich doch über dessen wahren Sinn nicht sicher sein.

„Citizen Kane“ ist ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Film, der vor inszenatorischen Feinheiten nur so strotzt – aber nicht damit protzt. Ein unglaublich vielschichtiges Werk, das Maßstäbe für die kommende Kinogeschichte setzte.

Wissenswertes

Citizen Kane Angeblich sollte „Citizen Kane“ stark an die Biographien des Filmproduzenten und Abenteurers Howard Hughes und des Medienmoguls Randolph Hearst angelehnt sein. Orson Welles behauptete hingegen, die Figur des Charles Foster Kane habe verschiedene Personen zum Vorbild gehabt.
Für die Szenen, in denen Welles den alternden Kane darstellte, verbrachte er täglich etwa sechs Stunden in der Maske. Für seine Darstellung des jungen Kane wurden verschiedene Tricks angewandt (Make-Ups, Frisuren und Kamerafilter), um ihn noch jugendlicher erscheinen zu lassen.
Um den alten Archivaufnahmen aus Charles Foster Kanes Leben ein authentischeres und altes Aussehen zu verleihen, wurde das Filmmaterial mit Sand behandelt und über einen Betonboden geschleift.
Da Orson Welles bei „Citizen Kane“ Regie führte, am Drehbuch mitschrieb, als Produzent fungierte und auch noch die Hauptrolle übernahm, gilt der Film als einer der ersten Vertreter des amerikanischen Autorenkinos.
Durch sein effektvolles Spiel mit Licht und Schatten, sowie den Einsatz von Rückblenden hatte „Citizen Kane“ einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Film noir.

Auszeichnungen

Citizen Kane
OSCAR-Nominierungen

Bester Film, Beste Regie, Bester Schauspieler (Orson Welles), Beste Ausstattung - Schwarz / Weiß, Beste Kamera - Schwarz / Weiß, Bester Schnitt, Beste Musik, Bester Ton

Gewonnene OSCARs

Bestes Drehbuch



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