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Alles, was wir geben mussten
Never Let Me Go
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Regie
Mark Romanek
Drehbuch
Alex Garland, Kazuo Ishiguro
Produzenten
Andrew Macdonald, Allon Reich
Genre Science-Fiction-Drama FSK 12 Filmlänge 105 min Land Großbritannien Kinostart 14.04.2011 DVD-Start 12.08.2011 Verleih 20th Century Fox Germany |
Story
Kathy, Tommy und Ruth wachsen in dem britischen Internat Hailsham auf. Sie verbringen dort eine behütete Kindheit, ohne viele Komplikationen. Was sie jedoch lange Zeit nicht wissen, oder nicht wahrnehmen können, ist, dass sie kein gewöhnliches Leben führen. Sie sind in Hailsham eingesperrt und bekommen zudem nur selten Besuch von außerhalb des Zauns. Erst als die Kinder eine neue Betreuerin bekommen, wird ihn ein bisschen mehr klar, dass es auch ein Leben außerhalb von Hailsham geben muss, und dass die Menschen dort anders leben. Die Erkenntnis ändert jedoch nichts daran, dass sich die Kinder nach wie vor ihrem Leben im Internat hingeben. Kathy verliebt sich sogar in Tommy. Das leicht brodelnde Liebesglück wird jedoch von Ruth durchbrochen, die ihrer besten Freundin Kathy schamlos den Freund ausspannt. Dennoch bleiben Kathy, Tommy und Ruth weiterhin ein sich treues Trio. Sogar später, als die drei älter geworden sind und fortan im Cottage, außerhalb von Hailsham leben dürfen, sind sie noch eng befreundet. Die starken Gefühle, die Kathy zu Tommy hat, lassen sich jedoch nicht ewig unterdrücken. Es kommt der Tag, an dem Kathy die Hoffnung aufgibt, dass Ruth und Tommy eines Tages nicht mehr zusammen sein könnten. Sie wendet sich ab und schlägt einen anderen Weg ein. Erst Jahre später, als sich die Bestimmung der Dreien - der Grund warum sie überhaupt auf dieser Erde leben dürfen - erfüllt, treffen sie sich unter tragischen Umständen wieder...
Schauspieler
Carey Mulligan, Keira Knightley, Andrew Garfield, Charlotte Rampling, Sally Hawkins, Domhnall Gleeson, Charlie Rowe, Andrea Riseborough, Ella Purnell, Izzy Meikle-Small, Nathalie Richard, Oliver Parsons
Filmkritik von Kathrin Lang
Erzählt wird die Geschichte aus einem Paralleluniversum heraus: Wir befinden uns in den 1980er Jahren. Die bis dahin unbekannte Protagonistin hält, mit gläsernen und von Schmerz gezeichneten Augen, den Blickkontakt mit einem jungen Erwachsenen, der hinter einer Glasscheibe auf dem OP-Tisch liegt. Es setzt ein Monolog ein, innerhalb dem sich die Protagonistin auf ihre Kindheit zurückbesinnt. Geistig reproduziert sie jene unbeschwerten Jahre, in denen sie und ihre Wegbegleiter noch nicht wussten, zu welchem Zweck sie auf dieser Erde verweilen. Es ist genau jene Zeit, die den Ankerpunkt bildet und die ihr aus heutiger Sicht das seltene Gefühl von Halt und Sicherheit gewährt. Im Folgenden darf der Zuschauer mit ihr zusammen in die Kindheitstage zurückkehren und in einer Rückblende erfahren, wer sie ist und welches schwere Schicksal eines Tages zu der Anfangssituation führen wird. Erst viel später gibt sich die Tragweite der schweren Bilder, die zu Beginn gezeigt wurden, zu erkennen.
„Alles, was wir geben mussten“, die ungenaue Übersetzung des englischen Titels „Never let me go“, ist ein britisches Science-Fiction-Drama, das vor allem durch seine unaufgeregte Erzählweise überzeugen kann. Vieles von dem, was die Geschichte auszeichnet, drückt sich im Spiel der Schauspieler oder auch in der Gestaltung des Szenenbildes aus. Während die einfühlenden Dialoge lediglich der Widerspiegelung des Seelenlebens der Protagonisten dienen und keine wertende oder aufklärende Stellung einnehmen, findet das Drama in seiner Ruhe und Verschlossenheit zu wahrer Größe.
Dem gängigen Hollywoodvorgehen entgegengesetzt, entwickelt „ Alles, was wir geben mussten“ seine emotionale Kraft aus dem schweren Schicksal seiner Protagonisten heraus und nicht aus der moralischen Präsentation eines gewiss fragwürdigen Systems. Mark Romaneks Drama beschäftigt sich mit den Folgen und Auswirkungen einer Zukunftsvision, ohne dabei direkt anzuklagen. Überraschenderweise geht es auch tatsächlich niemals um einen Kampf gegen irgendetwas: Die Möglichkeit einer fehlerhaften Lücke, die ein Entkommen aus dem System garantieren würde, wird nicht einmal angedacht. Die Lethargie, mit der die Figuren in ihrem Leben verharren und die ihrem Denken von Grund auf anhaftet, ist manchmal kaum auszuhalten, bildet gleichzeitig aber auch die ganze emotionale Schlagkraft des Films.
Ohne Sensationsgier wird mit „ Alles, was wir geben mussten“ zudem ein mögliches Zukunftsszenario entwickelt, das vor allem seine Schauspieler stark herausfordert. Was man von Carey Mulligan, Keira Knightley und Andrew Garfield erwartete, war ein intensives Spiel, das dieser im Drehbuch weitgehend unaufgeregten Geschichte, Nachhaltigkeit und Stärke verleiht. Dies gelingt den drei Mimen vorzüglich. Die häufig in prächtigen Kostümdramen auftretende Keira Knightley versteht es ebenso wie der zukünftige „Spider Man“ Andrew Garfield, die eigentliche Tragik, die ihren Figuren innewohnt, zu erkennen und diesen in ihrem Spiel auszudrücken. Nichts jedoch gegen Carey Mulligan als Kathy H., aus deren Perspektive heraus die Geschichte erzählt wird und deren Spiel sich als das am Differenziertesten zeigt. Je mehr sich das von Anfang an spannungsgeladene Geheimnis rundum ihre Figur lüftet, desto intensiver wird ihr Spiel und desto intensiver wird schließlich auch die Wahrnehmung der Geschichte.
„Alles, was wir geben mussten“ kommt mit kleinen Gesten aus, anstatt mit großen Worten und gehört im Kino damit zu jenen seltenen Dramen, deren wahre Dramatik sich im Zusammenspiel von Ruhe und Darstellerkraft zum Ausdruck bringt.
Wissenswertes
„Alles, was wir geben musste“ ist die Literaturverfilmung des Romans „Never let me go“ von Kazuo Ishiguro. Der Autor schrieb auch am Drehbuch mit.
Der Film wurde im englischen Original mit deutschen Untertiteln gesehen und bewertet.
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Kommentare
Tyyson schreibt am 30.07.11, 04:03
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