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Im Winter ein Jahr
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Regie
Caroline Link
Drehbuch
Caroline Link
Produzenten
Uschi Reich, Martin Moszkowicz
Genre Drama FSK 12 Filmlänge 128 min Land Deutschland Kinostart 13.11.2008 DVD-Start 28.05.2009 Verleih Constantin Film |
Story
Der Künstler Max Hollander bekommt von Eliane Richter den Auftrag, ein Porträt ihrer beiden Kinder zu malen. Das Problem an der Sache ist allerdings, dass nur die 22jährige Lilli als Modell zur Verfügung steht. Ihr drei Jahre jüngerer Bruder Alexander kam im Jahr zuvor bei einem Unfall ums Leben. Lilli, die Tanz studiert, ist wenig begeistert vom Wunsch ihrer Mutter, zu der sie ein äußerst schwieriges Verhältnis hat. Zunächst geht sie völlig unmotiviert zu den Sitzungen im Studio des Malers, der versucht, etwas über die Beziehung der beiden Geschwister zueinander herauszufinden. Je öfter Lilli bei Max Modell sitzt, desto mehr spürt dieser, was die wahren Gefühle der nach außen hin so tough wirkenden jungen Frau sind . Der Künstler merkt, dass Lilli große emotionale Probleme hat – und nicht nur sie. Auch ihre Eltern kommen mit der Situation kaum klar und versuchen, jeder auf seine Weise, irgendwie weiterzuleben. Je näher Max und Lilli einander kommen, desto klarer wird für den Maler, dass er das Bild, das Eliane sich von ihren beiden Kindern erhoffte, so nicht malen kann.
Schauspieler
Karoline Herfurth, Josef Bierbichler, Corinna Harfouch, Hanns Zischler, Misel Maticevic, Cyril Sjöström, Jacob Matschenz
Filmkritik von Stefanie Rufle
Nach ihren grandiosen Erfolgsfilmen „Jenseits der Stille“ und „Nirgendwo in Afrika“ ist es Caroline Link erneut gelungen, einen Film zu erschaffen, der gleichermaßen berührt, zum Lachen bringt und den Zuschauer bis zum Schluss fesselt. Hier sind sie wieder, die leisen Töne, die einen großartigen Film hervorbringen. So unspektakulär die Geschichte sich auch anhören mag – das, was Link mit ihrer beeindruckenden Darstellerriege daraus gemacht hat, ist ein kleines Meisterwerk.
Vor allem die Beziehung zwischen dem so spröde wirkenden Künstler Max und der labilen Lilli steht hierbei im Mittelpunkt. Es entsteht eine unglaubliche Spannung zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Menschen, die aber doch keine Liebesbeziehung im eigentlichen Sinne ist. Josef Bierbichler und Karoline Herfurth erweisen sich in den Rollen von Max und Lilli als ein wahrer Glücksgriff. Hier stimmt einfach die Chemie und das ist in jeder Sequenz spürbar, und vor allem Bierbichlers ganz eigener Humor hilft dem Zuschauer über manch ergreifenden Moment hinweg. Link lässt durch diese beiden in einer geradezu beklemmenden Situation Hoffnung aufkeimen, zeigt wie zwei Menschen einander mehr unbewusst helfen, ihren Weg weiterzugehen. Karoline Herfurth, die auch die Tanzszenen selber spielte, überzeugt restlos als Schwester, die zurückbleibt und in ihrem Leben einfach nicht mehr weiterweiß. Corinna Harfouch als trauernde Mutter lässt eine abgrundtiefe Verzweiflung aufkommen, die sich manchmal schier ungebremst Bahn bricht.
Doch nicht nur bei der Rollenbesetzung bewies Caroline Link ein sicheres Händchen. Auch die Filmmusik ist traumhaft schön und lässt doch Platz für eigene Gefühle und Interpretationen. Nie hat man das Gefühl, es wäre zu viel oder gar kitschig und vor allem der Peter Gabriel-Song ganz zum Schluss berührt zutiefst. Die Bedeutung von Bildern ist das zentrale Thema dieses Films – und vor allem Links Bildgewalt ist es, die „Im Winter ein Jahr“ ausmacht. Der Macht dieser Bilder kann man sich einfach nicht entziehen, wird mehr und mehr in die Geschichte hineingezogen. Mit „Im Winter ein Jahr“ hat Caroline Link einen Film erschaffen, der das Schicksal mehrerer gestrandeter Menschen erzählt – und am Ende doch vor allem Hoffnung macht.
Wissenswertes
"Im Winter ein Jahr" ist der erste Film seit "Nirgendwo in Afrika", für den die Regisseurin Caroline Link den OSCAR in der Sparte "Bester ausländischer Film" gewann.
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Kommentare
Martin schreibt am 16.11.08, 18:57
Eine Kritik die Lust auf den Film macht! Danke dafür!
Ich bin gespannt
petra schreibt am 16.11.08, 17:16
Ich liebe die Filme von Caroline Link. Deshalb bin ich von Kritiken unbeeinflusst in der 1. Spielwoche ins Kino gegangen und nach einer Stunde wieder hinaus. Ich gebe zu, es liegt auch an der eigenen Verfassung, wie man einen Film sieht. Und der Erwartung, dass jeder Film von Caroline Link mich so fesselt, dass ich ihn mehrmals sehen will, um nichts zu übersehen.
Aber das Thema dieses Films habe ich schon intensiver gesehen, z.B. bei Robert Redford. Auch dort wurde durch die Trauer ein schwelender Konflikt mit dem zurückgebliebenen Kind verarbeitet. Großartig. Wer ähnliches erwartet - wird enttäuscht. Ich weiß nicht einmal, woran es liegt. Aber die Personen berührten mich nicht. Es interessierte mich nicht, wie sie mit ihren Gefühlen umgingen. Einzig der Maler hatte meine Aufmerksamkeit. Aber er allein konnte für mich den Film nicht tragen.
So muss ich auf den nächsten Film von Frau Link warten und tue dies ungetrübt. Auch einer Caroline Link kann nicht mit jedem Film der große Wurf gelingen.
Martin schreibt am 05.12.08, 23:33
Caroline Link hat eine faszinierende Art gefunden den Schmerz tiefster Sehnsucht darzustellen. Für mich war es unglaublich schwer diesen Film zu gucken.
Karoline Herfurth habe ich noch nie so stark gesehen! Sie spielt in teilen unglaublich gut...
Ein SEHR guter Film!!!
