John Rabe

Filmplakat John Rabe
Regie Florian Gallenberger  Drehbuch Florian Gallenberger  Produzenten Mischa Hofmann, Benjamin Herrmann, Jan Mojto 
Genre Biopic  FSK 12  Filmlänge 130 min
Land Deutschland, Frankreich, Japan  Kinostart 02.04.2009  DVD-Start 01.10.2009  Blu-ray-Start 01.10.2009  Verleih Majestic Film

Story

Nach über 27 Jahren ruft die Firma Siemens ihren Niederlassungsleiter John Rabe aus dem chinesischen Nanking zurück. Dieser verlässt seinen Posten nur widerwillig, sind ihm Land und Leute doch ans Herz gewachsen. Wir schreiben das Jahr 1937. Siemens liefert Strom für China und seine Hauptstadt Nanking. Im Norden haben die Japaner mit dem ehemaligen chinesischen Kaiser als Marionette den Staat Mandschukuo ausgerufen und China angegriffen. Am Tag von Rabes Verabschiedung fallen die ersten Bomben auf Nanking. Kurz entschlossen öffnet John Rabe für die Menschen die Tore des Siemens-Firmengeländes. Sein Nachfolger Werner Fließ ist entsetzt und wirft dem Kaufmann unwürdiges Verhalten vor. Doch John Rabe ist entschlossen den Menschen von Nanking zu helfen. Zusammen mit den wenigen verbliebenen Europäern trotzt er den Japanern und errichtet in der Stadt eine Schutzzone.

Schauspieler

John Rabe Ulrich Tukur, Anne Consigny, Daniel Brühl, Zhang Jingchu, Steve Buscemi, Dagmar Manzel, Gottfried John, Mathias Herrmann

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 4 von 5 Ms John Rabe Bislang war die filmische Beschäftigung mit Persönlichkeiten der NS-Zeit nicht gerade eine Domäne des Deutschen Films. Historische Betrachtungen waren dem Doku-TV im Bereich des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens vorbehalten und für die Kinofilme war meist das Ausland zuständig. Umso mutiger ist es, dass sich Regisseur und Drehbuchautor Florian Gallenberger an den Themenkomplex herangewagt hat. Mit John Rabe, dem Oskar Schindler von Nanking, hat er sich zudem eine Figur ausgesucht, die nicht in das Bild passt, dass die Deutschen sonst gerne auf der Leinwand thematisieren: Gute Deutsche im Dritten Reich gehörten zum Widerstand. Ein Film über einen „guten“ Nazi schien lange tabu. Nun war John Rabe aber Mitglied der NSDAP und hat doch, als es darauf ankam, mit Mut und Zivilcourage das Richtige getan und sich für die Bevölkerung im besetzten Nanking fast bis zur Selbstaufgabe eingesetzt. So eine Tat verdient äußersten Respekt und Anerkennung. Beides ist John Rabe zu Lebzeiten in seiner Heimat Deutschland nicht zu Teil geworden.

Wer war dieser Mann nun? Ein braver Parteisoldat, ein Geschäftsmann für den die Parteizugehörigkeit nur Mittel zum Zweck war oder doch ein überzeugter Anhänger Hitlers? Gallenberger liefert mit seinem Film einige Erklärungsansätze, bleibt eine kritische Auseinandersetzung zu dieser Facette seiner Hauptfigur aber schuldig. Ein Wermutstropfen in einem sonst sehr sehenswerten Film. Die erstklassige Besetzung wird von einem eindringlich spielenden Ulrich Tukur angeführt. Sein John Rabe ist ein Mann der Tat, mit den richtigen moralischen Werten. Ihm zur Seite stehen in größeren Nebenrollen Steve Buscemi, Daniel Brühl und Anne Consigny. All diesen Leistungen ist es zu verdanken, dass mit Hilfe eingeflochtener Originalaufnahmen, einer guten Ausstattung und einem passenden Drehbuch, diese bedrückende Aufarbeitung der schrecklichen Ereignisse von Nanking gelungen ist. „John Rabe“ ist großes deutsches Kino mit einer packenden Geschichte. Hiervon wollen wir mehr sehen!

Wissenswertes

John Rabe John Rabe rettete über 200.000 Menschen in Nanking das Leben. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er der Kollaboration mit den Chinesen beschuldigt. Er starb 1950 verarmt und vergessen. In China wird er noch heute als lebender Buddha verehrt.

Bis heute hat sich Japan bei China nicht für die Massaker und Gräueltaten von Nanking entschuldigt.



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