Es geschah am hellichten Tag (TV)

Filmplakat Es geschah am hellichten Tag (TV)
Regie Nico Hofmann  Drehbuch Bernd Eichinger, Uwe Wilhelm  Produzenten Bernd Eichinger, Uschi Reich 
Genre Krimi  FSK 12  Filmlänge 86 min
Land Deutschland, 1996  DVD-Start 07.01.1997  Verleih EuroVideo

Story

Der Hausierer Bock macht im Wald einen verhängnisvollen Fund: die Leiche eines kleinen Mädchens liegt dort im Unterholz. Für die Dorfbewohner ist der Täter schnell ausgemacht, der Mörder kann nur Bock sein, der viel in der Gegend umher kommt und auch noch mit Rasiermessern handelt. Womit auch schon das potentielle Tatwerkzeug gefunden wäre. Die Dorfbewohner fackeln nicht lange, mit Lynchjustiz sind sie schnell bei der Hand. Beinahe findet der Hausierer sein Ende in der Jauchegrube und als er daraufhin völlig verstört die Tat gesteht, wird er vom Vater des getöteten Mädchens erschossen. Damit scheint der Fall geklärt und könnte eigentlich zu den Akten gelegt werden. Doch Kommissar Matthäus hat da so seine Zweifel, er befürchtet, dass der wahre Täter weiterhin auf der Jagd nach kleinen Mädchen ist. Aus diesem Grund spielt der Kommissar ein doppeltes Spiel. Inkognito mietet er sich bei einer allein erziehenden Frau ein und benutzt die Tochter seiner Zimmerwirtin als Lockvogel - ein äußerst gefährliches Spiel, wie sich bald herausstellen soll...

Schauspieler

Es geschah am hellichten Tag (TV) Joachim Król, Barbara Rudnik, Axel Milberg, Judith Thayenthal, Heino Ferch

Filmkritik von Stefanie Rufle

Steffi vergibt 3 von 5 Ms Es geschah am hellichten Tag (TV) Für all jene, die die großartige Dürrenmatt-Verfilmung mit Heinz Rühmann und dem grandiosen Gert Fröbe kennen, kann dieser TV-Film nur ein billiger Abklatsch sein. Was nicht heißen soll, dass die Neuverfilmung von "Es geschah am hellichten Tag" schlecht wäre. Im Gegenteil, großartige Schauspieler, allen voran der geniale Joachim Król als Kommissar Matthäus, bieten hier eine durch und durch überzeugende Darstellung. Egal, ob nun Heino Ferch als verzweifelter Hausierer, Barbara Rudnik als besorgte Mutter oder Axel Milberg als finsterer Bösewicht - sie alle machen ihre Sache wirklich gut und geben ein präzises und überzeugendes Spiel, das wahres Können beweist. Aber trotzdem stellt sich die Frage: Warum muss ein durch und durch perfekter Film, der einfach nicht mehr zu toppen ist, nochmal neu verfilmt werden? Die bedrückende und bedrohliche Stimmung des Originals aus dem Jahr 1958 sucht man hier vergebens und einen Bösewicht wie Gert Fröbe kann es einfach nicht noch einmal geben. Hier kämpfen wahre Könner der Schauspielkunst einen Kampf gegen Windmühlen - den sie am Ende doch nur verlieren können!



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Kommentare

Michael G. Symolka schreibt am 09.02.12, 11:43
ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG – DAS VERPRECHEN

(F. Dürrenmatt – Buchvorlage und filmische Epigonen bzw. Fehlleistungen!)

Im Vergleich zu der Verfilmung mit Rühmann zwergenhaft schwach inszeniert - sogar Jack Nicholson ist trotz hervorragender Leistung an diesem Stoff massiv gescheitert (USA-Verfilmung) - nun der uncharismatische, biedere Kroll, wie soll der nun dieser Figur Leben einhauchen! (Rühmann hatte die Distanz und den fast skrupellosen Pragmatismus des Polizisten in überzeugender Weise dargestellt, um sein Versprechen zu erfüllen – Kroll ist ein umgänglicher Durchschnittstyp ohne Konturen!)
Das faszinierende Drama des Buches wurde in keinem der Filme dargestellt und umgesetzt - das hat sich niemand getraut, niemand gewagt – nämlich kein "Happyend" ! - Den Verfall des Ex-Kommissars, der Jahre auf den Mörder wartet an der runtergekommenen Tankstelle, der längst bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, aufzuzeigen. (zu langweilig, zu episch, zu sehr griechische Tragödie) - Wenn schon, hätte besser Ferch den Kommissar gespielt und Kroll den tumben armen Hausierer! Wäre glaubhafter gewesen - auch vom Duktus und der Physiognomie der Schauspieler! (Noch besser wäre gewesen, Eichinger hätte die Finger und die Kamera von diesem Stoff gelassen! - Schauspieler, die sonst ganz gut sind, völlig unter Ihrem Vermögen - eine verschwendete Barbara Rudnik, Monika Bleibtreu - 70-jährig, als Mutter einer 7-jährigen Tocher, wie glaubhaft ist das denn - unbefleckte Empfängnis in gerontologischen Dosen durch die natürliche Öffnung des Hymens? Zudem völlig frei von jedem Anzeichen der Trauer! Hammerhart. Hölzernes Spiel aller Beteiligten (bis zum Dilettantismus!), das Kind ist nervig und weit davon entfernt als „Mädchen“ zu überzeugen! – Klischeehaft! Schlechte Bilder ohne Substanz! - Flatscreen–TV-Geräte und dann Interieur und Autos aus den 60-ern - grauenvoll. Dubioser Zeitgeist – man weiss nie wirklich, in welchem Jahrzehnt sich die Protagonisten befinden.
Lynchjustiz in der bayerischen tiefsten Provinz, der Bayer als Neanderthaler – aber headbangend vor dem Polizeirevier, niedere Kreaturen, allemal und höchstens mit Instinkten – am Stammtisch darf ein Alibineger sitzen, aber auch nur, weil er Fussball für den Dorfclub spielt…! Wäre der Stoff nicht so schwer, könnte man Eichinger noch unterstellen, er hat eine schräge Komödie gedreht, unter diesem Aspekt, hätte der Film wenigstens minimalen Unterhaltungswert. Nur zweidimensionale figuren – ob es der eitle Fatzke von LKA ist oder der Hauptkommissar in Unform von Martin Lüttke – ein Witz! Alles passiert unvermittelt, drastisch verkürzt, in einer Art Zeitraffer – nichts entwickelt sich – weder eine Psychologie des Täters, der in seinem Geheimzimmer auf Bilder kleiner Mädchen onaniert, mit der er seine Wände tapeziert hat – der einzige Hinweis auf seine Störung! Im Rühmann-Film wurde wenigsten die überdominante, herrische Mutter ins Bild geführt, die den Hass des Täters auf Frauen unterlegte und glaubhaft machte – sowie den einigermaßen plausiblen Grund lieferte, sich an hilflosen Mädchen zu vergehen – in dieser Verfilmung mit dem ebenfalls erbärmlichen Axel Milbrand nicht den Hauch einer Andeutung. Man ist eben mal ad hoc und aus „Lust“ und Laune Mädchenmörder. Hanebüchen. ) – noch eine Charakterisierung des miserablen Kroll als Polizist und den Inhalt des Fanatismus, sein „Versprechen“ zu erfüllen! Einfach grauenhaft schlecht! Der Filmgott hab ihn selig, den Eichinger – aber wenn Mittelmaß das erwünschte Resultat war, dann hat dieser Mann die Vorgaben immer knapp erfüllt – aber nie ein Jota drüber. Deswegen waren seine Filme wahrscheinlich auch meist erfolgreich – Massenware ohne Konturen! Eine Neuauflage – vor allem eine solch unterirdisch-grottenhaft schlechte – dieses grandios-grauenhaften Stoffes ist und bleibt höchst redundant – ausser ein Regisseur wagt sich wirklich einmal an die buchstabengetreue Wiedergabe der Erzählung von Dürrenmatt und zeichnet das Scheitern des Kommissars an seinem Fanatismus und an seinem Versprechen exakt nach – sehr schwer umzusetzen. Empfehle, das Buch von Dürrenmatt zu lesen und dann diesen Film zu schauen, wer dann nicht nach 20 Minuten abschaltet ist sehr bescheiden im Anspruch – ausser er ist neugierig bis zum bitteren Ende, wie man eine grandiose Vorlage exemplarisch (bedeutet „bespiellos“!) versauen kann, dass die Wände wackeln! – Goldene Zitrone, Silberne Himbeere – oder einfach ignorieren, wenn man das Buch gelesen oder den Rühmann-Film (der auch Schwächen hat) gesehen hat. Gibt nicht viele Filme, die dem Buch die Waage halten, vielleicht Clockwork Orange, Barry Lyndon (da ist der Film ausnahmsweise besser als die Buchvorlage!) oder Solaris (allerdings die Tarkowskij-Verfilmung, nicht der Quatsch mit Clooney – ähnliches Kaliber, wie der vorliegende Fall!) Michael G. Symolka
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