Velvet Goldmine

Filmplakat Velvet Goldmine
Regie Todd Haynes  Drehbuch Todd Haynes, James Lyons  Produzent Christine Vachon 
Genre Drama  FSK 12  Filmlänge 118 min
Land Großbritannien, USA  Kinostart 26.11.1998  DVD-Start 21.02.2000  Verleih Tobis Film

Story

Als Journalist Arthur Stuart Anfang der 80er Jahre von seinem Boss gebeten wird für die Wochenendausgabe des „Harold“ eine Story über den verschollenen Glamrock-Star Brian Slade zu machen, ist die Recherche für ihn wie ein Trip in die eigenen Vergangenheit. Als Teenager selbst ein Fan des bisexuellen Sängers, offenbaren ihm Interviews mit Brians Ex-Manager und dessen Ex-Frau und einstiger Muse Mandy auch den Menschen hinter der Fassade aus Glamour und Glitter. Slade wurde durch geschicktes Marketing zu Beginn der 70er Jahre zur Ikone der Glamrock-Bewegung, provozierte durch seine offen gelebte Sexualität, erlangte nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit dem Rocker Curt Wilde Weltruhm. Erst sein eigen inszenierter Tod auf der Bühne kostete ihn den Erfolg. Wenig später verschwand Slade spurlos. Arthur Stuart Nachforschungen führen ihn mitten hinein in die wilde Glam-Szene und offenbaren die unglaubliche Wahrheit über Slades Schicksal.

Schauspieler

Velvet Goldmine Jonathan Rhys-Meyers, Ewan McGregor, Toni Collette, Christian Bale, Eddie Izzard, Emily Woof, Michael Feast, Mairead McKinley, Luke Morgan Oliver, Osheen Jones, Micko Westmoreland

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 3 von 5 Ms Velvet Goldmine Mit „Velvet Goldmine“ entführt uns der US-amerikanische Filmemacher Todd Haynes in die wilde aber kurze Ära des Glamrock, der Anfang der 70er Jahre die Hippie Bewegung ablöste und mit einer sexuellen Revolution einherging. Plötzlich war es hip sich elegant und glamourös zu kleiden und mit der eigenen Bisexualität zu kokettieren. Haynes, der für „Velvet Goldmine“ auch am Drehbuch mitschrieb, lehnt seine fiktive Musikerbiographie des Brian Slade an die Karriere von David Bowie an. Seine angebliche Affäre mit dem amerikanischen Punkrocker Iggy Pop stand wohl auch Pate für die Liebesgeschichte, die sich zwischen Slade und der Figur des Curt Wilde entwickelt.
Todd Haynes schafft es mit einer Mischung aus Video-Clip-Szenen, surrealen Traumsequenzen, schrillen und aufwändigen Kostümen und sexueller Freizügigkeit das Lebensgefühl dieser Zeit insbesondere musikalisch und optisch einzufangen. Zusammen mit ihm taucht man ab in diese Ära, in der man mit seiner bewusst zur Schau getragen Andersartigkeit zum Star wurde. Der Film wird zum kreativen Rausch, der einen mitreißt. Haynes vergisst bei all den experimentellen Aspekten seiner Inszenierung nicht, auch die Schattenseiten des Showbiz einzubinden, thematisiert das kalte Kalkül egoistischer Musiker und ihrer Manager, für die im Kampf um Ruhm, Geld und Erfolg Image alles ist. Dennoch offenbart die Handlung auch immer wieder Unstimmigkeiten im Drehbuch. „Velvet Goldmine“ ist eine Hommage an eine wilde Zeit, in der man nicht nur in seinen Träumen werden konnte was man wollte. Der Trip in die Vergangenheit ist berauschend, doch bei der Einbettung in eine Rahmenhandlung schwächelte Todd Haynes. Christian Bale, dem die Rolle zufällt die Fan- und Groupie-Seite der Bewegung zu zeigen und den Bezug zur Gegenwart herzustellen, bleibt blass, auch weil das Drehbuch ihm wenig Möglichkeiten und Zeit zum Glänzen bietet. Die Idee, die Glam-Rocker mittels einer magischen Brosche mit dem Autor Oscar Wilde in einen Gesamtkontext zu stellen wirkt so märchenhaft verspielt und gewollt, wie die Darstellung der 80er Jahre als übertrieben farblos gehaltene Epoche ohne offenen Geist, als Pendant konstruiert und wenig ausgearbeitet erscheint.
Für seine abgefahrene und schrille Zeitreise konnte Todd Haynes ausdruckstarke Schauspieler gewinnen. Jonathan Rhys-Meyers ist als androgyn wirkender und gefühllos agierender Brian Slade eine absolute Wucht und bildet zusammen mit einem Ewan McGregor, der den Punkrocker Curt Wilde mit einer elektrisierenden Authentizität gibt, eine Bastion, gegen die Christina Bale als Journalist Arthur nicht ankommt. Toni Collette als Slades Muse Mandy kann hier mehr Akzente setzen.

„Wir wollten die Welt verändern, aber am Ende haben nur wir uns verändert“ fasst Curt Wild die Zeit des Glamrock am Ende des Films noch einmal zusammen. Eine Quintessenz, die nicht nur für diese Zeit Gültigkeit hat. Todd Haynes arbeitet das in seinem Film gut heraus, stellt die Ära jedoch zu wenig deutlich in einen gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang. Bei all der kreativen Energie, die „Velvet Goldmine“ auszeichnet, vermisst man, wenn der Rausch vorüber ist, eine intensivere Auseinandersetzung, die über Kostüme und Musik hinausgeht.

Wissenswertes

Velvet Goldmine Todd Haynes entlehnte seinen Filmtitel einem Songtitel von David Bowie, den er auch einer B-Seite einer seiner Platten veröffentlichte.
Jonathan Rhys-Meyers und Ewan McGregor singen ihre Gesangparts alle selbst.

Auszeichnungen

Velvet Goldmine
OSCAR-Nominierungen

Beste Kostüme



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