Es war einer von uns (TV)

Regie Kai Wessel  Drehbuch Astrid Ströher  Produzent Lisa Blumenberg 
Genre Drama  Filmlänge 90 min
Land Deutschland, 2011  Verleih ZDF

Story

Die 33jährige Johanna genießt die Geburtstagsparty ihrer Freundin Leonie in vollen Zügen. Alle Freunde sind da, die Musik ist gut, die Gespräche stimmen und für Alkohol ist natürlich auch gesorgt. Dass der letzte Schluck aus dem Champagnerglas, das eine ganze Weile unbeaufsichtigt im Flur gestanden hatte, etwas seltsam schmeckt, fällt Johanna zwar auf, doch sie macht sich keine weiteren Gedanken darüber. Der allgemeine Aufbruch ist begleitet vom üblichen Durcheinander und obwohl Johanna nicht mehr ganz sicher auf ihren Beinen steht, lehnt sie alle Angebote der Freunde ab, sie nach Hause zu bringen. Obwohl sie ihren Körper kaum noch unter Kontrolle hat, steigt sie auf ihr Fahrrad und macht sich auf den Heimweg.
Am nächsten Morgen wacht Johanna allein im Wald auf – ihr Körper förmlich in den Waldboden gedrückt und vergewaltigt. Das Schlimmste: Johanna kann sich an rein gar nichts mehr erinnern, sie hat einen regelrechten Filmriss. Die 33jährige macht Anzeige bei der Polizei und die Tests dort zeigen ein eindeutiges Resultat: Jemand hat Johanna auf der Party K.o.-Tropfen ins Glas geschüttet – jemand von Johannas Freunden! Nun beginnt die tatsächliche Qual für die junge Frau, denn sie muss mit dem Gedanken leben, dass einer aus ihrem Freundeskreis ihr das angetan hat und sie womöglich niemals erfahren wird, wer es war…

Schauspieler

Es war einer von uns (TV) Maria Simon, Anja Kling, Devid Striesow, Patrick Heyn, Adam Bousdoukos, Hans-Jochen Wagner, Johanna Gastdorf, Kathrin Wehlisch, Helene Grass, Maren Kroymann, Gerhard Garbers, Rainer Sellien, Gitta Schweighöfer, Theresa Berlage, Andy Gatjen

Filmkritik von Stefanie Rufle

Steffi vergibt 5 von 5 Ms Es war einer von uns (TV) „Aus den meisten Albträumen wacht man irgendwann auf und bemerkt erleichtert: es ist vorbei. Mein Albtraum ist ein großer, blinder Fleck. Keine Erinnerung – nur das Wissen: Es war einer von uns.“ (Johanna Schröder)
Es ist ein Gedanke, wie er perfider kaum sein könnte: Eine junge Frau muss sich mit der Gewissheit auseinandersetzen, dass einer ihrer Freunde sie betäubt und brutal vergewaltigt hat – und dass sie vielleicht nie erfahren wird, wer ihr das angetan hat. Immer wieder hört man davon, dass Frauen mit einer so genannten „Vergewaltigungsdroge“ außer Gefecht gesetzt werden und sich hinterher weder an die Vergewaltigung selbst noch an ihren Peiniger erinnern können. Wie schnell ein solches Szenario tatsächlich wahr werden kann, zeigt dieser unter die Haut gehende Fernsehfilm. Vor allem macht diese Geschichte aus der Feder von Astrid Ströher deutlich, wie sehr der Verlust jeglicher Kontrolle und das Misstrauen das Leben eines Menschen völlig verändern können. Das ist, neben der großartigen Inszenierung, vor allem dem eindringlichen Spiel von Hauptdarstellerin Maria Simon zu verdanken. Die allmählich in den Wahnsinn abgleitende Verzweiflung Johannas stellt Simon derart authentisch und unmissverständlich dar, dass man immer wieder Gänsehaut bekommt – eine starke Leistung! Doch auch alle anderen Darsteller, unter ihnen Anja Kling als Johannas beste Freundin und Devid Striesow als deren Ehemann tragen viel zur Glaubwürdigkeit dieses Dramas bei.

Von Anfang an bleibt Regisseur Kai Wessel ganz nah bei der Hauptfigur, erzählt die Geschichte quasi aus ihrer Perspektive, was zur Folge hat, dass man als Zuschauer mit ihr gemeinsam jeden der Freunde argwöhnisch begutachtet. Dadurch wird die Spannungsschraube permanent angezogen und die Suche Johannas nach dem Täter gestaltet sich spannend und glaubwürdig.
„Es war einer von uns“ erzählt vom Unvermögen eines Opfers, nach der Tat einfach weiterzuleben und so zu tun, als sei alles gut. Vom Zerbrechen von Freundschaften, dem Verlust jeglichen Vertrauens und der Bedeutung einer sozialen Gemeinschaft, die einen auffängt. Auf angenehme Art und Weise kommt dieser Fernsehfilm dabei ohne jede Verkitschung aus und erzählt Johannas Geschichte in eher leisen Tönen.



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