Jakob der Lügner

Jakob the Liar

Filmplakat Jakob der Lügner
Regie Peter Kassovitz  Drehbuch Peter Kassovitz  Produzenten Steven Haft, Marcia Garces Williams 
Genre Tragik-Komödie  FSK 12  Filmlänge 116 min
Land Frankreich, USA, Ungarn  Kinostart 28.10.1999  DVD-Start 21.09.2000  Verleih Columbia TriStar

Story

Polen während des Zweiten Weltkrieges. Jakob Heym lebt in einem Ghetto und weiß, dass er bald schon in ein Konzentrationslager geschafft werden wird. Seine Situation ist mehr als aussichtslos und der Alltag der Ghetto-Bewohner ist geprägt von Selbstmorden, Hinrichtungen und Abtransporten. Durch einen unglücklichen Zufall landet Jakob eines späten Abends im Büro des Lagerkommandanten – und schnappt dabei eine Radiomeldung über den Vormarsch der Roten Armee auf. Um das Leid seiner Lagergenossen etwas zu mildern, erzählt er diese gute Nachricht weiter, was bald schon das Gerücht kursieren lässt, dass Jakob im heimlichen Besitz eines Radios sei. Von nun an erfindet Jakob immer neue Geschichten, die die Moral unter seinen Leidensgenossen etwas heben sollen und mit denen er auch der kleinen Lina Kronstein, die bei ihm Zuflucht gefunden hat, Hoffnung geben möchte, dass sie ihre Familie vielleicht doch noch lebend wieder sieht.
Doch mit seinen Lügengeschichten bringt Jakob sich und die Bewohner des Ghettos in große Gefahr, denn der Besitz eines Radios wird von den Nazis mit dem Tode bestraft.

Schauspieler

Jakob der Lügner Robin Williams, Hannah Taylor-Gordon, Justus von Dohnanyi, Eva Igo, Istvan Balint, Alan Arkin, Armin Mueller-Stahl, Bob Balaban, Kathleen Gati, Michael Jeter, Liev Schreiber, Mark Margolis

Filmkritik von Stefanie Rufle

Steffi vergibt 2 von 5 Ms Jakob der Lügner Die Frage, ob es tatsächlich legitim sein kann, der größten menschlichen Tragödie des 20. Jahrhunderts mit Witz zu begegnen, stellt sich bei diesem Film zwangsläufig – und das mehr als einmal. Wahrscheinlich ist es so, dass man diese Frage nicht wirklich befriedigend beantworten kann, ist doch der Holocaust ein Thema, dem nicht nur hierzulande mit äußerster Vorsicht begegnet wird – und das völlig zu Recht! Deshalb wird auch „Jakob der Lügner“ ein Film sein, an dem sich schlussendlich die Geister scheiden. Jurek Becker schuf den Roman „Jakob der Lügner“, der bereits 1974 von der DEFA verfilmt wurde, und in dieser neuen Version aus dem Jahr 1999 lässt sich eines nie leugnen: es handelt sich um eine Hollywood-Produktion! Eine folkloristisch-verkitschte Atmosphäre schwebt über den Szenen des Ghettos, was dem Film einiges an Authentizität raubt. Obwohl an Originalschauplätzen in Polen und Ungarn gedreht wurde, will sich das Grauen angesichts eines Ortes voll von Todesangst und abgrundtiefer Unmenschlichkeit nie so recht einstellen. Dieses Gefühl wird durch die Darstellung von Robin Williams nur noch verstärkt, der geradezu verzweifelt darum zu kämpfen scheint, dem Holocaust ein Lächeln abzuringen. „Jakob der Lügner“ soll ein Drama über Hoffnung und Humor im Angesicht des Todes sein – doch das gelingt dieser Tragik-Komödie nur bedingt.

Alles an diesem Film wirkt zu schnell, zu laut und zu oberflächlich und trotz des geschilderten Grauens oftmals verharmlosend. Es sind die typischen Zutaten eines Robin Williams-Films, die „Jakob der Lügner“ unglaubwürdig wirken lassen. Der überschäumende Humor und die übergroßen Rührseligkeiten des Komikers wollen einfach nicht so recht passen. Lediglich die Szene, in der Jakob der kleinen Lina zuliebe eine komplette Radiosequenz nachspielt, kann als durch und durch gelungen bezeichnet werden – hier fühlt man sich als Zuschauer ehrlich berührt. Armin Mueller-Stahl, der schon im DEFA-Film zu sehen war und hier den Arzt Professor Kirschbaum spielt, überzeugt hingegen auf eindringliche Art und Weise. Die Botschaft von der Lüge, die Hoffnung spenden soll, geht in dieser Hollywood-Tragik-Komödie allerdings völlig unter. Abschließend kann gesagt werden, dass Regisseur Peter Kassovitz die Gratwanderung, einen leichten Film über ein schweres Thema zu drehen, nicht befriedigend gelungen ist.

Wissenswertes

Jakob der Lügner Robin Williams erhielt für seine Darstellung eine Nominierung für den "Razzie Award", der zweifelhaften "Auszeichnung" des schlechtesten Schauspielers des Jahres.
Die DEFA-Verfilmung von Jurek Beckers Roman aus dem Jahre 1974 war und blieb die einzige DDR-Produktion, die jemals für den OSCAR nominiert wurde.



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