Wilde Unschuld

Savage Grace

Filmplakat Wilde Unschuld
Regie Tom Kalin  Drehbuch Howard A. Rodman  Produzenten Pamela Koffler, Iker Monfort, Katie Roumel, Christine Vachon 
Genre Drama  FSK 16  Filmlänge 96 min
Land USA, Spanien  Kinostart 08.05.2008  DVD-Start 15.10.2008  Verleih Concorde Film

Story

Als Barbara Daly in den 40er Jahren den reichen Erben des Bakelit-Imperiums Brooks Baekeland heiratet, gelingt ihr damit ein sensationeller gesellschaftlicher Aufstieg. Selbst aus einfachen Verhältnissen stammend, gehört sie plötzlich zur Upper Class von New York und verbringt ihre Zeit fortan in Paris, London oder Spanien. Als ihr Sohn Tony geboren wird, scheint das Glück perfekt und die Spannungen zwischen der heißblütigen Barbara und dem gefühlskalten Brooks scheinen abzunehmen. Doch Barbaras mangelndes Selbstwertgefühl und ihre daraus resultierenden hitzigen Ausbrüche sind immer wieder Anlass für Streit und peinliche Auftritte in der Öffentlichkeit. Tony wächst in dem emotionalen Spannungsfeld zwischen seinen Eltern zu einem unsichern Mann heran und seine Bisexualität ist dem Vater ein Dorn im Auge. Als Brooks seinem Sohn die Freundin ausspannt und Barbara verlässt, spitzen sich die Dinge zu. Barbara fokussiert sich fortan völlig auf ihren Sohn und die Suche nach einer Möglichkeit gesellschaftlich bedeutend zu bleiben. Mehr und mehr entgleitet den beiden das reale Leben…

Schauspieler

Wilde Unschuld Julianne Moore, Stephen Dillane, Eddie Redmayne, Hugh Dancy, Elena Anaya, Simón Andreu, Jim Arnold, Unax Ugalde, Belén Rueda, Barney Clark

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 4 von 5 Ms Wilde Unschuld Psychische Machtspielchen, sexuelle Ausschweifungen, Drogen – „Wilde Unschuld“ portraitiert gekonnt und treffsicher die Auswüchse einer dekadenten Gesellschaft, der die moralischen Leitplanken, das Verantwortungsgefühl, abhanden gekommen sind und deren Leben sich nur noch um sich und ihre gesellschaftliche Stellung dreht. Basierend auf wahren Begebenheiten spürt Regisseur Tom Kalin mit seinem Film den psychischen Abgründen hinter der Hochglanzfassade der Familie Baekeland durch vier Jahrzehnte nach und erschafft das düstere Bild einer menschlichen Tragödie. Kalin inszeniert das Drehbuch von Howard A. Rodman als stimmige Mischung aus zurückhaltender Betrachtung und bewusster Grenzüberschreitung, gerade was die inzestuösen Aspekte der krankhaft-innigen Mutter-Sohn-Beziehung anbelangt. Er erschafft eine dichte Atmosphäre, in deren Sog man den Ereignissen fasziniert folgt, bei dem man sich jedoch auch immer wieder fragt, wohin man mit der Handlung denn nun steuert. Die Familiengeschichte des Baekeland-Clans dürfte wohl nur wenigen detailliert bekannt sein. Hier sorgen Tom Kalins Zeitsprünge gerade zu Beginn für eine gewisse Orientierungslosigkeit, eröffnen sich die Entwicklungen aus den nicht gezeigten Lücken doch erst nach und nach.
Aushängeschild dieses eigenwilligen Familienportraits sind, neben der optischen Qualität, seine Schauspieler. Insbesondere Julianne Moore als Barbara spielt elektrisierend. Sie gibt diese selbstverliebte, manipulative und immer mit ihrer Unsicherheit kämpfende Frau mit enormer Präsenz und mutiger Offenheit. An ihrer Seite kann insbesondere Eddie Redmayne als melancholischer Tony überzeugen.
Zwischen materieller Sorgenfreiheit und tiefer Verzweiflung. „Wilde Unschuld“ ist verstörende Familiengeschichte und Sittengemälde zugleich.

Wissenswertes

Wilde Unschuld Das Drehbuch basiert auf einem Buch von Natalie Robins und Steven M.L. Aronson.



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