Der Name der Leute

Filmplakat Der Name der Leute
Regie Michel Leclerc  Drehbuch Baya Kasmi, Michel Leclerc  Produzenten Caroline Adrian, Antoine Rein, Fabrice Goldstein 
Genre Tragik-Komödie  FSK 12  Filmlänge 104 min
Land Frankreich  Kinostart 14.04.2011  DVD-Start 18.10.2011  Verleih X-Verleih

Story

Bahia ist flippig, frivol, unangepasst und stolz auf ihre algerischen Wurzeln. In ihrem politischen Aktivismus eifert sie ihrer französischen Mutter nach und setzt sich für alle möglichen Randgruppen ein. Ihr Langzeitprojekt ist die Bekehrung der rechten Faschisten, die sie mit Sex auf den richtigen Weg bringen will. Frei nach dem Motto „Make love, not war“ schläft sie mit jedem Rechten, der ihren Weg kreuzt. Auch Arthur, dem sie zufällig begegnet, bietet sie gleich ihre Dienste an, scheint er doch mit seinem biederen Äußeren ein perfekter Kandidat für ihr Projekt. Doch Arthur wählt links. Der konservative Tierarzt liebt es, in der großen Masse unterzugehen und einen unaufgeregten Alltag zu haben. Die Begegnung mit Bahia stellt sein geordnetes, von Vorsicht geprägtes Leben völlig auf den Kopf. Und doch fühlt er sich von dieser unorthodoxen Frau magisch angezogen. Doch kann ein Leben mit jemandem gut gehen, der ständig unbequeme Fragen stellt und fremde Männer im Bett hat?

Schauspieler

Der Name der Leute Sara Forestier, Jacques Gamblin, Carole Franck, Zinedine Soualem, Michèle Moretti, Jacques Boudet, Lionel Jospin

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 5 von 5 Ms Der Name der Leute Mit „Der Name der Leute“ legt der französische Filmemacher Michel Leclerc nach einer vierjährigen Pause nicht nur seinen zweiten Langfilm vor, sondern erzählt auch eine Geschichte, die mit ihrer Frage nach Herkunft und Integration nicht aktueller sein könnte. Man benötigt ein wenig Zeit, um sich in die Erzählstruktur und die extremen Gegensätze einzufinden, die „Der Name der Leute“ ausmachen. Leclerc fordert seine Zuschauer gleich zu Beginn bei der Einführung seiner Hauptcharaktere, gibt er ihnen doch nicht nur Skurriles, sondern auch Erschütterndes mit auf den Lebensweg. Erst nach und nach begreift man, wie essentiell dieser Wurf ins kalte Wasser für den weiteren Verlauf der Handlung ist. Michel Leclerc beleuchtet geschickt vor dem Hintergrund einer chaotischen Liebesgeschichte mit seinem Film die Bandbreite der Integrationsproblematik, die dem einstigen Kolonialland Frankreich mit seinen vielen verschiedenen Einwandergruppen erwachsen ist. Meist weist einem der Name schon den Weg zur jeweiligen Herkunft des Betreffenden, er ist aber gleichzeitig auch Stigmatisierung und vorschnelle Bestätigung von Vorurteilen. Leclerc fängt den ganzen Strauß der Probleme geschickt mit einer Mischung aus amüsanter Überzeichnung, Situationswitz und richtig platzierter Ernsthaftigkeit ein und führt uns so geschickt vor Augen, was einem Namen in unserer heutigen Gesellschaft für eine Bedeutung zukommt und was wir unbewusst in ihn hineininterpretieren. Der Filmemacher fragt dabei nach der Verantwortung der Politik genauso, wie nach der persönlichen jedes einzelnen. Und das ganz ohne moralisch erhobenen Zeigefinger. Am Ende ist man besonders von der Leichtigkeit beeindruckt, mit der der Filmemacher sein Konzept umsetzt. Seine Figuren haben den Charme und die Abgedrehtheit, die man oft in französischen Filmen findet und die diese so liebenswert machen. In den Hauptrollen kann Leclerc sich ganz auf die erfrischende und authentische Sara Forestier verlassen, die als Bahia wie ein Wirbelwind die Szenerie beherrscht. Der französische Shootingstar ist der richtige Gegenpart zu Jacques Gamblin, dem man den von so viel Energie verzauberten Biedermann Arthur sofort glaubt.

„Erkenn dich selbst und wisse um deine Wurzeln, doch lebe dein Leben und versuche, dein Gegenüber um seiner selbst willen erst einmal kennenzulernen.“- Michel Leclerc verpackt eine wichtige Botschaft mit der richtigen Balance aus Leichtigkeit und nachdenklichen Momenten und erobert so sein Publikum.

Wissenswertes

Der Name der Leute "Der Name der Leute" lief als Eröffnungsfilm der 49. „Semaine de la Critique“ des Festival de Cannes 2010, wo er Publikum wie Kritiker gleichermaßen begeisterte.



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