Angst essen Seele auf

Filmplakat Angst essen Seele auf
Regie Rainer Werner Fassbinder  Drehbuch Rainer Werner Fassbinder  Produzent Rainer Werner Fassbinder 
Genre Drama  FSK 12  Filmlänge 93 min
Land Deutschland  Kinostart 05.03.1974  DVD-Start 25.04.2002  Verleih Filmverleih der Autoren

Story

Emmi ist 60 Jahre alt und beruflich als Putzfrau tätig. Nicht nur für die ältere Dame kommt es unerwartet, als sie sich Hals über Kopf in Ali verliebt - einen aus Marokko stammenden Gastarbeiter. Für Emmi bedeutet der 20 Jahre jüngere Mann das späte Glück. Schon bald heiraten die beiden, womit vor allem für Emmi zwar eine glückliche, gleichzeitig aber auch sehr herausfordernde Zeit beginnt. Von allen Seiten erfährt das frische Liebespaar Fremdenfeindlichkeit und eine stark vorurteilbelastete Einstellung. Die härteste Probe steht beiden jedoch bevor, als Ali ein Verhältnis mit der Kellnerin Barbara beginnt…

Schauspieler

Angst essen Seele auf Brigitte Mira, El Hedi Ben Salem, Barbara Valentin, Marquard Bohm, Karl Scheydt, Irm Hermann, Peter Gauhe, Walter Sedlmayr

Filmkritik von Kathrin Lang

Kathrin vergibt 5 von 5 Ms Angst essen Seele auf Als einer der ersten Filmemacher, die sich in Deutschland mit der Gastarbeiterthematik auseinandersetzten, kann der Autorenfilmer Rainer Werner Fassbinder angeführt werden. Lange bevor die in Deutschland lebenden Ausländer einen filmischen Blick auf ihr Dasein in der Fremde gewagt haben, verarbeitet Fassbinder aus inländischer Perspektive heraus das Leben mit den Arbeitermigranten in Deutschland. Neben „Katzelmacher“ (1969) ist es vor allem das Drama „Angst essen Seele auf“, das zu einem exemplarischen Film dieses Subgenres in Deutschland wurde. Und nicht grundlos gilt das Migrantendrama heute als Pionierfilm über Gastarbeiter.

Der als produktivster und vielseitigster Autorenfilmer des Neuen Deutschen Film geltende Fassbinder verhandelt die Ausländerthematik mit einem Blick, der die Gastarbeiter zur Projektionsfläche für die Existenzängste der Deutschen werden lässt. Letztlich rückt Fassbinder weniger den Fremden selbst, als vielmehr die Vorurteile der Gesellschaft gegenüber Minderheiten in sein Zentrum. Er zeigt den Blick eines Deutschen auf den Gastarbeiter, der sich in der Ambivalenz zwischen Hass und Faszination bewegt. Mit „Angst essen Seele auf“ stellt Fassbinder den Migranten erster Generation als Opfer am Rande der Gesellschaft dar, der sich wegen kultureller sowie sprachlicher Barrieren nur schwer in die Gesellschaft integrieren kann. Schon der Arbeitstitel von „Angst essen Seele auf“, der „Alle Türken heißen Ali“ lautet, verweist jedoch auf einen klischeebeladenen und wenig differenzierten Ansatz des Filmemachers. Ihm das zum Vorwurf zu machen, liegt jedoch fern, zeigt Fassbinder mit seiner Herangehensweise die Ausländerproblematik doch sehr deutlich auf und macht damit eindrücklich und vor allem nachhaltig auf die Missstände im Umgang mit Migranten in Deutschland aufmerksam.

Auch wenn Rainer Werner Fassbinder mit „Angst essen Seele auf“ sicherlich einen Film drehte, der besonders auf die Umstände in den 1970er Jahre und die damalige Einwanderwelle von Gastarbeitern zugeschnitten ist, so hat sein Sozialdrama auch heute noch einen aktuellen Bezug und kann nach wie vor einen wichtigen Beitrag zur Verständigung zwischen den unterschiedlichen Kulturen leisten.

Wissenswertes

Angst essen Seele auf "Angst essen Seele auf" wurde 1974 mit dem Preis der Internationalen Jury der Filmfestspiele in Cannes ausgezeichnet und Brigitte Mira erhielt für ihre Darstellung den Deutschen Filmpreis.



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