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Schurkenstück (TV)
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Regie
Torsten C. Fischer
Drehbuch
Eva Zahn, Volker A. Zahn
Produzent
Philipp G. Steffens
Genre Drama Filmlänge 90 min Land Deutschland, 2010 Verleih WDR |
Story
Die gefragte Jungregisseurin Fanny Dannewald plant ein Experiment der besonderen Art: Mit in einer Jugendstrafanstalt inhaftierten Straftätern möchte sie Friedrich Dürrenmatts Theaterstück „Der Besuch der alten Dame“ neu inszenieren. Natürlich rennt Fanny mit ihrer Idee nicht unbedingt offene Türen ein und doch gelingt es ihr, ihr Vorhaben in der JVA durchzusetzen. Auch Peter Kilian, der Jugendarbeiter der Anstalt, der Fannys Projekt begleiten soll, steht dem Ganzen eher distanziert gegenüber. Es kommt zu einem Casting und die Regisseurin entscheidet sich für sechs Jugendliche, die allesamt einer Zeitbombe gleichen: Timo ist ein gewaltbereiter Neonazi, Patrick suizidgefährdet, Erdal ein ehemaliger Stricher, Pjotr gehört zur russischen Mafia, Faruk war Zuhälter und der unscheinbare Stefan hat eine alte Dame mit dem Spaten getötet.
Dieses außergewöhnliche Ensemble ist nun dazu ausersehen, das von Fanny Dannewald modernisierte Stück auf die Bühne zu bringen. Die alte Dame ist nun eine Türkin, die schwanger von ihrem Freund sitzengelassen wurde und jetzt auf Rache sinnt. Doch in ihrem Bemühen, aus diesen renitenten Jugendlichen ernsthafte Schauspieler zu machen, stößt Fanny schnell an ihre Grenzen. Sie muss sich mit Erniedrigungen und üblen Statuskämpfen auseinandersetzen und erkennen, dass die streng reglementierte Hierarchie unter den Jugendlichen große Gefahren birgt. Doch Fanny ist fest entschlossen, ihr Projekt durchzuziehen – und unterschätzt dabei völlig, mit wem sie es da zu tun hat…
Schauspieler
Katharina Schüttler, Oliver Korittke, Franz Dinda, Sebastian Urzendowsky, Vladimir Burlakov, Janusz Kocaj, Arnel Taci, Michael Kesseroglu, Gerrit Klein, Andreas Windhuis, Jörg Reimers, Irina Potapenko, Evengji Maximenko
Filmkritik von Stefanie Rufle
Die Grundidee zu „Schurkenstück“ ist doppeldeutig und ziemlich gewagt: Kriminelle sollen ehrbare Bürger spielen, die aus Geldgier selber zu Verbrechern werden. Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ hinter Gefängnismauern zu transportieren und daraus ein Kiez-Drama zu machen, verdient für sich allein gesehen schon besonderen Beifall. Was die Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn und Regisseur Torsten C. Fischer aus dieser Idee entstehen lassen, überzeugt zwar nicht gänzlich, bietet aber dennoch genügend Stoff für ein packendes und nachdenklich stimmendes Drama.
Auch wenn bei der Darstellung der jugendlichen Straftäter die üblichen Klischees bedient werden, überzeugen die Schauspieler dennoch auf ganzer Linie. Vor allem Franz Dinda als Fascho Timo, Michael Keseroglu als ehemaliger Zuhälter Faruk und Vladimir Burlakov als Russenmafiamitglied Pjotr verdienen hier besondere Erwähnung. Doch diese herausragenden Darsteller können nicht verhindern, dass „Schurkenstück“ sich mit seiner Vorhersehbarkeit von Anfang an selbst im Weg steht. Auch wenn das Leben im Jugendknast mit all seiner Brutalität und Ausweglosigkeit intelligent und bewegend dargestellt wird, erscheinen der Verlauf und vor allem der Ausgang der Geschichte doch allzu unrealistisch. Auch Katharina Schüttler wirkt in der Rolle der ambitionierten Jungregisseurin arg eindimensional und wenig überzeugend. Sie behält ihre arrogante und herablassende Haltung während des ganzen Films bei und verpasst dabei, sich auf die dunklen Seiten ihrer Rolle einzulassen, die einiges Potential geboten hätten. Oliver Korritke hingegen wirkt als blasser Sozialarbeiter im Hintergrund arg unterfordert, von ihm ist man mehr gewohnt.
„Schurkenstück“ ist ein Drama, das mehr als einmal Gänsehaut erzeugt. Die starken Szenen sind allerdings vor allem die, die die Lebenswirklichkeit der jungendlichen Häftlinge thematisieren, zum Beispiel als ein Mitglied des Ensembles aufgrund seiner Rolle von Mithäftlingen brutal vergewaltigt wird. Doch die beabsichtigten Projektionen zwischen dem Knast-Alltag und dem Inhalt des Stücks wirken etwas arg aufgesetzt und unrealistisch, und vor allem das Ende nimmt dem Film etwas von seiner durchaus berechtigten Schärfe.
