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Almanya - Willkommen in Deutschland
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Regie
Yasemin Samdereli
Drehbuch
Yasemin Samdereli, Nesrin Samdereli
Produzenten
Andreas Richter, Annie Brunner, Ursula Wörner
Genre Komödie FSK 6 Filmlänge 101 min Land Deutschland Kinostart 10.03.2011 DVD-Start 13.10.2011 Verleih Concorde Film |
Story
Der sechsjährige Cenk ist reichlich verwirrt, als er in der Schule mit der Frage konfrontiert wird, wo er eigentlich herkommt. Als seine gesamte deutsch-türkische Familie am gleichen Tag zum allabendlichen Familienessen zusammentrifft, wirft er also die alles entscheidende Frage in dem Raum: Bin ich eigentlich Deutscher oder Türke? Seine ältere Cousine Canan bewegt sich ebenfalls zwischen ihren türkischen Wurzeln und ihrem Dasein als gebürtige Deutsche. Um dem kleinen Cenk eine Antwort auf seine Frage zu geben, erzählt sie ihm die Geschichte von ihrem Großvater Hüseyin, der in den späten 1960er Jahren nach Deutschland kam, um dort zu arbeiten und später seine Familie nachziehen ließ. Während Canan die Familiengeschichte aufrollt, plant Großvater Hüseyin selbst einen Familienausflug in die Türkei. Da bei Weitem nicht alle Familienmitglieder ihr Heimatland (?) kennen, will er ihnen zeigen, wo ihre Wurzeln liegen. Also macht sich die vielköpfige deutsch-türkische Familie auf die Reise – ab in das fremde Anatolien...
Schauspieler
Demet Gül, Fahri Ogün Yardim, Rafael Koussouris, Aylin Tezel, Vedat Erincin, Lilay Huser, Denis Moschitto, Petra Schmidt-Schaller, Manfred-Anton Algrang, Aliya Artuc, Kaan Aydogdu, Jo Brauner, Siir Eloglu, Ercan Karacayli, Aykut Kayacik
Filmkritik von Kathrin Lang
Mit „Almanya – Willkommen in Deutschland“ erzählen uns die Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli eine auf zum Teil eigenen Erlebnissen beruhende Geschichte über eine deutsch-türkische Familie, deren Oberhaupt Hüseyin in den 1960er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland kam und später, im Zuge der Familienzusammenführung, seine Frau und seine drei kleinen Kinder nachziehen ließ. Mittlerweile hat die Familie einigen Zuwachs bekommen und hat es sich im schönen Almanya, im Eigenheim gemütlich gemacht. „Almanya – Willkommen in Deutschland“ ist nicht der erste Film, der sich der Gastarbeiterthematik und dem häufig problematischen Dasein der (türkischen) Migranten in Deutschland annimmt. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, drehen die Samdereli-Schwestern den Spieß jedoch um und bringen uns mit ihrem Kinodebüt eine Komödie auf die Leinwand, die nicht problematisiert, sondern einen ebenso leichten wie humorvollen Blick auf das Dasein eines Deutsch-Türken wirft.
Obwohl sich auch hier alles um die Identitätsfrage „Wer oder was bin ich eigentlich – Deutscher oder Türke?“ dreht, so findet „Almanya – Willkommen in Deutschland“ doch einen neuen Weg, um auf diese im deutsch-türkischen Film häufig gestellte Frage eine Antwort zu finden. Indem die Samdereli-Schwestern ihre deutsch-türkische Familie immer wieder mit den Besonderheiten der rein deutschen Kultur konfrontieren, verleihen sie ihrer Komödie eine amüsante Kehrtwende, bei der vor allem die Deutschen ordentlich ihr Fett wegbekommen. So gehen einige Witze punktgenau auf die sture Bürokratie der Deutschen, die an ihrem Arbeitsplatz scheinbar nichts anderes zu erledigen haben, als Dokumente zu stempeln. Auch auf religiöser Ebene erfährt die Diskussion eine Umkehrung: Anstatt über Allah und die muslimischen Gesetze zu diskutieren, wundern sich die frischgebackenen Deutsch-Türken eher über die Christen, deren Zeichen ein toter Mann ist, von dem man auch noch jeden Sonntag isst und dessen Blut man trinkt. Wie verrückt die Welt ist, in der wir leben, verdeutlicht „Almanya – Willkommen in Deutschland“ immer wieder auf höchst lustige Weise. Der Sonntagabendritus zusammen mit den „Tatort“-Ermittlern gehört da ebenso dazu wie der standardmäßige Urlaub auf Mallorca oder die Mitgliedschaft im Schützenverein der Wahl.
Irgendwann in den 1970er Jahren war jeder siebte Arbeiter in Deutschland ein Einwanderer. Häufig wurde in den vergangenen Jahrzehnten darüber debattiert welche Auswirkungen das auf unser Land hat. Yasemin und Nesrin Samdereli fragen nun jedoch in die andere Richtung: „Was hat das mit den Einwanderern gemacht?“. Um eine Antwort darauf zu finden, wählen sie einen sehr leichten Weg, der aber durch die Hintertür viel mehr zwischen den Kulturen vermittelt, als so manch anderer Film mit dieser Intention.
Geschrieben und verfilmt wurde die Geschichte mit autobiographischen Anklängen von den Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli. "Almanya - Willkommen in Deutschland" ist für beide der erste Kinofilm.
