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Boulevard der Dämmerung
Sunset Boulevard
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Regie
Billy Wilder
Drehbuch
Charles Brackett, Billy Wilder, D.M. Marshman jr,
Produzent
Charles Brackett
Genre Drama FSK 16 Filmlänge 111 min Land USA Kinostart 07.04.1951 DVD-Start 01.11.2004 Verleih Paramount Pictures |
Story
Alles beginnt mit einer Leiche. Der Drehbuchautor Joe Gillis treibt tot an der Oberfläche des Swimmingpools einer heruntergewirtschafteten Villa in Los Angeles. Hier am "Sunset Boulevard" hatte Gillis vor einiger Zeit eher zufällig eine Anstellung bei Norma Desmond, einer vergessenen Stummfilmdiva, angetreten. Diese lebt von der Öffentlichkeit unbeachtet mit ihrem Butler Max in dem riesigen Anwesen und träumt von einem Leinwandcomeback. Warum alles ganz anders kam und Gillis im Leichenschauhaus endet, erfahren wir aus dem "Off" von der Leiche höchst persönlich.
Schauspieler
Gloria Swanson, William Holden, Erich von Stroheim, Nancy Olson, Jack Webb, Fred Clark, Lloyd Gough, Franklyn Farnum, Larry J. Blake, Charles Dayton, Cecil B. DeMille, Hedda Hopper, Buster Keaton, Anna Q. Nilsson, H.B. Warner, Ray Evans, Jay Livingston
Filmkritik von Achim Lay
Es gibt Filme, die in ein "Best of...-Filmbuch" hineingehören. Und es gibt einige wenige Filme, die ein ganzes Buch für sich alleine verdienen. Solch ein Film ist Billy Wilders "Boulevard der Dämmerung". Der 1950 in schwarz/weiß gedrehte Film ist im wahrsten Sinne des Wortes ein "Meisterwerk der Filmgeschichte". Dass er sich in kein Genre so recht einordnen läßt, spricht nicht gegen ihn. Im Gewand des "Film Noir" daherkommend, ist der Streifen mit den stilistischen Eigenarten dieses Genres versehen. Die beklemmende, zutiefst pessimistische Grundstimmung wird von düsteren Bildern, meist durch eine "low-key"-Beleuchtung hevorgerufen, erzeugt. Auch der Erzähler aus dem "Off" und der "gefallene Protagonist", der einer Frau im Stil einer "Femme Fatale" verfällt und damit sein Schicksal besiegelt, sind typische Merkmale des "Noir". Doch Billy Wilder beläßt es nicht dabei, eine Kriminalgeschichte zu erzählen. Sein Film ist eine Hommage an längst vergangene Zeiten, als Regisseure ihre von Visionen getriebenen Träume auf Zelluloid bannten, ohne der Einflussnahme mächtiger Produzenten ausgesetzt zu sein.
Seine Genialität bezieht der Film durch seine Besetzung, die ein einzigartiger Schachzug Wilders war. Die Rollen der alternden Stummfilmdiva und dem ihr treu ergebenen Butler, mit den tatsächlichen Stummfilmikonen Gloria Swanson und Erich von Stroheim zu besetzen, gibt dem Film seine authentische Note. Wilder holte die Swanson aus der Versenkung, damit sie unter dem Pseudonym Norma Desmond quasi sich selbst spielt. Wenn sie sich auf dem heimischen Projektor ihre alten Glanzrollen anschaut, sieht das Publikum die echte Gloria Swanson, beispielsweise in "Queen Kelly" auf der Leinwand. Regisseur dieses Streifens war Erich von Stroheim, der wegen massiver Budgetüberschreitungen sowie Auseinandersetzungen mit der Paramount zu Lebzeiten keine fertige Schnittfassung zur Freigabe autorisierte. Wilder läßt von Stroheim gewissermassen Gerechtigkeit widerfahren, in dem er ihn selbst in der Rolle des Butlers Max den Film vorführen läßt.
Wilder verknüpft hier die Kriminalelemente mit der Würdigung der Stummfilmära, einer kritischen Betrachtung des Hollywood-Studiosystems der vierziger und fünfziger Jahre und bietet überdies eine Nachhilfestunde in Sachen Filmgeschichte. So bricht er eine Lanze für die Drehbuchschreiber, denen seiner Meinung nach zu wenig Anerkennung entgegen gebracht wird. Für William Holden, der den Part erst nach der Absage von Montgomery Clift bekam, bedeutete die Rolle den großen Durchbruch. Seine Leistung als erfolgloser Schreiberling, der zunächst die alternde Diva belächelt, ihrer Aura aber bald nicht mehr widerstehen kann, ist schlicht brillant. Übertroffen wird er aber noch von Gloria Swanson. Mit der Mimik und Gestik einer Stummfilmgöttin ausgestattet, kann man sich ihrer Leinwandpräsenz und ihrer darstellerischen Perfektion nicht entziehen. Trotz ihrer Exzentrik kann man nicht umhin, sie zu bewundern. Ihre kleine, hübsche Parodie auf die von Charlie Chaplin verkörperte Figur des "Tramp" ist göttlich. Wenn sie letzten Endes vollends dem Wahnsinn verfällt und mit der ihr eigenen Theatralik
ihre Verhaftung noch in einen bühnenreifen Auftritt umfunktioniert, wird sie zur tragischen Figur, die einen zu Tränen rührt.
Grandios ist hier einfach alles. Wilder bringt dem Publikum die Filmgeschichte mit einem einzigen Film ganz nahe. Der Auftritt der despektierlich als Wachsfiguren bezeichneten Bridgepartner Norma Desmonds ist besonders hervorzuheben. Wilder besetzte die betagte Runde mit ehemaligen Stummfilmgrößen wie Buster Keaton, Anna Q. Nilsson oder H.B. Warner, die keinen Text haben, womit Wilder auf ihr Karriereende mit Einführung des Tonfilms verweist. Sie repräsentieren eine ganze Generation von Darstellern, die den Sprung vom Stumm- zum Tonfilm nicht schafften und in Vergessenheit gerieten. Auch hier übt Wilder Kritik an Hollywood, seine eigens konstruierten Legenden fallen zu lassen, sobald ihr Stern sinkt.
Selbst die Einbeziehung Cecil B. DeMilles' ist ein gelungener Schachzug Wilders. Der Regisseur solcher Klassiker wie "Die zehn Gebote" spielt sich selbst. Er ist der von Norma Desmond auserkorene Regisseur ihres Leinwandcomebacks. Selbst DeMille, dessen Filme stets einen Hauch Absurdität verströmten, erkennt die Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens, bringt es aber nicht übers Herz, seine alte Freundin und Hauptdarstellerin mit der Wahrheit zu konfrontieren.
Die beinahe unwirkliche Atmosphäre des Films ist neben der Beleuchtung und der perfekten Ausstattung vor allem dem Soundtrack von Franz Waxman zu verdanken. Die Soundlegende fand eine überaus passende Untermalung der visuellen Darbietungen. Zurecht wurde Waxman mit dem Oscar bedacht.
Billy Wilders Abrechnung mit der glitzernden Fassade der Traumfabrik lädt ein zu einer Reise in eine längst vergangene Ära, die einen staunend, fasziniert, aber auch nachdenklich zurücklässt. Ein Hauch von Wehmut liegt über seinem Meisterwerk, das seinen Platz im Olymp der Filmgeschichte gewiss hat. Wenn heutige "Stars" von einstiger Größe früherer Kinolegenden sprechen, möchte man ihnen mit Gloria Swansons Worten zurufen: "Ich bin groß- es sind die Filme, die klein geworden sind!"
Auszeichnungen
Golden Globe-Nominierungen
Bester Nebendarsteller (Erich von Stroheim), Bestes Drehbuch, Beste Kamera (Schwarz/Weiß)
Gewonnene Golden Globes
Bester Film - Drama, Beste Regie, Beste Schauspielerin - Drama (Gloria Swanson), Beste Musik
OSCAR-Nominierungen
Bester Film, Beste Regie, Bester Schauspieler (William Holden), Beste Schauspielerin (Gloria Swanson), Bester Nebendarsteller (Erich von Stroheim), Beste Nebendarstellerin (Nancy Olson), Beste Kamera (Schwarz/Weiß), Bester Schnitt
Gewonnene OSCARs
Bestes Drehbuch (Story & Drehbuch), Beste Musik (Drama/Komödie), Beste Ausstattung (Schwarz/Weiß)
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