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Erlkönig (TV)
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Regie
Urs Egger
Drehbuch
Stefan Dähnert
Produzent
Christian Granderath
Genre Drama Filmlänge 90 min Land Deutschland, 2007 Verleih ZDF |
Story
Die junge Schauspielerin Katrin Tries ist frühmorgens mit ihrem Kleinwagen auf der A61 unterwegs – auf dem Rücksitz ihr kleiner Sohn. Gerade, als sie einen LKW überholen will, schießt wie aus dem Nichts ein Auto mit aufgeblendeten Scheinwerfern heran. Katrin erschrickt derart, dass sie das Steuer verreißt und von der Straße abkommt. Die junge Frau stirbt bei dem Unfall, ihr Sohn wird lebensgefährlich verletzt – der Fahrer des Wagens bleibt nur kurz stehen und fährt dann, ohne Hilfe zu leisten, weiter. Die Polizei kann sich den Unfall nicht erklären, weshalb die hochschwangere Versicherungsmathematikerin Marlies Heidorn hinzugezogen wird – das Unfallopfer hatte kurz zuvor bei der „Kölner Leben“ eine Risikolebensversicherung abgeschlossen.
Marlies braucht nicht lange um herauszufinden, dass Katrin Tries sich in einer schweren Lebenskrise befunden und gar in einem Brief an ihre Mutter Suizidpläne angekündigt hatte. Der Fall scheint klar, die Versicherung verweigert die Zahlung und die Akte wird geschlossen. Doch an Marlies nagen Zweifel und als sie sich bereits im Mutterschutz befindet, meldet sich ein Zeuge des Unfalls: der LKW-Fahrer, den Katrin kurz vor dem Unfall überholen wollte. Er bringt sie auf die Spur eines „Erlkönigs“, eines hoch gezüchteten Prototypen und Testwagens der Deutschen Automobilwerke. Doch Marlies ahnt nicht, in welches Wespennest sie mit ihren Ermittlungen sticht – sie belastet damit nicht nur die Bilanz ihres Arbeitgebers, sondern gefährdet auch die Karriere eines erfolgreichen Testfahrers. Ganz nebenbei bringt sie auch noch ein Millionen schweres Prestigeprojekt der Automobilindustrie in Misskredit…
Schauspieler
Silke Bodenbender, Felix Eitner, Henry Hübchen, Dirk Borchardt, Axel Milberg, Ruth Reinecke, Michael Brandner, Steffen Groth, Michael Sideris, Hans-Jörg Assmann
Filmkritik von Stefanie Rufle
Manch einer wird sich beim Einstieg des Films an ein ganz ähnliches Ereignis erinnert fühlen, das seiner Zeit für großes Aufsehen sorgte. Tatsächlich basiert „Erlkönig“ im Ansatz auf der wahren Geschichte eines Mercedes-Testfahrers, der von der Boulevard-Presse „Tourbo-Rolf“ genannt wurde. Doch vorrangig geht es in diesem Drama nicht um rücksichtslose Raser und die Verantwortung der Autohersteller, sondern vielmehr um Zivilcourage und deren Auswirkung auf das Leben einer werdenden Mutter. Marlies Heidorn, die großartig und zutiefst überzeugend von Silke Bodenbender dargestellt wird, ist Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte um Moral und Anstand. Sie ist keineswegs die zu allem entschlossene Kämpferin, sondern eine Frau, die nicht wegsehen kann, eine Frau, für die es selbstverständlich ist, dass es eine Gerechtigkeit geben muss. Gerade Bodenbenders unaufgeregte Interpretation lässt Marlies so authentisch wirken – sie ist keine Heldin, und das tut dieser Geschichte in jeder Sekunde gut. Doch auch die Nebendarsteller tragen wesentlich zur eindringlichen Wirkung von „Erlkönig“ bei. Sei es nun Henry Hübchen als Marlies’ sympathisch berlinernder Chef, Axel Milberg als Produktentwickler, Michael Brandner als Autobahnpolizist oder Dirk Borchardt als machohafter Chef der Testfahrergruppe – sie alle überzeugen durch ihr zurückhaltendes und überzeugendes Spiel.
Geschickt verknüpft Drehbuchautor Stefan Dähnert zwei unterschiedliche Ebenen miteinander, wodurch die Geschichte inhaltlich immer mehr an Brisanz gewinnt. Gerade die perfekt abgestimmte Mischung aus Kriminalfall, Wirtschaftsthriller und Beziehungsdrama macht den Erfolg von „Erlkönig“ aus. Hier bekommt der Zuschauer einen Film präsentiert, der fesselt und eine Botschaft vermittelt, ohne zu viel zu moralisieren. „Erlkönig“ ist ein Drama, das noch lange nachhallt.


