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Plug & Pray
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Regie
Jens Schanze
Drehbuch
Jens Schanze
Produzenten
Judith Malek-Mahdavi, Jens Schanze
Genre Dokumentation FSK 0 Filmlänge 91 min Land Deutschland Kinostart 11.11.2010 DVD-Start 27.05.2011 Verleih Farbfilm Verleih |
Story
„So ist das mit den Computern. High Speed Electronic Computing, man steckt es rein und es funktioniert - oder manchmal eben auch nicht..." (Joseph Weizenbaum)
Joseph Weizenbaum: 1923 in Berlin in eine jüdische Familie hineingeboren, flieht er 1936 nach Detroit, USA. 1984 beginnt er sein Mathematik-Studium. Bereits als Student beschäftigt sich Weizenbaum mit der gerade entstehenden Computertechnologie. Einige Jahre später setzt er in der Branche neue Maßstäbe, als er das Spracherkennungsprogramm ELIZA (1966) auf den Markt bringt. Bereits kurze Zeit später wird ihm jedoch bewusst, welchen Schritt er mit diesem Meilenstein in der Entwicklung künstlicher Intelligenz gegangen ist. In seinem bekanntesten Werk „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“ (1975) rechnet er schließlich mit den Zukunftsvisionen vieler seiner Kollegen scharf ab. Seither galt der einstige Pionier als einer der schärfsten Kritiker technologischer Entwicklung. Im März 2008 stirbt Joseph Weizenbaum in seiner Heimatstadt Berlin.
Neben Jospeh Weizenbaum spielen außerdem der amerikanische Wissenschaftler Raymond Kurzweiler, einer der härtesten Verfechter künstlicher Intelligenz, sowie namhafte Forscher wie Hiroshi Ishiguro, Minoru Asada, Giorgio Metta, Neil Gershenfeld, Hans-Joachim Wünsche und Joel Moses eine Rolle.
Filmkritik von Kathrin Lang
Schon seit Jahrtausenden greift der Mensch in den natürlichen Kreislauf der Welt ein und träumt davon, es Gott gleichzutun. Das Aufkommen der Idee, dass Menschen ihresgleichen erschaffen wollen, lässt sich sogar bis in die griechische Antike zurückführen. Auch filmisch wurde sich in den vergangenen Jahrzehnten eingehend mit der künstlichen Erschaffung menschenähnlicher Maschinen auseinandergesetzt. Bereits in seinen Anfangsjahren hat der Film das Thema aufgegriffen und seither aus etlichen Perspektiven kritisch beleuchtet. Die Anzahl an Science-Fiction-Filmen, in denen die Existenz oder die künstliche Erschaffung menschenähnlicher Lebewesen, intelligenter Maschinen oder gar eines Menschen thematisiert wird, hat mittlerweile enorme Ausmaße angenommen. Was uns Regisseur und Grimmepreisträger Jens Schanze mit seiner Dokumentation „Plug & Pray“ in die Kinos gebracht hat, geht jedoch näher als jegliche fiktionale Auseinandersetzung mit dem Thema und ist, überraschenderweise, kritischer als es Hollywood je war oder sein könnte.
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht mit Joseph Weizenbaum ein Pionier des Computerzeitalters, der nun zu den schärfsten Kritikern der technologischen Entwicklung gehört. Während einer Diskussionsrunde wird exemplarisch prognostiziert, dass wir in einigen Jahrzehnten mit Robotern verheiratet sein werden. Weizenbaums Standpunkt zu derlei Aussagen ist eindeutig: Es ist geradezu absurd, kontinuierlich davon zu sprechen was in einigen Jahren möglich sein wird, wenn vom heutigen Standpunkt aus noch nicht einmal klar ist, ob künstlich-emotionale Intelligenz überhaupt technisch erzeugt werden kann. Noch prägnanter und nachhaltiger erscheint jedoch die Frage: „Brauchen wir das überhaupt?“. Zweifelsfrei befindet sich die Branche in einer ständigen Entwicklung. Dinge, die einst unmöglich waren, gehören heute zum alltäglichen Leben. Dennoch sind zahlreiche große Hürden nicht überwunden – heiter spekuliert und prognostiziert wird aber dennoch.
Jens Schanzes „Plug & Pray“ lebt von derlei Gegenüberstellungen. Immer wieder bringt Schanze tatsächliche Fakten ins Spiel oder Protagonisten, deren Aussagen und Standpunkte mit denen von Weizenbaum kollidieren. Daraus entspinnt sich ein überaus fesselndes und zudem spannendes Gedankenspiel, innerhalb dem gewisse Positionierungen des Zuschauers immer wieder neu überdacht werden müssen. Zweifelsfrei regt „Plug & Pray“ zu Diskussionen an. Während die einen Zuschauer von der Klar- und Weitsicht von Joseph Weizenbaum fasziniert sein werden, werden sich andere in Ray Kurzweilers Zukunftsvisionen – von einer digitalen Festplatte des eigenen Gehirns und der Unsterblichkeit des Menschen – begeistert gefangen sehen. Viele wiederum werden auch mit gemischten Gefühlen das Kino verlassen: Brauchen wird das nun tatsächlich– oder brauchen wir es vielleicht auch nicht? „Plug & Pray“ ist ein Film, der uns auf imposante Art dazu bringt, über diese Frage kritisch nachzudenken.
Wissenswertes
Regisseur Jens Schanze über die Zusammenarbeit mit Joseph Weizenbaum: "Im Sommer 2005 habe ich ihn das erste Mal in Berlin besucht. Er war zu diesem Zeitpunkt 83 Jahre alt. Als ich beim ihm klingelte, hatte er unsere Verabredung vergessen und wenig später kam noch ein Besucher, den er um die gleiche Zeit bestellt hatte. Das habe ich öfter mit ihm erlebt und habe auf die Art nicht wenige seiner Bekannten kennen gelernt. Er war in gewisser Hinsicht rastlos, war ständig unterwegs und hatte vermutlich immer das Gefühl, etwas "produzieren" zu müssen, sobald er in Gesellschaft war. Vielleicht hatte er auch das Bedürfnis, keinen Moment der ihm verbleibenden Lebenszeit zu vergeuden."
"Plug & Pray" wurde in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk, in den Jahren 2006 bis 2009, produziert. Gefördert wurde die Produktion der Dokumentation von BKM, DFFF, FilmFernsehfonds Bayern sowie der Unterstützung der Filmstiftung NRW.
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