Helen

Filmplakat Helen
Regie Sandra Nettelbeck  Drehbuch Sandra Nettelbeck  Produzenten Judy Tossell, Christine Haebler 
Genre Drama  FSK 12  Filmlänge 119 min
Land USA, Deutschland  Kinostart 26.11.2009  DVD-Start 28.05.2010  Verleih Warner Bros. Pictures Germany

Story

Helen ist erfolgreiche Musikdozentin und in zweiter Ehe glücklich verheiratet. Zusammen mit ihrem Mann David und ihrer Tochter aus erster Ehe lebt sie ein funktionierendes Patchworkmodell. Helen wird geliebt und liebt selbst. Es scheint einfach alles in bester Ordnung mit ihrem Leben. Doch still und heimlich schleicht sich die Traurigkeit bei ihr ein. Eine Traurigkeit, die nichts mit einem vorübergehenden Gemütszustand zu tun hat, sondern die Helen mit Haut und Haaren verschlingt. Schon bald ist ihre Ehe aus den Fugen und sie nicht mehr in der Lage, ihren Unterricht abzuhalten. David muss hilflos mit ansehen, wie sich seine Frau immer mehr in sich zurückzieht. Als er sie eines Abends bewusstlos in der Wohnung findet, sucht er medizinischen Rat. Die niederschmetternde Diagnose: Helen hat Depression.

Schauspieler

Helen Ashley Judd, Lauren Lee Smith, Goran Visnjic, Alexia Fast, Alberta Watson, David Hewlett, Leah Cairns

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 6 von 5 Ms Helen „Ihre Frau ist nicht unglücklich, sie ist krank.“ Der behandelnde Arzt bringt gegenüber Helens Ehemann David den Unterschied auf den Punkt. Depressionen sind eben kein vorübergehender Zustand des Unwohlseins, sondern eine ernstzunehmende Krankheit. Eine Krankheit, die nicht nur für die Betroffenen die Hölle auf Erden bedeutet, sondern die auch ihr persönliches Umfeld mit krank macht. Denn mit bloßer Zuneigung und Liebe kann hier nicht viel ausgerichtet werden. Zwischen Antriebslosigkeit und Angstattacken pendelnd, werden die Erkrankten bald zu einer Belastung für sich und alle anderen, die man im privaten Umfeld auf Dauer nicht auffangen kann. Der Weg durch die Psychiatrien mit Gesprächstherapien, Medikamentencocktails oder letztlich sogar Elektroschocks ist steinig und nicht alle an Depression Erkrankten finden die Kraft, das Licht am Ende des Tunnels letztlich zu sehen.

Regisseurin und Drehbuchautorin Sandra Nettelbeck wurde durch einen Zeitungsartikel eines Betroffenen auf die Krankheit aufmerksam und begann, sich weiter mit diesem schwierigen und schmerzbehafteten Thema zu beschäftigen. Das Ergebnis ist ein Film, der durch und durch unter die Haut geht, gerade weil er nicht versucht, das Krankheitsbild medizinisch zu analysieren, sondern weil er anhand eines persönlichen Schicksals den emotionalen Auswirkungen feinfühlig nachspürt. „Helen“ begleitet seine Hauptfigur durch die Anfänge der Depression mit ihren Angstzuständen und den Konzentrationsschwächen hindurch, in das Tal der geistigen Abwesenheit, der Antriebslosigkeit bis hin zum Selbstmordversuch und den mühevollen Weg zurück ins Leben. Ashley Judd gibt in der Hauptrolle der Helen ihr Innerstes preis und verkörpert diese gequälte Frau in all den Facetten und Stationen der Krankheit mit einer solchen Intensität, dass es einen in einem fort schaudert. Sie ist mit jeder Faser ihres Seins diese Frau und schenkt dem Zuschauer damit einen seltenen Blick in die Abgründe der Depression. Als ihr Gegenstück agiert die noch eher unbekannte Lauren Lee Smith als Helens Studentin Mathilda. Smith ist nicht minder überzeugend wie Judd und beeindruckt durch ihre Präsenz. Mathilda, die ebenfalls an Depressionen leidet, wird zu Helens dunklem Schatten, ihr Schicksal zu einer düsteren Vorschau auf Helens möglichen Weg. Sandra Nettelbeck gelingt durch die Kombination dieser zwei Figuren, das gesamte Spektrum der Krankheit mit all ihren extremen Auswüchsen einzufangen. Komplettiert wird der Kreis der Hauptfiguren durch Goran Visnjic als Ehemann David und Alexia Fast als Tochter Julie, die beide ebenfalls sehr engagiert und glaubwürdig ihre Charaktere verkörpern.

Inhalt und Dialoge sind bei einem Drama wie „Helen“ das eine, doch die Stimmung wird bei einem solchen Thema auch entscheidend über die Optik transportiert. Sandra Nettelbeck hatte auch hier eine sichere Hand und fand für die Seelenzustände der Figuren und deren Stimmungen untereinander überzeugende Bilder, die mit einer stimmungsvollen Musik untermalt werden. „Helen“ wird so zu einem eindrücklichen Drama, das weniger eine medizinische Aufarbeitung als eine einfühlsame und bewegende Liebesgeschichte ist.

Wissenswertes

Helen “Helen“ ist Sandra Nettelbecks erster englischsprachiger Film. Er basiert auf persönlichen Erlebnissen der Regisseurin.

Die Figur der Helen sollte ursprünglich von einer anderen Schauspielerin gespielt werden. Ashley Judd bekam das Drehbuch nur "aus Versehen" und sprang ein, weil die andere Besetzung absagte. Judd war von Beginn an Feuer und Flamme für das Projekt und hatte Sandra Nettelbeck nach dem Lesen von nur 16 Seiten des Skripts eine E-Mail geschrieben, dass sie die Rolle unbedingt wolle.



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