Polnische Ostern

Filmplakat Polnische Ostern
Regie Jakob Ziemnicki  Drehbuch Jakob Ziemnicki, Katrin Milhahn  Produzenten Steffi Ackermann, Dr. Beatrice Kramm, Christoph Bicker 
Genre Tragik-Komödie  FSK Filmlänge 93 min
Land Deutschland, 2010  Kinostart 12.05.2011  DVD-Start 18.11.2011  Verleih Zorro Film

Story

Werner Grabosch hat es gewiss nicht leicht: Nicht nur, dass seine Frau und seine Tochter verstorben sind, nun soll seine geliebte Enkelin Mathilda zukünftig auch noch von ihrem polnischen Vater Tadeusz großgezogen werden. Da der alte Grabosch Tadeusz so einfach nicht aufhalten kann, muss er hilflos dabei zusehen, wie Mathilda nach Polen verschleppt wird. Nachdem der erste Schock verdaut ist, brütet Grabosch einen Plan aus, der ihm seine Enkelin zurückbringen soll: Er wird, mit einer Videokamera bepackt, nach Polen reisen, um dort die widrigen Umstände zu dokumentieren, unter denen Mathilda nun aufwachsen soll.
Wie sich schon bald herausstellt, ist die Situation in Polen tatsächlich so verzwickt, wie es sie sich der alte Grabosch vorgestellt hat: Nirgends ist man vor Autodieben sicher, Tadeusz scheint in dubiose Geschäfte verwickelt zu sein und von allen Seiten wird Grabosch, als gestandener Atheist, mit christlichen Bräuchen penetriert. Für Grabosch steht daher schnell fest: Mathilda muss wieder zurück nach Deutschland.
Ob es jedoch soweit kommen wird, steht noch in den Sternen, denn offensichtlich fühlt sich Mathilda in Polen schon bald sehr viel wohler, als man es für möglich gehalten hätte. Und sogar der verbitterte Grabosch scheint langsam aber sicher aus seiner einsamen Höhle hervor zu klettern, als er der verführerischen Polin Irene begegnet…

Schauspieler

Polnische Ostern Henry Hübchen, Adrian Topol, Grazyna Szapolowska, Parashiva Dragus, Barbara Wysocka, Violetta Bronner, Doris Kunstmann, Leonie Brandis, Lukasz Garlitzki, Tomek Nowicki, Sigo Heinisch, Waléra Kanischtscheff

Filmkritik von Kathrin Lang

Kathrin vergibt 3 von 5 Ms Polnische Ostern Das Verhältnis zwischen den beiden Nachbarländern Deutschland und Polen hat seit jeher die schwere Last von kursierenden Vorurteilen auf seinen Schultern zu tragen. Mit seinem Debütfilm nimmt sich Regisseur und Drehbuchautor Jakob Ziemnicki dem verzwickten Nachbarschaftsverhältnis nun an und bringt uns mit „Polnische Ostern“ eine tragisch-komische Geschichte über das polnisch-deutsche Verhältnis in die Kinos. Als gebürtiger Pole, der jedoch mit seinen Eltern im Alter von zehn Jahren nach Deutschland ausgewandert ist, weiß Ziemnicki nur zu gut um all die Vorurteile, die zwischen den beiden Ländern spuken. Insofern scheut er auch nicht, sie alle in seinem Film unterzubringen. Dabei bekommen vor allem die Polen ihr Fett weg: Themen wie Autodiebstahl, dubiose Geschäftsideen, Kriminalität und vor allem das ausgeprägte Bewusstsein für Religion und Glaube rücken immer wieder in den Fokus des Geschehens. Wo andere Völkerverständigungskomödien einen satirischen Ansatz anstreben, verharrt „Polnische Ostern“ jedoch in einer übersteigerten Darstellung all dieser Klischees. Hemmungslos werden sie ausgepackt, ausgerollt und bunt ausgeschmückt; einen wirklichen Ansatz zur Dekonstruktion der Stereotype oder gar zur Vermittlung zwischen zwei Kulturen liefert das Drehbuch allerdings nicht. Die Satire ist, wenn überhaupt, irgendwo tief zwischen den Zeilen abzulesen und verschwimmt dort auch immer mehr in grotesk anmutenden Szenarien. Vielleicht muss man Polen auch besser kennen, um glauben zu können, dass hinter so mancher Szene ein ernstzunehmender Ansatz steckt. So ist es zwar durchaus lustig, wenn Strafen für Verkehrsdelikte mit einigen Gebeten am Straßenrand beglichen werden können, gleichzeitig erscheint dies dem Polen unkundigen Zuschauer jedoch auch maßlos übertrieben.

Selbst wenn es mit dem Ansatz der Völkerverständigung nicht so wirklich klappen will, so ist Jakob Ziemnickis „Polnische Ostern“ aber doch ein Film, der im Rahmen seiner 90 Minuten kurzweilig unterhält. Neben der Geschichte über das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen, erzählt „Polnische Ostern“ nämlich auch eine ruhige und völlig klischeefreie Geschichte über Familienbande und die Entwicklung eines einsamen Mannes, der langsam aus seiner verbitterten Höhle auftaucht. An dieser Stelle kommt Hauptdarsteller Henry Hübchen ins Spiel, dem es hervorragend gelingt diesen Part vor der Kamera umzusetzen. Er erkennt nicht nur die ironischen Seiten seiner Figur Werner Grabosch, sondern auch die reichlich tragischen und verleiht seinem Spiel durch eine äußerst differenzierte Herangehensweise eine ganz besondere Note. Ihm zur Seite wird mit Irene, gespielt von Grażyna Szapołowska, eine faszinierende Frau gestellt. Nicht nur, dass die Schauspielerin eine äußerst sinnliche Darbietung der emanzipierten Polin abliefert, zusammen mit Hübchen sorgt sie für die mitunter witzigsten und gehaltreichsten Szenen des ganzen Films. Ohnehin hat „Polnische Ostern“ viel Positives seinen Darstellern zu verdanken. Neben bereits genannten, ist es vor allem Adrian Topol, der in der Rolle des geschäftstüchtigen Polen Tadeusz voll aufgeht. Sein Slang, deutsch mit polnischem Akzent, ist makellos und sorgt auf ganz natürliche Weise für einige Lacher. Doch auch seiner Figur wohnt eine gewisse Tragik inne, die Topol – fernab von dubiosen Geschäftsideen und deutsch-polnischem Slang – an den Zuschauer zu transportieren vermag.

Wissenswertes

Polnische Ostern "Polnische Ostern" ist der Abschlussfilm von Jakob Ziemnicki.



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