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Miral
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Regie
Julian Schnabel
Drehbuch
Rula Jebreal
Produzent
Jon Kilik
Genre Drama FSK 12 Filmlänge 108 min Land Großbritannien, Israel, Frankreich Kinostart 18.11.2010 DVD-Start 12.05.2011 Verleih Prokino |
Story
In den stürmischen und politisch unruhigen Zeiten ist die Mädchenschule „Haus der Kinder“ von Hind Husseini in Jerusalem ein Fels in der Brandung für palästinensische Kinder. Mit all ihrer Kraft und ohne Rücksicht auf ihr persönliches Glück setzt sie sich dafür ein, dass Palästinas Jugend hier durch Bildung und Sicherheit eine Chance auf eine gewaltfreie Zukunft erhält. Dafür hält sie sich konsequent aus allen politischen Querelen heraus und schickt ihre Mädchen nur in die Flüchtlingslager, um zu unterrichten und Mitmenschlichkeit zu lernen. Miral, die Tochter von Hinds gutem Freund Jamal, ist eines von ihnen. Das 17jährige Mädchen macht hier das erste Mal Bekanntschaft mit der Willkür des israelischen Militärs und ist entsetzt. Fortan engagiert sie sich gegen den Willen ihres Vaters und ihrer Lehrerin in der militanten Intifada-Bewegung. Als sie sich in den Anführer Hani verliebt, rückt sie in den Fokus der israelischen Behörden und plötzlich ist ihr bis dahin behütetes Leben in tödlicher Gefahr…
Schauspieler
Freida Pinto, Alexander Siddig, Hiam Abbass, Omar Metwally, Yasmine Elmasri, Makram Khoury, Willem Dafoe, Jamil Khoury, Shredi Jabarin, Ruba Blal, Doraid Liddawi
Filmkritik von Melanie Frommholz
Julian Schnabel spannt mit seinem Film „Miral“ einen epischen Bogen von Israels Begründung nach dem Zweiten Weltkrieg über den 6-Tage-Krieg, den Beginn der Intifada bis hin zum Hoffnungsschimmer 1994, als es den Eindruck hatte, Palästinenser und Israelis hätten einen Weg gefunden ohne Gewalt miteinander zu leben. Mirals Schicksal soll uns den Konflikt, den Israelis und Palästinenser seit Jahrzehnten austragen nicht nur nahe bringen, sondern auch in seinen vielfältigen Facetten und Ausprägungen gerade den Blickwinkel der Palästinenser begreiflich und nachfühlbar machen. Julian Schnabels Botschaft, nämlich dass die Kinder das wichtigste Gut eines Volkes sind und dass nur Frieden der richtige Lösungsweg sein kann, spricht in vielen einzelnen Momenten aus dieser Geschichte. Dennoch steht sich Julian Schnabel in punkto ansprechender Inszenierung und gelungener Dramaturgie selbst im Weg. Der Maler und Filmemacher ist für seine unkonventionellen Ansätze bekannt und hat gerade in „Schmetterling und Taucherglocke“ bewiesen, was ein Wechsel der Perspektive manchmal bewirken kann. In „Miral“ will es ihm aber einfach nicht gelingen aus dem Film eine stimmige Einheit mit Sogkraft zu schmieden. Es ist gerade die Kamera und Schnabels Liebe für ungewöhnliche Bilder, die in „Miral“ zum anstrengenden Element werden. Oft nervös und hektisch folgt die Kamera den Figuren und rückt ihnen dicht auf die Pelle, was Atmosphäre kostet. Verwackelte Handkamerasequenzen bereiten zudem Kopfschmerzen.
Insbesondere in der ersten Hälfte des Films wirkt Julian Schnabel auf der Suche nach einer geeigneten dramaturgischen Herangehensweise. Dabei greift er auf dokumentarische Bilder zurück und versucht der Geschichte so einen Rahmen zu geben, den er mit dem Schicksal der drei Frauen Hind, Miral und ihrer Mutter Nadia füllt. Erst wenn er sich in der zweiten Filmhälfte ganz dem Schicksal von Miral zuwendet, werden beide Teile mehr zu einer Einheit, wirkt der Film weniger chaotisch. Mirals Geschichte ist der eigentliche Kern des Films, doch bis man bei ihr ankommt, hat Schnabel verschlungene Wege genommen, die einen immer wieder nach dem roten Faden des Films suchen lassen. Immer wieder schafft er starke und intensive Momente, die auch die Facetten des Gesamtkonflikts einfangen, doch er folgt ihnen nicht konsequent, wodurch der Film eine mühsame Weitschweifigkeit bekommt. Schnabel wirkt immer bemüht das große Ganze in den Griff zu bekommen, doch die richtige Gewichtung seiner einzelnen Erzählstränge gelingt ihm nicht. Gerade das Schicksal von Mirals Mutter Nadia ist hier ein gutes Beispiel, bleibt es im Verlauf der weiteren Handlung doch ein Fremdkörper. Zwar macht ihre durch Missbrauch und Alkohol geprägte Geschichte betroffen, jedoch dient sie letztlich nur dazu Mirals Weg in die Schule von Hind zu führen. Miral erscheint ansonsten vom tragischen Weg der Mutter gänzlich unberührt.
Wie Palästinenser und Israelis um ihr Miteinander, ringt auch Julian Schnabel um die Inszenierung seiner Botschaft. Dem autobiographischen Ansatz der Buchvorlage treu bleibend, beleuchtet er die palästinensische Sicht des blutigen Konflikts im Heiligen Land, was in Ordnung ist. Seine diffuse Inszenierung kostet „Miral“ jedoch seine Ausdruckstärke und erzählerische Kraft. Was bleibt ist ein von der Machart angestrengter und wenig berührter Zuschauer.
Das Drehbuch zu "Miral" basiert auf dem Debütroman „La strada dei fiori di Miral" von Schnabels Lebensgefährtin Rula Jerbreal, der 2004 erschien.