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Brothers
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Regie
Jim Sheridan
Drehbuch
David Benioff
Produzenten
Ryan Kavanaugh, Sigurjon Sighvatsson
Genre Kriegs-Drama FSK 12 Filmlänge 104 min Land USA, 2009 Kinostart 27.01.2011 DVD-Start 24.06.2011 Blu-ray-Start 24.06.2011 Verleih Koch Media |
Story
Sam und Tommy Cahill sind zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sam ist ein bodenständiger Familienvater, er hat mit seiner Frau Grace, die er seit der Highschool liebt, zwei kleine Töchter. Er ist Captain bei den Marines und war bereits in Afghanistan. Sein jüngerer Bruder Tommy ist das schwarze Schaf der Familie, für den Vater nicht mehr als ein Taugenichts und gerade erst aus dem Knast entlassen. Als Sam im Oktober 2007 erneut einen Afghanistan-Einsatz hat, geschieht das Schreckliche: Sams Hubschrauber wird abgeschossen und Grace wird mit der furchtbaren Nachricht konfrontiert, dass ihr Mann im Kampf für sein Land ums Leben kam. Die ganze Familie ist fassungslos und Tommy fühlt sich verpflichtet, sich um seine Schwägerin, die ihn nicht leiden kann, und die beiden Mädchen, Isabelle und Maggie, zu kümmern. Aus dem unzuverlässigen Tommy wird allmählich ein Mann, den er selbst kaum wiedererkennt: Liebevoll sorgt er für Grace und die Töchter seines Bruders, und ohne es eigentlich zu wollen, kommen er und Grace einander näher.
Dann bekommt Grace eines Tages die Nachricht, an die keiner mehr geglaubt hat: Sam lebt! Er konnte sich nach dem Hubschrauberabsturz retten und geriet in afghanische Gefangenschaft. Nun steht er plötzlich vor der Tür, abgemagert und schwer traumatisiert und beginnt sich bald schon zu fragen, was in seiner Abwesenheit zwischen Tommy und Grace geschehen ist. Unfähig, seiner Frau von den entsetzlichen Geschehnissen in Afghanistan zu erzählen, driftet er immer weiter ab in eine Welt, die aus Ängsten, Zwängen und Paranoia besteht…
Schauspieler
Jake Gyllenhaal, Natalie Portman, Tobey Maguire, Clifton Collins Jr., Bailee Madison, Sam Shepard, Mare Winningham, Taylor Geare, Patrick Flueger, Jenny Wade, Carey Mulligan, Omid Abtahi, Navid Negahban, Ethan Suplee, Arron Shiver
Filmkritik von Stefanie Rufle
„Man sagt, dass nur die Toten das Ende des Kriegs sehen. Das stimmt nicht! Ich habe das Ende gesehen. Aber ich weiß nicht, ob ich weiterleben kann.“
Dieser Satz, der den Schluss von „Brothers“ bildet, sagt beinahe alles über dieses grandios gespielte und zutiefst ergreifende Kriegs-Drama aus. Es wird die Geschichte eines Marines erzählt, der stellvertretend für unzählige Männer steht, die schwer traumatisiert und kaum noch lebensfähig aus dem Krieg heimkehren. Regisseur Jim Sheridan vollbringt in diesem Remake von Susanne Biers dänischem Film „Brødre“ aus dem Jahr 2004 das unglaubliche Kunststück, dass weder die Frage nach dem Für und Wider des Afghanistan-Krieges, noch der bei solchen Filmen oft übliche Patriotismus im Vordergrund stehen, sondern vielmehr das Schicksal einer amerikanischen Familie, die von diesem Krieg ganz unmittelbar betroffen wird und nun mit den Folgen leben muss. Dieses Schicksal ist übertragbar auf alle Kriege dieser Welt – in der Vergangenheit, in der Gegenwart und auch in der Zukunft. „Brothers“ macht deutlich, was Krieg tatsächlich bedeutet – für die Menschen, die direkt involviert sind, die das Grauen erleben und danach nicht mehr wissen, wie sie in der „normalen“ Welt weiterleben sollen. Und für deren Familien, die ihren Ehemann und Vater nicht mehr so zurückbekommen, wie er einmal war, die plötzlich einen Fremden in ihrem Haus haben – die sich manchmal wünschen, der Vater wäre besser tot.
„Brothers“ ist ein großartig inszeniertes Kriegs-Drama – doch neben der schier unglaublichen darstellerischen Leistung, die diesen Film trägt, werden Inszenierung, Kamera und Musik beinahe nebensächlich. An erster Stelle muss einfach Toby Maguire genannt werden, denn seine Darstellung ist von solcher Intensität, Überzeugungskraft und Präsenz, dass es manchmal fast Angst macht. Die Hoffnungslosigkeit und innere Leere spiegeln sich in seiner Mimik wider, so dass Worte überflüssig werden. Doch auch Jake Gyllenhaal als sein Bruder Tommy kann in jeder Sekunde bestehen. Diese beiden Darsteller aus der jüngeren Hollywood-Generation stehen einander in nichts nach, verkörpern die Rivalität und bedingungslose Liebe zweier Brüder durch und durch überzeugend und lassen den Zuschauer mit einem Gefühl großer Bewunderung für ein solches darstellerisches Können zurück. Ebenso ergeht es einem mit Natalie Portman, die hier einmal mehr beweisen darf, dass sie eine virtuose und begnadete Schauspielerin ist. Trauer um den vermeintlich toten Mann, Sorge und Verantwortung für die beiden Töchter, neue und eher unerwünschte Gefühle für den Schwager, Hilflosigkeit und Angst angesichts des Verhaltens ihres zurückgekehrten Mannes – all das vereint sich meisterlich in ihrer Darstellung der Grace. Auch Sam Shepard als alkoholkranker Vietnamveteran und Vater von Sam und Tommy überzeugt von Anfang bis Ende. Doch beinahe sprachlos macht einen die Leistung von Bailee Madison, die die ältere Tochter Isabelle spielt – sie agiert derart intensiv, dass man sich unwillkürlich fragt, wie ein Kind dazu in der Lage sein kann. Bei einer solchen Darstellerriege geraten sogar die brillanten Dialoge beinahe in den Hintergrund – man ist einfach nur gefesselt von solcher Schauspielkunst.
„Brothers“ zählt zu jenen Filmen, die etwas über das Leben zu erzählen haben, etwas, das viele nicht hören wollen oder können, das aber gerade deswegen so immens wichtig ist. Vor allem macht dieses Drama eines deutlich: Krieg lässt die Seelen der Menschen sterben, die hinterher als Helden gefeiert werden. Mit dem Schrecken in ihrem Inneren werden sie dann allerdings allein gelassen – es ist so, wie Sam am Ende zu seinem Bruder Tommy sagt: „Ich ertrinke!“
"Brothers" ist das Remake des dänischen Films "Brødre" aus dem Jahr 2004.
