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Menschliches Versagen
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Regie
Michael Verhoeven
Drehbuch
Michael Verhoeven, Luise Lindemaier
Produzent
Sentana Filmproduktion
Genre Dokumentation FSK 0 Filmlänge 90 min Land Deutschland Kinostart 09.11.2008 DVD-Start 06.03.2009 Verleih Sentana Filmproduktion |
Story
Arisierung – unter diesem Begriff ordneten bislang viele Enteignungen jüdischen Eigentums in Rahmen von Großkonzernen ein. Mit welcher Akribie die deutsche Bürokratie jedoch jeden jüdischen Bürger systematisch bis auf die letzten Wertgegenstände, ja bis auf das letzte Hemd beraubte, war bislang nicht bekannt. Erst vor sechs Jahren konnten von Historikern Akten bei Finanzbehörden ausfindig gemacht werden, die das ganze Ausmaß deutlich werden ließen. Der enteignete Besitz wurde anschließend im großen Stil versteigert. Deutsche Beamte haben über alle Verfahren ordentlich Buch geführt und so werden Steuerakten plötzlich zu Zeugnissen ganzer Lebensbiographien - vom deutschen Steuergeheimnis bislang wohlbehütet. Michael Verhoeven wagt mit seiner Dokumentation, entlang der bislang bekannten Fakten, eine erste Spurensuche in diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte.
Filmkritik von Melanie Frommholz
…und da dachten wir nun alle dunklen Kapitel der deutschen Geschichte im Dritten Reich wären bekannt und in den letzten Zügen der Auswertung. Welch ein Irrtum! Michael Verhoeven begibt sich mit seiner Dokumentation auf eine heikle erste Spurensuche nach dem Eigentum der deportierten Juden. Was geschah mit den mittelständischen Betrieben, was mit den Möbeln und der Bettwäsche? Dank einiger weniger engagierter Historiker liegen nun neue Akten aus Archiven der Finanzbehörden vor, die ein erschreckendes Bild der Akribie des deutschen Beamtentums zeichnen. Von langer Hand wurde die Enteignung geplant und das Vermögen schrittweise in das Staatseigentum überführt. Es wurden Formulare gedruckt, Steuern und Abgaben erfunden und die entsprechenden Verordnungen dazu erlassen. Und wer hat die Betriebe, Möbel und Bettwäsche in den Versteigerungen erworben? Wir! Die normale Zivilbevölkerung. Die Gegenstände gingen nicht etwa in den Besitz von verdienten SA oder SS-Leuten, sondern nicht selten an den Nachbarn der deportierten Juden. Da diese an Versteigerungen feilgebotene Waren eindeutig als jüdische deklariert waren, werden Aussagen wie „Wir haben von alle dem nichts gewusst“ noch unglaubwürdiger. Es gibt auf diesem Gebiet noch viel Aufklärungsbedarf und Verhoevens Dokumentation ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. In vielen Gesprächen mit Historikern und anhand einzelner Schicksale beleuchtet er die bislang bekannten Facetten der Thematik und zeichnet mit seinem Film eine erste Andeutung des Ausmaßes an Aufklärungsbedarf, der da in den Asservatenkammern schlummert. Wenn die Akten nicht bereits vernichtet wurden.
