Wer wenn nicht wir

Filmplakat Wer wenn nicht wir
Regie Andres Veiel  Drehbuch Andres Veiel  Produzent Thomas Kufus 
Genre Biopic  FSK 12  Filmlänge 124 min
Land Deutschland  Kinostart 10.03.2011  DVD-Start 14.10.2011  Verleih Senator Film

Story

Deutschland in den frühen 1960er Jahren: Bernward Vesper wohnt noch in seinem behüteten Zuhause und wächst unter der strengen Aufsicht seines Vaters, dem NS-Schriftsteller Will Vesper auf. Auch Bernward interessiert sich für Literatur und schreibt sich daher an der Universität für Literaturwissenschaften ein. Schon bald lernt er dort seine Kommilitonin Gudrun Ensslin kennen. Gudrun ist zusammen mit vielen Geschwistern aufgewachsen und genießt als Einzige in der Familie das Privileg studieren zu dürfen. Dementsprechend groß ist auch der Druck, der seitens ihres Vaters, einem ehemaligen Soldaten des Zweiten Weltkriegs, auf sie ausgeübt wird. Sowohl in Bernward, als auch in Gudrun keimen schnell erste Anzeichen von Rebellion auf. Sie wollen sich frei machen von ihrem Elternhaus, von der Gesellschaft und deren Missständen, die nicht zuletzt den Nazis zu verschulden sind. In den kommenden Jahren formen sie eine immer schärfer werdende politische Position. Keine zehn Jahre später taucht Ensslin in den bewaffneten Untergrund ab und Vesper verfällt den Drogen...

Schauspieler

Wer wenn nicht wir August Diehl, Lena Lauzemis, Alexander Fehling, Thomas Thieme, Imogen Kogge, Michael Wittenborn, Susanne Lothar, Sebastian Blomberg

Filmkritik von Kathrin Lang

Kathrin vergibt 3 von 5 Ms Wer wenn nicht wir Mittlerweile blicken wir bereits auf eine ganze Reihe an deutschen Filmproduktionen, die sich der 68er Generation, im speziellen den Anhängern der RAF, widmen. Eigentlich immer sind es dabei die gleichen Namen, die bei der Abhandlung dieses Stückes deutscher Vergangenheit eine Rolle spielen – lediglich der Protagonist, aus dessen Perspektive die Geschichte nun scheinbar neu aufgerollt wird, wechselt gelegentlich. Andres Veiel, der sich bisweilen den Ruf als außergewöhnlichen Dokumentarfilmer gemacht hat und uns vor einigen Jahren bereits die mehrfach preisgekrönte Wolfgang Grams-Doku „Black Box BRD“ in die Kinos brachte, schließt sich diesem Prinzip seiner Vorgänger mit seinem Spielfilmdebüt an, überrascht jedoch insofern, als dass er einige Jahre früher als üblich mit seiner Erzählung ansetzt:

Wir schreiben die frühen 1960er Jahre – das Land ist noch ruhig, der Aufbruch liegt jedoch in der Luft. Bernward Vesper (August Diehl) wagt gerade die ersten Schritte raus aus seinem nazistischen Elternhaus, hinein in ein selbstbestimmtes Leben. An der Universität lernt er die ebenfalls noch vorsichtig rebellierende Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis) kennen. „Wer wenn nicht wir“: der Titel passt und beschreibt scharf jenes Szenario, das sich im nun Folgenden ereignen wird. Es ist vor allem der erste Teil des Biopics, der überzeugen kann. Das langsame Aufbegehren einer ganzen Generation wird anhand der zwei Einzelschicksalen von Vesper und Ensslin durch Andres Veiel präzise eingefangen und von zwei durchdringenden schauspielerischen Darbietungen wiedergegeben. Doch „Wer wenn nicht wir“ deckt in seiner Erzählung nicht nur die frühen, sondern auch die späten 60er Jahre ab. Die Erzählung reicht schließlich sogar weit über das erste Zusammentreffen von Ensslin und Baader, die Flugblattaktion an der Berliner Gedächtniskirche oder die ersten terroristischen Anschläge auf Kaufhäuser hinaus. Mit dieser rasanten und weitreichenden Erzählspanne, schreitet auch die Entwicklung der Protagonisten schneller voran. „Wer wenn nicht wir“ nimmt sich zunehmend weniger Zeit für eine präzise Charakterstudie und lässt die eindringlich aufgebaute und spannende Figurenanalyse eine zunehmend dezentralere Position im Erzählfluss einnehmen. Am Schluss fehlt immer mehr das Verständnis für das Handeln und die Ambitionen der beiden Protagonisten. Während Ensslin zunehmend weiter ins Abseits der Leinwand gedrängt wird, kann man Vespers Wandel, vom rebellierenden Schriftsteller hin zum Drogensüchtigen, kaum mehr nachvollziehen.

Leider verliert Andres Veiel den spannenden Teil seines Biopic aus den Augen und verfällt im zweiten Teil seiner Erzählung immer mehr den politischen Parolen der RAF, die zwar zeitgeschichtlich interessant, aber im Kino gewiss nicht neu sind.

Wissenswertes

Wer wenn nicht wir "Wer, wenn nicht wir" ist Andres Veiels erster Spielfilm. Das Biopic lief auf der Berlinale 2011.



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