Wüstenblume

Desert Flower

Filmplakat Wüstenblume
Regie Sherry Horman  Drehbuch Sherry Horman  Produzent Peter Herrmann 
Genre Biopic  FSK 12  Filmlänge 120 min
Land Deutschland, Österreich, Grossbritannien  Kinostart 24.09.2009  DVD-Start 26.03.2010  Verleih Majestic Film

Story

Waris Dirie ist ein bildschönes Topmodel und musste doch in ihrer Kindheit das Schlimmste erleiden, was man sich als Frau überhaupt vorstellen kann. Mit nur drei Jahren wird das Nomadenmädchen aus Somalia von seiner Mutter zu einer Frau gebracht, die ihm mitten in der Wüste mit einer rostigen Rasierklinge sämtliche Genitalien abschneidet und es dann wieder zunäht. Dies soll die Reinheit und Jungfräulichkeit einer Frau sichern, würde sie doch unbeschnitten wie eine Prostituierte behandelt werden. Als Waries dann mit 13 Jahren einen viel älteren Mann heiraten soll, der bereits andere Ehefrauen hat, flieht sie in ihrer Verzweiflung zu Fuß durch die Wüste nach Mogadischu zu ihrer Großmutter. Die verhilft ihrer Enkelin schließlich zur Flucht nach London, wo Waris als Dienstmädchen und Putzfrau in der somalischen Botschaft wie eine Sklavin gehalten wird. Doch auch diesem Gefängnis kann die junge Frau entrinnen und weil sie Menschen findet, die bereit sind, ihr zu helfen, stellt sie sich nach und nach auf die eigenen Füße und wird schließlich vom bekannten Topfotografen Terry Donaldson entdeckt. Doch Waries spürt nach wie vor ihre somalischen Wurzeln und nutzt ihre große Popularität schließlich dazu, der Weltöffentlichkeit von dem furchtbaren Ritual der weiblichen Genitalverstümmelung zu berichten.

Schauspieler

Wüstenblume Liya Kebede, Sally Hawkins, Craig Parkinson, Meera Syal, Timothy Spall, Anthony Mackie, Juliet Stevenson, Soraya Omar-Scego

Filmkritik von Stefanie Rufle

Steffi vergibt 6 von 5 Ms Wüstenblume „Wüstenblume“ ist einer dieser wenigen Filme, die den Zuschauer im Innersten berühren, ohne jedoch in deprimierendem Elend zu versinken. Hier verbinden sich die unterschiedlichsten Stimmungen miteinander, so dass man im einen Augenblick herzhaft lachen kann, im anderen über die wunderschönen Bilder und Kameraeinstellungen staunt und manchmal vor Entsetzen und Fassungslosigkeit weinen muss. Dabei überzeugt dieser Film von Anfang bis Ende – was vor allem den großartigen Darstellern zu verdanken ist. Liya Kebede ist beinahe schon eine Hommage an die wunderschöne Waris Dirie – sie verfügt über eine Schönheit, die weit über die sichtbaren Schönheitsattribute hinausgeht. Ihr Spiel ist voller Leidenschaft und Tiefgründigkeit und fesselt von der ersten Sekunde an. Die Szenen, in denen sie erkennen muss, dass nicht alle Frauen derart verstümmelt sind wie sie selbst, oder in denen sie in einem Interview von ihrer Beschneidung erzählt, sind derart ergreifend, dass man als Zuschauer Raum und Zeit vergisst und nicht anders kann, als zutiefst mit dieser Frau zu fühlen. Doch auch Sally Hawkins, die Waris’ flippige Freundin Marilyn spielt, ist eine Offenbarung für diesen Film, sorgt sie doch auch immer wieder für die komischen und leichten Momente, die es dem Zuschauer erlauben, sich gegen das zu wappnen, was ihm da an brutalster Wahrheit präsentiert wird.

Denn das Schicksal von Waris Dirie ist leider kein Einzelfall. Täglich müssen sich weltweit 6.000 Mädchen diesem archaischen und frauenverachtenden Ritual unterziehen, bei dem ihnen (manchmal mit gefährlichem Werkzeug wie einer rostigen Rasierklinge und ohne Betäubung) die Klitoris und die äußeren und inneren Schamlippen abgeschnitten werden. Anschließend werden sie bis auf ein streichholzkopfgroßes Loch wieder zugenäht, um am Tag ihrer Hochzeit von ihrem Ehemann wieder aufgeschnitten zu werden. Was das für diese Mädchen und Frauen bedeutet, vermittelt „Wüstenblume“ mit schonungsloser Offenheit: Nie werden sie in der Lage sein, Liebe als etwas Lustvolles und Schönes zu erleben. Der Schmerz – körperlich wie seelisch – ist ein ständiger Begleiter. Diese Fakten vermittelt Liya Kebede so eindrücklich und überzeugend, als sie gegen Ende des Films vor UN-Vertretern eine Rede hält, dass man Gänsehaut bekommt. Mit großartiger Filmmusik, wunderschönen Kameraeinstellungen, großartigen Darstellern bis hinein in die Nebenrollen und viel Verständnis und Liebe für einen faszinierenden Kontinent bereitet Regisseurin Sherry Hormann ein schockierendes Thema so auf, dass es ein Millionenpublikum erreichen kann. Die Botschaft von Waris Dirie, einer faszinierenden und starken Frau, wird jeden Zuschauer schonungslos erreichen: Die weibliche Genitalverstümmelung muss ein für alle mal ein Ende haben! Damit ist „Wüstenblume“ ohne jeden Zweifel einer der wichtigsten Filme dieses Kinojahres.

Wissenswertes

Wüstenblume "Wüstenblume" basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Waris Dirie und wurde von Til Schweiger co-produziert.




Besucherbewertung
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Kommentare

Florian schreibt am 27.09.09, 10:20
Film mit viel Tiefgang - Sehr empfehlenswert!
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