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Tatort - Familienaufstellung (TV)
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Regie
Mark Schlichter
Drehbuch
Thea Dorn, Seyran Ates
Produzenten
Katja De Bock, Gerhard Schneider, Annette Strelow
Genre Krimi Filmlänge 90 min Land Deutschland, 2009 Verleih Radio Bremen |
Story
Als Hauptkommissarin Inga Lürsen zum Selbstmord der jungen Türkin Rojin Lewald gerufen wird, kommen ihr bald Zweifel, ob die Medizinstudentin sich tatsächlich selbst das Leben genommen hat. Die Frau kam aus guten Verhältnissen, stand mitten im Leben, ihre Vater Durmus Korkmaz, ein angesehener Bauunternehmer in Bremen, gilt als leuchtendes Beispiel gelungener Integration. Die Familie ist bestürzt, als sie vom Tod ihrer Tochter erfährt, doch die Hochzeit ihrer jüngeren Tochter Arzu wollen sie deswegen nicht absagen. Durmus Korkmaz und sein Clan sind streng gläubig und Inga Lürsen und ihr Kollege Stedefreund erfahren schnell, dass die Ehre der Familie über alles geht und unter allen Umständen gewahrt werden muss. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel, als sich bestätigt, dass Rojin ermordet wurde. Einerseits will Lürsen an ein klassisches Ehedrama glauben, Rojins wollte sich von ihrem Ehemann scheiden lassen, andererseits schürt die Anwältin Dilek Ilhan, eine Freundin Rojins, den Verdacht, dass der Korkmaz-Clan Rojin bewusst ermordet hat, damit ihre Scheidung keine Schande über die Familie bringen kann. Immer tiefer geraten Lürsen und Stedefreund bei den Ermittlungen in das Geflecht aus Anschuldigungen und Vermutungen, die vor dem Hintergrund von starkem Glauben, Traditionen und Ehrdefinition immer schwieriger zu entwirren sind.
Schauspieler
Sabine Postel, Oliver Mommsen, Camilla Renschke, Winfried Hammelmann, Erol Sander, Proschat Madani, Elyas M'Barek, Jennifer Ulrich, Kostja Ullmann, Roman Knizka, Denis Moschitto
Filmkritik von Melanie Frommholz
Das Thema der so genannten Ehrenmorde beschäftigt unsere Gesellschaft immer wieder, insbesondere dann, wenn wieder ein Fall öffentlichkeitswirksam Schlagzeilen macht. So ist es nicht verwunderlich, dass das komplexe und hoch emotional diskutierte Thema auch in die Reihe der Tatort-Themen Einzug hält. „Familienaufstellung“ ist einer der Tatorte, die sich damit auseinandersetzen. Der Begriff Ehrenmord wird dann verwendet, wenn ein Bruder seine Schwester umbringt, um die Familienehre wieder herzustellen. Vornehmlich geschehen diese Verbrechen in konservativen geprägten muslimischen Gemeinschaften.
Natürlich reichen 90 Minuten nicht aus, um alle Aspekte erschöpfend und tiefgründig zu beleuchten, dem Autorenteam Thea Dorn und Seyran Ates ist dennoch ein vielschichtiger Blick in eine andere Welt gelungen, in der ein stark religiös geprägtes Wertesystem andere Grenzen zieht und andere Handlungen befürwortet. Begriffe wie Ehre, Familienschande und Zwangsheirat haben Dorn und Ates aufgegriffen und in einen spannenden und undurchsichtigen Kriminalfall verpackt, der bis zum Schluss packend bleibt. Natürlich bedienen sie dabei ein Stück weit auch die Klischees, entlarven sie jedoch auch als nicht immer zutreffende Vorurteile und hinterfragen die Definition einer „gelungenen“ Integration. Die Familie Korkmaz entspricht so gar nicht dem Bild einer ungebildeten, unaufgeklärten und unintegrierten türkischen Familie, die man landläufig wohl eher mit dem Thema Ehrenmorde in Verbindung bringen würde. Die Autoren spielen mit diesem Gegensatz gekonnt und nutzen die kulturellen Unterschiede geschickt, um die Story offen und überraschend zu halten. „Familienaufstellung“ hat neben den bekannten Ermittlergesichtern von Inga Lürsen und ihrem Partner Stedefreund zudem gute Figuren, die ausnahmslos von überzeugenden Darstellern mit Leben erfüllt werden. Erol Sander gibt abseits seines Herzensbrecher-Images gekonnt den strengen Familienpatriachen, aber auch Proschat Madani als unerbittliche Mutter Mukkades, Elyas M'Barek als aufbrausender Macho Ferhat, Jennifer Ulrich als Azu und Kostja Ullmann als Kerim Korkmaz bleiben im Gedächtnis.
Der insgesamt sehr positive Eindruck dieser Bremer Tatortfolge wird durch die eingeflochtene lustige Episode mit Hund Paul getrübt, den Sabine Poste alias Inga Lürsen für ihre Tochter hüten muss. Die Dialoge sind zwar sehr witzig, Postel ist in den Szenen herrlich, weil sie hier ihrer Figur noch weiter Ecken und Kanten geben kann, zum ernsten Thema will dieser Part aber nicht so recht passen.
Wissenswertes
Alle Fälle von Lürsen und Stedefreund:
• 2001: Eine unscheinbare Frau
• 2002: Endspiel
• 2002: Schatten
• 2003: Der schwarze Troll
• 2003: Die Liebe der Schlachter
• 2004: Abschaum
• 2005: Scheherazade
• 2005: Todesengel
• 2005: Requiem
• 2006: Stille Tage
• 2007: Schwelbrand
• 2007: Strahlende Zukunft
• 2009: Familienaufstellung
• 2009: Schiffe versenken
• 2009: Tote Männer
• 2010: Königskinder
• 2010: Schlafende Hunde
• 2011: Stille Wasser
• 2011: Der illegale Tod
• 2012: Ordnung im Lot
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