Surrogates - Mein zweites Ich

The Surrogates

Filmplakat Surrogates - Mein zweites Ich
Regie Jonathan Mostow  Drehbuch Michael Ferris, John D. Brancato  Produzenten Max Handelman, David Hoberman, Todd Lieberman 
Genre Science-Fiction-Thriller  FSK 12  Filmlänge 88 min
Land USA  Kinostart 21.01.2010  Verleih Walt Disney Pictures

Story

Wir leben in einem neuen Zeitalter: Kaum ein echter Mensch traut sich mehr auf die Straße. Die Landschaft wird von so genannten Surrogates dominiert, die gemütlich von der heimischen ‚Leitzentrale‘ aus gelenkt werden können. Seit die Surrogates eingeführt wurden, hat sich die Gesellschaft radikal verändert: Nicht nur, dass Schönheitsideale Standart geworden sind, auch die Kriminalitätsrate ist rapide gesunken. Als eines Tages jedoch der erste Mord seit mehreren Jahren geschieht, ist Alarmstufe rot angesagt. Jemand scheint eine Waffe erfunden zu haben, die es ermöglicht einen Menschen zu töten, während dieser mit seinem Surrogate verbunden ist. Sollte das tatsächlich möglich sein, wäre das ganze System der Surrogates plötzlich hinfällig…

Schauspieler

Surrogates - Mein zweites Ich Bruce Willis, Rosamund Pike, Ving Rhames, Radha Mitchell, Devin Ratray, Michael Cudlitz, Valerie Azlynn, Helena Mattsson, James Cromwell

Filmkritik von Kathrin Lang

Surrogates - Mein zweites Ich „Technik ist zum Lebensstil geworden. Sie hat sich förmlich in unser Leben hineingedrängt. Die Gesellschaft kann ohne sie nicht mehr existieren. Was würden wir ohne Internet, ohne Handys tun?“ (Todd Lieberman, Produzent)

Schon seit Jahrtausenden greift der Mensch in den natürlichen Kreislauf der Welt ein und träumt davon, es Gott gleichzutun. Das Aufkommen der Idee, dass Menschen ihresgleichen erschaffen wollen, lässt sich sogar bis in die griechische Antike zurückführen. Auch filmisch wurde sich in den vergangenen Jahrzehnten eingehend mit der künstlichen Erschaffung menschenähnlicher Maschinen auseinandergesetzt. Bereits in seinen Anfangsjahren hat der Film das Thema aufgegriffen und seither aus etlichen Perspektiven beleuchtet. Die Anzahl an Science-Fiction-Filmen, in denen die Existenz oder künstliche Erschaffung menschenähnlicher Lebewesen, intelligenter Maschinen oder gar eines Menschen thematisiert wird, hat mittlerweile enorme Ausmaße angenommen. Je mehr Möglichkeiten die Technik bietet, desto visionärer und konkreter werden nun aber auch die Filme. „Surrogates - Mein zweites Ich“, der neuste Streich aus Hollywood, geht sogar so weit, dass uns via Film eine Welt präsentiert wird, in der wir Menschen nicht nur Seite an Seite mit Robotern zusammenleben, sondern in der wir sogar selbst die Roboter sind. Natürlich ist es die Thematik des Films, die den Zuschauer neugierig macht. „Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch Möglichkeitssinn geben“, hat Robert Musil einst geschrieben und so lassen wir uns von „Surrogates - Mein zweites Ich“ getreu diesen Mottos direkt in eine mögliche ‚Welt der Zukunft‘ hineinkatapultieren, die faszinierend und beängstigend zugleich ist.

„Surrogates - Mein zweites Ich“ beschäftigt sich vor allem mit dem beängstigenden Aspekt der voranschreitenden Technologie und verweist innerhalb seiner Geschichte auf die vielen Gefahren, die hinter den neuen technischen Errungenschaften lauern. Leider ist das System der Surrogates (zu Deutsch: Ersatzmittel) so fehlerhaft, dass der ganze Film dadurch an den Haaren herbeigezogen und unglaubwürdig wirkt. Die vielen Sicherheitslücken, die sich durch die Hightech-Ersatzmenschen auftun, sind zweifelsohne Bestandteil des Films und wollen auf die Gefahren verweisen. Allerdings sind eben diese Lücken auch schon wieder so offensichtlich mit Problemen behaftet, dass das Interesse des Zuschauers an dem ganzen visionären System von Minute zu Minute mehr abflaut. Da durften wir in der Vergangenheit mit Sicherheit schon besser durchdachte (filmische) Blicke in die Zukunft werfen. Denn selbst wenn „Surrogates – Mein zweites Ich“ dem Science-Fiction-Genre entsprungen ist, so sollte der Grundgedanke der Geschichte dennoch Hand und Fuß haben – was hier leider nicht der Fall ist.

Dass „Surrogates – Mein zweites Ich“ so kläglich scheitert, mag auch an der Tatsache liegen, dass der nötige Blick in die Tiefe fehlt. Zwar werden viele problematische Fragen aufgeworfen, doch kaum eine davon auch beantwortet. Letztlich dreht sich alles nur noch darum die Menschheit vor ihrem Untergang zu bewahren, was trotz der kurzen Spielfilmlänge von gerade einmal 88 Minuten, herzlich wenig unterhaltend ist. Da kann „Surrogates – Mein zweites Ich“ froh um seine Darsteller sein. Bruce Willis agiert gewohnt souverän und überzeugt sowohl in Szenen, in denen er als leibhaftiger Mensch auftritt, als auch in jenen, in denen er durch seinen Surrogate durch die Welt spaziert. Ohnehin ist dieser Aspekt einer der interessantesten des ganzen Filmes. Sofort erkennt man dem Schauspiel der Darsteller an, ob es sich gerade um einen Mensch aus Fleisch und Blut handelt, oder nur um eine technische Konstruktion.

Letztlich gehört „Surrogates – Mein zweites Ich“ sicherlich nur zum Mittelmaß. Zu Gute halten muss man dem Science-Fiction-Film dennoch, dass er sichtlich bemüht ist, sein Publikum für gewisse Problematiken wieder mehr zu sensibilisieren. Schon in der heutigen Zeit kommen wir kaum mehr ohne Internet und Handys aus. Technik dominiert schon jetzt weitestgehend unseren Alltag. Wo enden wir, wenn wir diesen Fortschritt in den kommenden Jahren nicht hinterfragen, sondern jede neue technische Errungenschaft weiterhin mit offenen Armen empfangen? „Surrogates – Mein zweites Ich“ zeigt ein mögliches Resultat unseres unreflektierten Handelns auf – der Weg dorthin ist zwar nicht sonderlich überzeugend, die grundsätzliche Botschaft dafür umso mehr.



Besucherbewertung
3.5 / 5  (10 votes)

Kommentare

Tobi Katze schreibt am 19.02.10, 23:13
"Dass „Surrogates – Mein zweites Ich“ so kläglich scheitert, mag auch an der Tatsache liegen, dass der nötige Blick in die Tiefe fehlt. Zwar werden viele problematische Fragen aufgeworfen, doch kaum eine davon auch beantwortet."

Wird daran nun der Wert eines Films gemessen? An den ANTWORTEN, die er uns bietet? Ist es nicht etwas...einfach, etwas faul, zu erwarten, ein Film halte die Antworten auf Fragen nach Identität in einer immer digitaler werdenden Welt für uns parat?
Sollte uns ein guter Film nicht a) unterhalten und b) zum EIGENEN denken anregen statt uns die Antworten schön vorzukauen wie hier verlangt?
Liebe Kathrin Lang, wenn Sie wirklich verlangen, sowohl Fragen als auch Antworten ohne eigenes zutun präsentiert zu bekommen, dann sind sie mental vielleicht näher an der in "Surrogates" thematisierten Aufgabe von Verantwortung sich selbst gegenüber als Sie es sich eingestehen mögen, oder?
Manni schreibt am 15.01.10, 06:13
Ich kann den Film nur empfehlen. Es ist ein sehr gut gemachter Thriller, der die ganze Anonymität des Internets nochmal extremisiert (in Form der Surrogates) und in Frage stellt. super finde ich auch Bruce Willis und künstliche seine Kopie, sieht einfach fazinierend aus.

Surrogates ist auf jedenfall ein Film für alle die auf "I, Robot" stehen.

PS: Warum hat man bis vor zwei, drei Tagen nichts von dem Film gehört (Werbung etc.)? Hoffentlich verschwindet nicht so klanglos wie "Eagle Eye". Der war auch schon ein extrem guter Geheimtipp.
chrisch schreibt am 09.05.10, 20:21
Den Film habe ich leider noch nicht gesehen. War der im Kino? Ich sehe ihn als Ankündigung in Maxdome.de. Das ist doch meist erst nach DVD Release der Fall. Da wurde aber echt wenig Werbung gemacht. Es scheint, als ob die Meinung, die Frau Lang vertritt auch von den Investoren des Fimls geteilt wird. Dazu muss ich sagen, dass ich seit viiielen Jahren ein eingefleischter Bruce Willis Fan bin und mir so gar nicht vorstellen kann, dass der Film ist, wie von Frau Lang beschrieben.
@ Tobi Katze:
Sehr gutes Kommentar. Sehe ich genauso.
+ Kommentar schreiben
Deine Daten
(wird nicht veröffentlicht)
Dein Kommentar*

*Pflichtfeld
Der Kommentar wird von uns vor dem Freischalten geprüft.