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W. - Ein missverstandenes Leben
W.
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Regie
Oliver Stone
Drehbuch
Stanley Weiser
Produzenten
Bill Block, Moritz Borman, Jon Kilik
Genre Biopic FSK 12 Filmlänge 124 min Land USA, 2008 DVD-Start 22.01.2009 Blu-ray-Start 20.01.2009 Verleih Planet Media |
Story
Alkohol, Frauen und Partys sind die Dauerbegleiter von George Walker Bush während der Studienzeit. Auch nach dem Studium bekommt der Politikerspross nichts auf die Reihe. Seine Jobs bringt er meist nicht zu Ende. Sein Leben bekommt erst eine Richtung, als er seine spätere Frau Laura kennen lernt und sich entschließt, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und Politiker zu werden. Doch hier spürt er den Übervater noch mehr in seinem Nacken. Nie kann er es ihm recht machen, so denkt W., wie Freunde ihn nennen, zumindest. Als wiedergeborener Christ schwört er schließlich dem Alkohol ab und wird später zum umstrittenen Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Schauspieler
Josh Brolin, Elizabeth Banks, James Cromwell, Ellen Burstyn, Stacy Keach, Jeffrey Wright, Noah Wyle, Richard Dreyfuss, Toby Jones, Thandie Newton, Scott Glenn
Filmkritik von Melanie Frommholz
Zu Lebzeiten eine Biographie über eine politische Persönlichkeit zu drehen ist ungewöhnlich. Zumindest, wenn diese noch relativ jung und zu Drehbeginn noch im Amt ist. Wer nun dachte, Filmemacher Oliver Stone macht seinen Streifen „W.“ zur Abrechnung mit dem Regime Bush, wird überrascht. Stone legte seinen Schwerpunkt mehr auf die Person hinter dem Politiker und bemühte sich um einen objektiven Blick auf einen Mann, der getrieben ist von Minderwertigkeitskomplexen und ständig um die Anerkennung seines übermächtig scheinenden Vaters buhlt. Natürlich streut Stone auch seine satirischen Spitzen in die Handlung, doch er verzichtet darauf, Bush ins Lächerliche zu ziehen oder ihn als „das Böse“ zu stilisieren. In Rückblenden lernt der Zuschauer einen Mann kennen, der viele Schwächen hat und der immer wieder an den Vorgaben seiner Familie scheitert. Fast könnte er einem sympathisch werden. Im Hier und Jetzt sind wir mit der Handlung kurz vor dem Sturz Saddam Husseins und dem zweiten USA-Feldzug im Irak. Stones Vision der Sitzung, auf der dieser Krieg letztlich beschlossen wurde, mutet sehr realistisch an und zeigt einen Staatschef, dem sein Bauchgefühl über die abgesicherten Fakten geht und der sich nur allzu gerne von Vize Dick Cheney zu einem Krieg überreden lässt. Hinterher gibt er dann den Uniformierten. Letztlich waren es eben wohl doch die wirtschaftlichen Interessen und das Öl, die den Ausschlag gaben. Demokratie und eine gerechte Regierung für die irakische Bevölkerung werden erst zu Zielen, nachdem sich die Massenvernichtungswaffen als Finte erweisen. Stone arbeitet gut heraus, dass Bush zwar an die Macht wollte, sich von Gott in das Amt des Präsidenten berufen fühlte, sich gleichzeitig aber auch immer wieder zur Marionette anderer machen ließ, unfähig selbständig und mit Weitblick zu agieren.
Der Film endet vor der zweiten Amtszeit von George W. Bush und versucht auch keine Erklärung für das Desaster seiner Regierungsbilanz. Die gegen Ende häufig eingebauten echten Dokumentaraufnahmen vom Kriegsgeschehen und öffentlichen Auftritten tragen zum realistischen Gesamteindruck dieser Biographie bei. Oliver Stone erzählt seine Sicht auf „W“ schnörkellos und mit viel bildlicher Symbolik. Getragen von einer ausgezeichneten Besetzung fehlt Stones Film vielleicht etwas die Bissigkeit einer kritischen politischen Betrachtung, dennoch ist seine Aufarbeitung ein sehenswertes Stücks aktueller politischer Zeitgeschichte.
Der Film schaffte es in Deutschland nicht in die Kinos und erschien direkt auf DVD.