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Ein russischer Sommer
The Last Station
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Regie
Michael Hoffman
Drehbuch
Michael Hoffman
Produzenten
Cary Brokaw, Jens Meurer, Michael Hoffman, Bonnie Arnold, Chris Curling
Genre Drama FSK 6 Filmlänge 112 min Land Deutschland, Großbritannien Kinostart 28.01.2010 DVD-Start 01.10.2010 Verleih Warner Bros. Pictures Germany |
Story
Russland 1910: Während die Nation und die Weltpresse Leo Tolstoi als begnadeten Schriftsteller für Werke wie „Krieg und Frieden“ und als humanen Vordenker feiert, herrscht in den vier Wänden seines Landgutes ein Grabenkrieg. Auf der einen Seite seine eifersüchtig über das Familienvermögen wachende Ehefrau Sofia, auf der anderen Seite sein Freund und Mitstreiter Tschertkow, der ganz die Ideen Tolstois lebt und für ein Vererbung der Rechte an dessen Gesamtwerk an das russische Volk eintritt. Ein echtes Minenfeld, in das der neue Sekretär des Autors Walentin unvorbereitet hineingerät. Sowohl Sofia als auch Tschertkow versuchen, ihn für ihre Intrigen einzuspannen. Doch Walentin ist ein glühender Verehrer Tolstois und seiner Lehren über Liebe und Gleichheit. Während der, des öffentlichen Lebens müde Schriftsteller, durch die Abkehr von Luxus und Standesdünkel seine Liebe zu Sofia endgültig auf Spiel setzt, ist Walentin berauscht von den ersten aufkeimenden Gefühlen zu der Lehrerin Mascha.
Schauspieler
James McAvoy, Paul Giamatti, Helen Mirren, Christopher Plummer, Anne-Marie Duff, Kerry Condon, Patrick Kennedy, John Sessions, David Masterson, Tomas Spencer, Nenad Lucic
Filmkritik von Melanie Frommholz
Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi: Einer der größten Schriftsteller der Weltliteratur und ein in sich absolut widersprüchlicher Mensch. An die Regeln, die er aufstellte, hielt er sich selbst nicht unbedingt. Und doch war er für die arme russische Landbevölkerung, die Leibeigenen „Muschiks“, aber auch für viele Adlige ein leuchtendes Vorbild. Seine Ideen von Pazifismus, Armut, alle Menschen verbindender Liebe und Gleichheit, machten ihn in den Augen der herrschenden Kaste suspekt. Seine Anhänger verehrten ihn jedoch wie einen Heiligen.
Mit 20 bereits durch seine großen Bucherfolge berühmt und reich geworden, führte er lange Jahre ein rastloses, ausschweifendes und zügelloses Leben mit Glückspiel, Wein und Weib im Überfluss. Wohl kaum ein Autor seiner Zeit führte so akribisch Tagebuch, so dass wir heute sehr viel über das Leben Tolstois wissen. Für Michael Hoffmann, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent des Films, ist Leo Tolstois „Vorleben“ die Basis seiner Figuren, das Fundament, das er ihnen mitgibt und von dem er sie in diesen letzten Lebensabschnitt Leo Tolstois starten lässt. Für den Zuschauer gibt es ein paar einleitende Worte auf dunklem Hintergrund, um sich in eine Handlung einzufinden, die sich ausschließlich mit dem letzten Lebensjahr des Schriftsteller und russischen Nationalheiligen befasst. Ein Wehmutstropfen, bleibt doch jenen Kinogängern, die sich mit seiner Biographie nicht so genau auskennen, ein abschließender Zugang zu den erzählten Geschehnissen und deren Dimension verwehrt.
„The last Station“ – wie so oft trifft der englische Titel die Aussage des Films im Kern: Es sind Tolstois letzte Monate, die wir hier erleben. Aber auch die finale Auseinandersetzung mit seiner Frau, mit der ihn eine unbändige und tiefe Hass-Liebe verbindet. Sie können nicht mit, aber auch nicht ohne einander. Christopher Plummer und Hellen Mirren fangen in ihrem präsenten Spiel das emotionale Spannungsfeld dieser besonderen, 48 Jahre andauernden Beziehung wunderbar und glaubwürdig ein. Zwischen Wutausbrüchen und Zärtlichkeiten zeigt sich das ganze Können dieser beiden Charaktermimen. Das hochkarätige Ensemble, welches Hoffmann für diese Produktion gewinnen konnte, wird durch Paul Giamatti, Anne-Marie Duff, Kerry Condon und James McAvoy stimmig vervollständigt. James McAvoy erwärmt dabei in seiner Wandlung vom verklemmten Tolstoianer zum gefestigten Mann erneut das Herz und empfiehlt sich mit seiner Authentizität wieder einmal für das Charakterfach.
Sonnendurchflutete, ostdeutsche Wälder und ein altes Herrenhaus bilden den würdigen und optisch ansprechend in Szene gesetzten Rahmen für ein Biopic, das den letzten Monaten im Leben des großen Literaten und Vordenkers Tolstoi in einer Mischung aus Fakten und liebevoller Interpretation nachspürt. Eine Geschichte der großen Emotionen, die auf einen Mann neugierig macht, der so sehr auf der Suche nach dem Sinn in seinem Leben war, dass, als er ihn gefunden hatte, nur der Gedanke zählte, seine Ideen für alle Menschen frei zugänglich zu machen.
Wissenswertes
Der Film basiert auf dem Roman „Tolstojs letztes Jahr“ von Jay Parini.
2010 jährt sich der Tod Tolstois zum 100. Mal.
Bewertungen
| Melanie Frommholz | ![]() |
Auszeichnungen
Golden Globe-Nominierungen
Beste Schauspielerin - Drama (Helen Mirren), Bester Nebendarsteller (Christopher Plummer)
OSCAR-Nominierungen
Beste Hauptdarstellerin (Helen Mirren), Bester Nebendarsteller (Christopher Plummer)
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