Sie küßten und sie schlugen ihn

Les Quatre Cents Coups

Filmplakat Sie küßten und sie schlugen ihn
Regie François Truffaut  Drehbuch François Truffaut, Marcel Moussy  Produzent François Truffaut 
Genre Drama  FSK 12  Filmlänge 95 min
Land Frankreich  Kinostart 22.10.1959  DVD-Start 26.10.2005  Verleih Concorde Film

Story

Paris Ende der 50er Jahre. Der zwölfjährige Antoine Doinel fristet ein unglückliches Dasein. Unverstanden im Elternhaus, zu Unrecht als Sündenbock bestraft vom strengen, überforderten Lehrer in der Schule, schwänzt er eines Tages den Unterricht und genießt auf den Straßen der französischen Metropole eine gewisse Freiheit. Im Kino, wo er der traurigen Realität für ein paar Stunden entfliehen kann oder auf dem Rummelplatz, der einen ganz anderen, unbeschwerten Antoine offenbart. Doch dann sieht er seine Mutter in den Armen eines fremden Mannes. Der Boden wird ihm unter den Füssen weggezogen. Nur einmal noch erlebt er die Führsorge der Mutter, als sie gemeinsam mit dem Stiefvater ins Kino gehen und einen harmonischen Abend verbringen. Doch dann sieht er sich wieder mit Vorwürfen und Ausgrenzung konfrontiert. Haltlos und als Verlierer abgestempelt, streunt er nachts allein durch die Strassen von Paris. Von der Polizei aufgegriffen und wie ein Krimineller behandelt, endet er in einer Besserungsanstalt für verhaltensauffällige Jugendliche. Doch er bricht aus und sucht verzweifelt einen Weg in die Freiheit...

Schauspieler

Sie küßten und sie schlugen ihn Jean-Pierre Léaud, Albert Rémy, Claire Maurier, Guy Decomble, Patrick Auffay, Georges Flamant, Daniel Couturier

Filmkritik von Achim Lay

Achim vergibt 5 von 5 Ms Sie küßten und sie schlugen ihn Das Bild friert ein. Wir sehen das Gesicht des zwölfjährigen Antoine Doinel in Großaufnahme. In diesem Gesicht steht die ganze Geschichte eines filmischen Meisterwerks, des hinreißenden Porträts eines unverstandenen Heranwachsenden geschrieben. Ein unschuldiger Engel, mit der abgründigen Welt der Erwachsenen konfrontiert. Antoine, der immer davon geträumt hatte, einmal mit eigenen Augen das Meer zu sehen, ist am vermeintlichen Ziel seiner Träume angekommen. Und doch starrt er mit leerem Blick auf das Meer hinaus. Gefangen zwischen Land und Wasser, zwischen den Menschen, die ihn nicht verstehen und der Weite des Meeres, das ihm nicht die Freiheit bringen wird.
François Truffaut bewies bereits mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm ein Gespür für die spielerisch-liebevolle Inszenierung einer im Grunde ernsten Thematik. Seine Figuren sind, bei allem ungeschönten Realismus, allen zwischenmenschlichen Enttäuschungen und emotionalen Entbehrungen, nie eindimensional gezeichnet. In brillant fotografierten Bildern, von einer gleichermaßen traurigen wie bezaubernden Musik begleitet, zeigt sich das handwerkliche Talent Truffauts schon in seinem Debütfilm. Besonders die Großaufnahmen des bewundernswert agierenden Jean-Pierre Léaud, die eindrucksvoll gewählten Schauplätze von Paris und das ergreifende Gespräch zwischen Antoine und der Psychologin, nicht im gewohnten Schuss-Gegenschuss-Prinzip, sondern ausschließlich aus dem Blickwinkel der nicht im Bild erscheinenden Frau gefilmt, sind hier hervorzuheben. Truffaut entpuppt sich als Meister der "Mise-en-Scene", der exakten Bildkomposition, Ausleuchtung und Kameraführung in einer Einstellung, wofür der nächtliche Transport Antoines im Polizeiauto, gemeinsam mit Prostituierten und Schwerverbrechern, als Beispiel dienen mag, wenn sich der Junge verzweifelt und mit Tränen in den Augen an die Gitterstäbe des Wagens klammert und auf die grell erleuchteten, aber unerreichbaren Stätten menschlicher Vergnügung starrt. Ergreifend, aber nie sentimental, schildert das stark autobiografisch angehauchte Porträt eines von den Erwachsenen ausgegrenzten Jugendlichen, wie fehlende Wärme und mangelndes Engagement der Eltern und Lehrer das Leben eines Kindes nachhaltig schädigen können. Ästhetisch der Nouvelle Vague verhaftet und dennoch von elegantem Charme, darf der Film zu den unvergänglichen Schätzen der Filmgeschichte gezählt werden!

Wissenswertes

Sie küßten und sie schlugen ihn Der erst 27jährige François Truffaut wurde für seinen Debütfilm mit dem Regiepreis bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet. Er widmete sein Werk seinem Freund und Mentor André Bazin, dem bedeutendsten Filmkritiker Frankreichs, der ihn einst aus dem Jugendgefängnis geholt und bei sich aufgenommen hatte.
Der Film wurde im französischen Original mit englischen Untertiteln gesehen und bewertet.

Auszeichnungen

OSCAR-Nominierungen

Bestes Drehbuch (Original)



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