Geschlossene Gesellschaft – Der Missbrauch an der Odenwaldschule

Regie Luzia Schmid, Regina Schilling  Drehbuch Luzia Schmid, Regina Schilling  Produzent Thomas Kufus 
Genre Dokumentation  Filmlänge 88 min
Land Deutschland  Verleih SWR

Story

Bereits im November 1999 wurde der erste Zeitungsbericht über einen Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule in Hessen bekannt. Die Reaktionen blieben aus - und zwar gänzlich. Zwei Schüler setzten die damalige Schulleitung, den Vorstand der Schule und die Lehrer unter Druck, sie würden an die Öffentlichkeit gehen. Als sie es schließlich taten, geschah: Nichts.
Erst elf Jahre später, im Jahr 2010, brach die Medienflut über die Odenwaldschule herein und das auch nur, weil besagte ehemalige Schüler sich auf die Hinterbeine stellten und gegen ihre ehemalige Anstalt mobil machten...

Filmkritik von Thomas Ays

Tom vergibt 5 von 5 Ms Geschlossene Gesellschaft – Der Missbrauch an der Odenwaldschule Die Anwältinnen, die in diesem Fall ermittelten, zählten mindestens 132 Missbrauchsfälle seit dem Jahr 1969. Allein der langjährige Schulleiter Gerold Becker missbrauchte 86 Jungen, mindestens sechs andere Lehrer zählen außerdem zu den Tätern - die Dunkelziffer liegt vermutlich sehr viel höher. Gerold Becker galt als besonders charismatisch und eindrucksvoll. Ein Betroffener beschreibt ihn als Mann voller Sympathie und jugendlicher Anziehungskraft. Er beriet auch das hessische Kultusministerium in pädagogischen Fragen und galt in ganz Deutschland (!) als einer der bedeutendsten und fortschrittlichsten Lehrer der Republik. Er hielt die Laudatio auf Astrid Lindgren und war bei zahlreichen Diskussionen im Fernsehen mit dabei. Wurde geschätzt, geachtet und von vielen (blind) unterstützt. Gleichzeitig schlich sich Becker jeden Morgen in die Zimmer seiner Schutzbefohlenen und verging sich an ihnen. Die Filmemacherinnen Luzia Schmid und Regina Schilling, die hier sehr genau recherchierten, haben schon recht, wenn sie sagen, dass jene, die es gewusst und es mit angesehen haben, ebenfalls zu den Schuldigen gehören - weil sie schwiegen und sich hinter Loyalität der Schule gegenüber versteckten. Schüler sind zu Schaden gekommen. Man wusste um den Schaden der entsteht und dennoch wurde sich an ihnen vergangen. Immer und immer wieder. Jahrzehntelang. Und niemand sagte etwas. Niemand tat etwas dagegen. Kein Lehrer stellte sich auf die Hinterbeine, rebellierte. Die Odenwaldschule galt über Jahrzehnte als Musterbeispiel einer Schule. Sie war ein Ort, der Schüler, wie Lehrer begeisterte. Wenn man den damaligen Schulleiter Gerold Becker da in Fernsehinterviews von pädagogischen Werten erzählen hört, kann einem wirklich nur schlecht werden.

Wissenswertes

Geschlossene Gesellschaft – Der Missbrauch an der Odenwaldschule "Geschlossene Gesellschaft – Der Missbrauch an der Odenwaldschule" wird das erste Mal am Dienstag, 9. August 2011 um 22.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt.



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