Die Frau die singt

Incendies

Filmplakat Die Frau die singt
Regie Denis Villeneuve  Drehbuch Denis Villeneuve  Produzenten Luc Déry, Kim McCraw 
Genre Drama  FSK 12  Filmlänge 133 min
Land Kanada  Kinostart 23.06.2011  DVD-Start 20.01.2012  Verleih Arsenal Film

Story

Bei der Testamentseröffnung ihrer verstorbenen Mutter erleben die Zwillinge Jeanne und Simon Marwan eine große Überraschung. Notar Lebel, ein guter Freund der Familie, eröffnet ihnen nicht nur die ungewöhnlichen Bestattungswünsche ihrer Mutter, sondern auch deren letzte Bitte. Nawal hat ihren Kindern zwei Umschläge hinterlassen, die sie ihrem Vater und ihrem Bruder übergeben sollen. Zwei Menschen, die sie für tot geglaubt bzw. von deren Existenz sie bislang nichts geahnt hatten. Während Jeanne sofort bereit ist, sich auf die Suche und damit in den Nahen Osten, die Heimat von Nawal, zu begeben, weigert sich Simon zunächst den letzten Willen seiner Mutter zu erfüllen. Er hatte sich, nachdem sie die letzten fünf Jahre ihres Lebens schweigend verbracht hatte, wenigstens eine normale Beerdigung gewünscht. Dennoch lässt auch ihm der Wunsch seiner Mutter keine Ruhe. Zusammen mit dem Notar Lebel tauchen die Zwillinge schließlich tief in die Vergangenheit von Nawal ein und entdecken eine ihnen umbenannte, mutige Frau, deren Schicksal eng mit dem Grauen des Krieges verbunden ist.

Schauspieler

Die Frau die singt Lubna Azabal, Mélissa Désormeaux-Poulin, Maxim Gaudette, Rémy Girard, Abdelghafour Elaaziz, Allen Altman, Mohamed Majd, Nabil Sawalha, Baya Belal

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 5 von 5 Ms Die Frau die singt Krieg ist schrecklich, Krieg ist grausam, Krieg ist unmenschlich. Doch irgendwann können wir das Grauen und das Elend nicht mehr fassen, werden die Opfer zu anonymen Zahlen in einer Statistik. Das, was uns den Schrecken wieder greifbar macht, ihn uns begreifen lässt, ist das einzelne Schicksal. Genau diesen Weg ist der Filmemacher Denis Villeneuve bei seinem neuen Drama „Die Frau die singt“ gegangen. Er erzählt dabei die Geschichte einer Frau aus dem Nahen Osten, die in den Kämpfen zwischen Christen und Moslems zwischen die Fronten gerät und Opfer von Vergewaltigung und Folter wird und die Geschichte ihrer Kinder, die um die Qualen der Mutter nicht wussten und nun auf eine schmerzliche Spurensuche geschickt werden, die letztlich auch ihre Vergangenheit offenbart. Villeneuve, der für das Drehbuch ein Theaterstück adaptierte, hat ein erschütterndes Zeugnis der Grausamkeiten des Kriegs geschaffen. Er pflanzt mit seiner Inszenierung den Schrecken in die Köpfe ohne ihn effekthascherisch auszuwalzen oder optisch zu zelebrieren. Die Spurensuche der Kinder verschmilzt dabei dank einem exzellenten Schnitt perfekt mit der vergangenen Geschichte der Mutter. Immer wieder findet die Kamera eindrückliche Bildausschnitte und Einstellungen, die unterlegt mit einem stimmigen Soundtrack, zu einer beklemmenden Atmosphäre beitragen, die sich tief in uns eingräbt. Dort, wo selbst der treffendste Dialog fehl am Platz wäre, übernimmt die Musik die Aussage. Es wird klar, dass es Villeneuve nicht um die politische Dimension eines Krieges geht, die in „Die Frau die singt“ nicht im Speziellen beleuchtet wird, sondern um die menschliche und emotionale. Sein Film wird so zu einer universellen Aussage, für die er authentische Bilder gefunden hat.

Denis Villeneuve wählt für sein Ende die schlimmste aller möglichen Varianten. „Die Frau sie singt“ zeigt so letztlich zwar sehr deutlich, welche kranken Wege die Grausamkeit des Krieges nehmen kann, der Film muss sich dabei aber auch eine gewisse Konstruiertheit vorwerfen lassen. Die Geschichte von Nawal Marwan berührt uns dennoch auf eine Weise, die noch lange nachhallt. Einen sehr großen Anteil daran haben die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen Lubna Azabal als Nawal und Mélissa Désormeaux-Poulin als ihre Tochter Jeanne. Ihre Präsenz und Authentizität tragen die Handlung zu jeder Zeit. „Die Frau sie singt“ wird so zu einem Film, der noch lange im Gedächtnis bleibt.

Wissenswertes

Die Frau die singt Das Drehbuch basiert auf einem Theaterstück von Wajdi Mouawad.

Auszeichnungen

Die Frau die singt
OSCAR-Nominierungen

Bester ausländischer Film



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