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Der Chef
Un Flic
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Regie
Jean-Pierre Melville
Drehbuch
Jean-Pierre Melville
Produzent
Robert Dorfmann
Genre Krimi FSK 16 Filmlänge 96 min Land Frankreich, Italien Kinostart 16.01.1973 Verleih Columbia Film |
Story
Orkanböen und peitschender Regen sind die stummen Zeugen eines Banküberfalls an der französischen Atlantikküste. Einer der Täter wird angeschossen und ins Krankenhaus eingeliefert. Die anderen drei Gangster wollen mit dem erbeuteten Geld einen noch größeren Coup finanzieren. Simon, Kopf der Gangsterbande und Freund des Pariser Kommissars Coleman, lässt den angeschossenen Komplizen durch seine Geliebte Cathy töten. Da Cathy auch ein Verhältnis zu Coleman unterhält, spitzen sich die Ereignisse zu und treiben einem unvermeintlichen Showdown entgegen, der nichts als Tod und Verzweiflung bereithält.
Schauspieler
Alain Delon, Catherine Deneuve, Richard Crenna, Riccardo Cucciolla, Michael Conrad, Paul Crauchet, Simone Valère, André Pousse, Jean Desailly, Valérie Wilson
Filmkritik von Achim Lay
"Der Chef" ist der letzte Film des ein Jahr später verstorbenen Jean-Pierre Melville. Es ist fraglos ein würdiger Abgang. Melville, der Meister des stilisierten französischen Gangsterfilms, treibt seine radikale Ästhetisierung von Bild und Ton hier auf die Spitze. In formaler Perfektion schildert er mit wenig Action und noch weniger Konversation die Ausführung eines Planes, die Folgen für die Beteiligten und die zwischenmenschliche Bande der Protagonisten. Dabei bleibt Alain Delon, diesmal auf der anderen Seite des Gesetzes, wie schon in "Der eiskalte Engel" und "Vier im roten Kreis" dem Ideal des einsamen, lakonischen (Anti-)Helden treu. Anders als im amerikanischen Film Noir, den Melville neben dem Western als Vorbild für seine Filme bezeichnete, steigert der Franzose den Spannungsbogen, das Tempo und die Action in seinen als "Film polar" bekannten Werken nicht. Weder in den einzelnen Sequenzen, noch im Gesamtbild der Handlung. Vielmehr ist der Zuschauer in der Rolle des distanzierten Betrachters einer an der Realität ausgerichteten Szenerie. Das Stilmittel hierfür sind endlos erscheinende, beinahe in Echtzeit gedrehte Plansequenzen. Melvilles Filme bis ins kleinste Detail durchkomponiert. Als Beleg hierfür mag die akribisch geplante Eingangssequenz dienen. Zentrale Themen sind Freundschaft und Verrat. Die Figuren, fast ausnahmslos Individualisten wie Melville selbst, hegen meist freundschaftlich Bande ausgerechnet ihren Gegenspielern gegenüber. Hier sind es der Chef der Gangsterbande und der ermittelnde Kommissar, die obendrein dieselbe Frau lieben. Aus dieser beinahe Shakespearehaften Situation entwickelt sich eine fatale Geschichte ohne Aussicht auf ein glückliches Ende. Die Professionalität geht den Protagonisten stets über die Freundschaft, die ohnehin stets am seidenen Faden hängt.
Wer Melville nicht kennt, sollte mit seinen früheren Werken "Drei Uhr Nachts" und den bereits erwähnten Meisterwerken der sechziger Jahre beginnen, sich seinem Lebenswerk zu nähern. "Der Chef" ist der perfekte Abschluss seiner Filmografie. Sein Werk ist vollendet, es ist alles gesagt.
