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Elf Uhr Nachts
Pierrot le fou
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Regie
Jean-Luc Godard
Drehbuch
Jean-Luc Godard
Produzent
Georges de Beauregard
Genre Action FSK 16 Filmlänge 110 min Land Frankreich, Italien Kinostart 17.12.1965 DVD-Start 04.09.2008 Verleih Universal Pictures |
Story
Gelangweilt vom Leben mit seiner Ehefrau, führt die Begegnung mit der forschen Marianne Renoir für Ferdinand Griffon zum Ausbruch aus den Normen und Strukturen einer Gesellschaft, die ihm nichts mehr zu bieten hat. Voller Euphorie stürzt er sich in ein Liebesabenteuer mit der scheinbar zerbrechlichen Frau, die ihm aber an Souveränität und Willenskraft überlegen ist. Ihre Flucht aus der Tristesse des Alltäglichen, führt sie auf eine Reise in die Selbsterkenntnis. Doch was sie dort sehen gefällt ihnen nicht. Sie müssen erkennen, dass ihnen nicht nur das nötige Kleingeld fehlt, um ihre hehren Ziele, ein Leben an der Riviera oder gar in Miami Beach, zu erreichen. Vor allem mangelt es ihnen an Stringenz und Engagement. Unfähig, für ihre Träume mit dem nötigen Eifer zu kämpfen, stößt ihre Hoffnung auf Liebe, Glück und Freiheit bald auf Widerstände, denen sich vor allem Marianne mit Gewalt zu entledigen gedenkt...
Schauspieler
Jean-Paul Belmondo, Anna Karina, Graziella Galvani, Roger Dutoit, Dirk Sanders, Hans Meyer, Pascal Aubier, Samuel Fuller
Filmkritik von Achim Lay
"Weißt du wer du bist?" fragt Marianne Renoir ihren Geliebten im letzten Drittel des Films. "Ich bin weiter nichts als ein Fragezeichen", lautet dessen Antwort.
Dieser Dialog ist die Quintessenz des gesamten Werkes von Jean-Luc Godard, der hier wieder einmal die Grenzen des Kinos sprengt und jegliche Form des zuverlässigen Erzählens außer Acht lässt. Sie wissen nicht wer sie sind und auch nicht, was sie vom Leben erwarten. Ferdinand, von Marianne bezeichnenderweise ständig Pierrot gerufen, hat sich selbst auf der Suche nach einem Abenteuer, einer Liebesaffäre, einem Lebensinhalt vollkommen verloren.
Doch nicht nur die Protagonisten, auch der Zuschauer sucht hier gelegentlich nach Halt und Konformität. Als Bildcollage in grellbunten Farben angelegt, entsteht ein Genremix der ungewöhnlichen Art. Die losen Handlungsenden sind nur fragmentarisch aneinandergereiht. Die Zwischenräume werden mit einer Fülle von Zitaten, Figuren, Realitäten, Kuriositäten und Träumen ausgefüllt, die nicht im direkten Zusammenhang mit dem Handlungsstrang des liebenden Pärchens stehen müssen. Godard propagiert nicht nur das Ende der Romantik in einer Konsumgesellschaft, in der die Individualität verloren geht. Sein Film scheint auch das Ende des herkömmlichen Erzählkinos auszurufen. Einem Kino mit einer klassischen Genrezuordnung, seinen Helden und der verträumten Leichtigkeit des Seins sagt er "Adieu". Letztlich beklagt Godard, der immer wieder Bezug auf zeitgeschichtliche Themen wie den Vietnamkrieg in all seiner destruktiven Kraft nimmt, den Verfall von Werten und Hoffnungen. Die Unmöglichkeit von Liebe und Freiheit in Zeiten menschenverachtender Politik, die den Menschen ihre Identität raubt, wie es hier mit Ferdinand geschieht, dessen Verunsicherung gegenüber einer emanzipierten Frau keinen Raum für seine individuellen Wünsche lässt. Belmondos Figur taumelt, in einer Art Parodie auf seine Rolle aus Godards "Außer Atem", von der Schönheit seiner Geliebten geblendet, auf Abgründe zu, denen er nicht mehr gewachsen ist.
Bei allem Respekt vor Godards Oeuvre, seiner Verdienste um die filmästhetischen Neuerungen zu Beginn der 60er Jahre, bleibt dennoch anzumerken, dass er mit den stilistisch innovativen Farbfilmen wie "Elf Uhr Nachts", an die herausragende Qualität seiner frühen Schaffensperiode nicht mehr anzuknüpfen vermochte. Zweifellos stilbildend und provokant, verliert Godard sich allzu sehr in einer selbstverliebten, diskontinuierlichen Erzählform, die vom Publikum nur noch schwer nachvollziehbar ist. Darüber hinaus verliert der Film im heutigen Kontext an politischer Brisanz. Gesellschaftskritisch gesehen, hat der Streifen hingegen nichts an Aktualität eingebüßt und dürfte auf lange Sicht in seiner Aussagekraft zeitlos bleiben.
Nicht unerwähnt bleiben darf die grandiose Vorstellung von Anna Karina. Grazil und verletzlich, stark und ruchlos, verleiht sie der filmischen Schnitzeljagd eine gewisse darstellerische Tiefe.
