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Das Testament des Dr. Cordelier
Le testament du Docteur Cordelier
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Regie
Jean Renoir
Drehbuch
Jean Renoir
Produzent
Jean Renoir
Genre Horror-Psychothriller FSK 12 Filmlänge 92 min Land Frankreich, 1959 DVD-Start 07.07.2005 Verleih e-m-s |
Story
Ein Pariser Vorort wird des Nächtens von einem mysteriösen, äußerst brutalen Mann terrorisiert. Niemand kennt seine Identität. Kinder, Senioren und Gebrechliche sind die bevorzugten Opfer des Sadisten, der die Bewohner des Viertels in Angst und Schrecken versetzt. Als der Notar Joly den Unbekannten eines Nachts verfolgt, sucht dieser Zuflucht im Labor des angesehenen Doktor Cordelier. Der Arzt und Wissenschaftler, der an einem Serum forscht, um die wahre Natur des Menschen zu ergründen, berichtet Joly von seinem Versuchsobjekt, einem gewissen Opale. Als dieser Opale kurz darauf einen unschuldigen Mann zu Tode prügelt, ergründet Joly das wahrhaft teuflische Geheimnis hinter Cordeliers Experimenten…
Schauspieler
Jean-Louis Barrault, Teddy Bilis, Michel Vitold, Jaques Danoville, Jean-Pierre Granval, André Certes, Madeleine Marion, Ghislaine Dumont
Filmkritik von Achim Lay
Frankreichs Regielegende Jean Renoir schuf mit diesem Alterswerk eine neuerliche Variante der Geschichte "Dr. Jekyll & Mr. Hyde". Die düstere Story um das Doppelleben des Arztes, der mangels Alternativen in einem Selbstversuch die Wirkung seines Elixiers testet, kann naturgemäß sein Herstellungsjahr nicht verleugnen und büßt dementsprechend nach heutigen Maßstäben etwas an Spannung ein. Dennoch wird bei genauerer Betrachtung deutlich, dass mit Renoir ein Meister seines Fachs am Werk war. So wirkt die Atmosphäre auf den nächtlichen Straßen bedrohlich und ist von billigen Effekten weit entfernt. Jean-Louis Barrault, schon als Dr. Cordelier absolut überzeugend, verpasst einem eine gehörige Gänsehaut, wenn er als durch und durch böser "Opale" mit Brutalität und Sadismus gerade gegen die Schwachen und Wehrlosen zu Felde zieht. Doch Renoirs Film ist nicht nur ein handwerklich perfekter Horrorfilm. Vielmehr verbirgt sich hinter der spannenden Handlung eine Kritik an den manipulativen Experimenten der Wissenschaft, die in mancher Hinsicht zu weit geht und dabei, wie wir heute wissen, mit teils fragwürdigen Methoden vorgeht. Weitaus interessanter ist sogar die Charakterisierung der beiden von Barrault verkörperten Wesen. Auf der einen Seite entpuppt sich der gesellschaftlich angesehene Arzt als verbitterter Mensch, der sich an unschuldigen Patientinnen vergeht, um seine Unfähigkeit zu intimen Beziehungen zu verschleiern.
Dem gegenüber präsentiert uns Renoir mit Opale einen gewissenlosen Mörder, der ohne jegliches Mitleid, aber mit dem größten Vergnügen gegen seine Opfer vorgeht und dies, gerade weil sein eigentliches "Ich" jahrelang seine Triebe unterdrücken musste. Die Ambivalenz der Botschaft ist ebenso interessant wie besorgniserregend.
Wer sich vor Schwarz/Weiß- Filmen nicht scheut, sollte sich Renoirs für das französische Fernsehen gedrehten Streifen unbedingt ansehen!
