Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte

Capitalism: A Love Story

Filmplakat Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte
Regie Michael Moore  Drehbuch Michael Moore  Produzenten Anne Moore, Michael Moore 
Genre Dokumentation  FSK Filmlänge 127 min
Land USA  Kinostart 12.11.2009  DVD-Start 08.04.2010  Blu-ray-Start 03.02.2011  Verleih Concorde Film

Story

2008 platze in den USA die so genannte Immobilienblase und löste die heftigste Weltwirtschaftkrise aus, die wie seit den 1950er Jahren hatten. Anlass genug für den bekannten Dokumentarfilmer Michael Moore den Ursachen für die Krise auf den Grund zu gehen, deren Auswirkungen zu beleuchten und den Kapitalismus generell zu hinterfragen. Und die kritische Frage zu stellen, warum der amerikanische Staat mit Steuergeldern ausgerechnet für die Institutionen einen finanziellen Rettungsschirm aufspannte, die doch für diese Krise zumindest mitverantwortlich sind…

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 5 von 5 Ms Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte Mit „Roger & me“ startet Michael Moore 1989 seine Karriere als Dokumentarfilmer. Damals interessierte ihn die enorme Streichung von Jobs in der amerikanischen Autoindustrie. Seither hat Michael Moore noch so einiges kritisch beleuchtet und darüber Filme gedreht. „Bowling for Columbine“ hinterfragte die Waffengesetze und die Industrie, die dahinter steht, „Fahrenheit 9/11“ beschäftigte sich mit der Politik gegen den Terror und „Sicko“ legte den Finger in die offene Wunde beim Thema öffentliche Gesundheitsversorgung. Für die einen ist Michael Moore mit seinen Filmen zum Gewissen Amerikas geworden, für die anderen ist er ein manipulativer Tatsachenverdreher. Eines ist Michael Moore in jedem Fall nicht: Objektiv. Und er macht aus dieser Tatsache auch kein Geheimnis. Seine Filme zeigen die Dinge, wie er sie versteht, oder eben auch nicht versteht. Gespickt mit bissigem Humor und Ironie. So ist denn auch sein neuster Streich „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“, der sich wie der Titel schon sagt, kritisch mit den für jedermann mittlerweile spürbaren Auswirkungen des Kapitalismus beschäftigt, auch wieder keine ausgewogene Beschäftigung mit den Fakten geworden sondern eine, alle Stilmittel nutzende Provokation. Doch selbst wenn man Michael Moore und seiner Art und Weise der filmischen Faktenaufbereitung nicht so aufgeschlossen gegenübersteht, kommt man bei seinen Ausführungen ins Grübeln. Gehören Firmen, die Lebensversicherungen für ihre Mitarbeiter abschließen, diese „Tote Bauern-Versicherung“ nennen, und bei Tod des Mitarbeiters mehrer Millionen Dollar kassieren in eine Gesellschaft, in der es sich lohnt zu leben? Will ich für eine Firma arbeiten, der ich tot mehr wert bin als lebend? Nur eine Facette des Kapitalismus, der Michael Moore sich annimmt. Natürlich ergreift Moore auch in dieser Dokumentation wieder Partei, und natürlich sind seine Schlussfolgerungen immer schön passend, dennoch kann man sich seiner Logik zumindest in Teilen nicht entziehen. Wenn Michael Moore am Ende ein gelbes Absperrband um die Wallstreet zieht und darum bittet sich ihm in seinem Kampf für mehr Demokratie anzuschließen, dann hat er einen vielleicht nicht überzeugt, aber zumindest wachgerüttelt. Und ein bisschen dankbar gemacht, dass wir hier in Deutschland viele Errungenschaften der Demokratie für selbstverständlich nehmen, die im Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheinbar nur einem kleine Grüppchen Reicher vorbehalten sind. Michael Moore bricht eine Lanze für Werte jenseits von Gier und Profitsucht und zeigt auf, dass Veränderungen im Kleinen eine große Wirkung haben können. Alleine für den Mut und die Unnachgiebigkeit immer wieder kritisch nachzufragen hat sein Film Aufmerksamkeit verdient.

Wissenswertes

Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte "Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" gewann 2009 den kleinen Goldenen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig.



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