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Regie
Oskar Roehler
Drehbuch
Klaus Richter
Produzenten
Franz Novotny, Markus Zimmer
Genre Drama FSK 12 Filmlänge 120 min Land Deutschland, Österreich Kinostart 23.09.2010 DVD-Start 14.04.2011 Verleih Concorde Film |
Berlin 1939: Der nur mäßig erfolgreiche Schauspieler Ferdinand Marian wird von Joseph Goebbels für die Titelrolle in dem Propagandafilm „Jud Süß“ von Veit Harlan vorgeschlagen. Obwohl dieses Engagement eine einmalige Karrierechance für Marian darstellt, zögert er die Rolle anzunehmen und lehnt sie letztlich sogar ab. Die Einsprüche seiner Frau, selbst zum Teil jüdischer Abstammung, und die Sorge, zukünftig nur noch den Juden mimen zu können, ließen ihn diese Entscheidung fällen. Die Rechnung hat er jedoch ohne Minister Goebbels gemacht, der Marians Absage selbstredend nicht akzeptiert und ihm letztlich keine andere Möglichkeit lässt, als den „Jud Süß“ tatsächlich zu spielen. Wie erwartet feiert der Propagandafilm internationalen Erfolg und lässt Marian zum gefeierten Schauspieler avancieren. Doch das Glück ist ihm nur kurze Zeit hold…
Tobias Moretti, Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Erika Marozsán, Robert Stadlober, Armin Rohde, Elke Winkens, Justus von Dohnanyi, Ralf Bauer, August Zirner, Heribert Sasse, Paula Kalenberg, Martin Butzke, Rolf Zacher
Oskar Roehler ist schon seit jeher als polarisierender Filmemacher bekannt. Er liebt es mit seinen Filmen Diskussionen zu entfachen und Grenzen anzugreifen. So kontrovers wie „Jud Süss - Film ohne Gewissen“ wurde bislang jedoch noch kein Film Roehlers diskutiert. Bereits lange vor Kinostart konnte man der nationalen Presse die Schreckensmeldungen von der Berlinale entnehmen: Buhrufe habe es gehagelt, mit „pfui“ wurden so einige Szenen des Films umschrieben. Und in der Tat: Oskar Roehler begibt sich mit seinem „Jud Süss - Film ohne Gewissen“ auf überaus fragwürdiges Terrain. Die Frage „Darf man das?“ prangt angesichts der recht freien historischen Auslegung Roehlers und der ein oder anderen geschmacklosen Auseinandersetzung mit der Thematik groß im Raum. Zweifelsfrei trifft Roehler seinen (deutschen) Zuschauer genau da, wo es offensichtlich noch immer weh tut. Schade ist das durchaus, könnte man doch annehmen, dass die Vergangenheit nun allmählich bewältigt sein sollte. Die Reaktionen auf „Jud Süss - Film ohne Gewissen“ beweisen jedoch - mitsamt den Buhrufen auf der Berlinale, den Empörungen in der Presse und nicht zuletzt dem Zuschauer, der sich angesichts Roehlers Abhandlung der Entstehung des Propagandafilms „Jud Süß“ doch ein wenig auf den Schlips getreten fühlt – dass dem nicht so ist. Doch Oskar Roehler hat es bereits groß angekündigt und die Gebrauchsanweisung für den Rezipienten gleich im Titel mitgeliefert: „Film ohne Gewissen“.
Auf rein inhaltlicher Ebene lässt sich die (politische) Diskussion über Recht und Unrecht des Filmes sicherlich noch lange fortsetzen. Zu den rein inhaltlichen Kritikpunkten, gesellen sich jedoch noch einige stilistische. Leider gelingt es Roehler auch nicht durch sonderlich kunstvolle Inszenierungsansätze oder eine besondere Ästhetik zu überzeugen. Der Plot läuft mechanisch ab. Roehler komponiert die Ereignisse streng und geradlinig. Er nimmt seinen Plot ernst und drückt dies durch eine ebenso ernste Komposition der Bilder aus. Indem die Inszenierung die Strenge der Geschichte widerspiegelt, erscheint sein „Jud Süss – Film ohne Gewissen“ als reichlich zähes Machwerk, das leider nur durch seine kontroverse Abhandlung eines Teils der deutschen Vergangenheit auf sich aufmerksam machen kann. Zudem übersteigern die meisten der Schauspieler ihre Rolle gnadenlos. Vor allem Moritz Bleibtreu als wild gestikulierender Goebbels muss sich die Kritik einer größten Teils misslungenen Interpretation seiner Rolle gefallen lassen. Was bleibt ist daher nicht nur ein bitterer, sondern auch ein fader Nachgeschmack.
Der Film ist inspiriert durch “Ich war Jud Süß – Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian” von Prof. Friedrich Knilli (Henschel Verlag, Berlin 2000).
Die Alliierten hatten Veit Harlans Propagandafilm "Jud Süß" auf eine Verbotsliste gesetzt. Heute wird die öffentliche Aufführung von "Jud Süß" in Deutschland nur mit einem begleitenden Kommentar und unter strengen Auflagen gestattet. Der Vertrieb des Filmes ist deutschlandweit untersagt.
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