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Mahler auf der Couch
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Regie
Percy Adlon, Felix Adlon
Drehbuch
Percy Adlon, Felix Adlon
Produzenten
Eleonore Adlon, Burkhard Ernst, Konstantin Seitz
Genre Biopic FSK 12 Filmlänge 105 min Land Österreich, Deutschland Kinostart 07.07.2010 DVD-Start 20.01.2011 Verleih Kinowelt |
Story
Komponist und Dirigent Gustav Mahler ist außer sich. Durch Zufall hat er erfahren, dass seine junge Frau Alma eine heiße Liebesaffäre mit dem Architekten Walter Gropius hat. Ein Brief, für Alma bestimmt, aber an Mahler adressiert, ist der deutliche Beweis. Rasend vor Eifersucht ist der geniale Musiker nicht mehr in der Lage zu arbeiten und sucht im Sommer 1910 Hilfe bei Sigmund Freud. Freud zwingt Mahler sich mit seiner Ehe auseinanderzusetzen und sich seinen eigenen Fehlern und Versäumnissen zu stellen.
Schauspieler
Johannes Silberschneider, Barbara Romaner, Karl Markovics, Friedrich Mücke, Eva Mattes, Lena Stolze, Nina Berten, Michael Dangl, Matthias Franz Stein
Filmkritik von Melanie Frommholz
Komponist, Dirigent, Operndirektor, Musikgenie: Gustav Mahler war ein Wegbereiter der Musik aus der Spätromantik hin zur Moderne und ein Star seiner Zeit. Am 18.05.2011 jährt sich sein Todestag zum 100. Mal. Anlass für die Mahler-Fans Percy und Felix Adlon dem Musiker einen Film zu widmen. Vater und Sohn wollten kein typisches Biopic drehen und suchten nach einem Aufhänger, den sie in der Ehekrise Mahlers und seinem damit verbundenen Besuch bei Psychoanalytiker Sigmund Freud fanden. Es ist zwar nicht belegt, was die beiden Männer besprachen, aber ihr Treffen ist verbrieft. Gustav Mahler wurde vom Ehebruch seiner wesentlich jüngeren Frau Alma mit Walter Gropius derart aus der Bahn geworfen, dass er nicht mehr arbeiten konnte. Hilfe erhoffte er sich von Freud, der ihn, zumindest im Film, auf die Couch legt und mit ihm seine Ehe analysiert. Percy und Felix Adlon inszenieren diese Gespräche, die den Rahmen für Rückblenden in die Ehegeschichte von Gustav und Alma bilden, als amüsante und humoristisch gebrochene Passagen, die vom Spiel der beiden Darsteller Johannes Silberschneider als Mahler und Karl Markovics als Freud leben. Im Vergleich zu den weich gezeichneten Gesprächsszenen, muten die Rückblenden fast schon dokumentarisch an. Ein Eindruck, der sich dadurch verstärkt, dass sich Freunde, Familie und Kontrahenten Mahlers mit ihren Einschätzungen der Beziehung teils direkt an den Zuschauer wenden. Stück für Stück entsteht so die Geschichte zweier von der Musik beherrschter Menschen, die zu ihrer Zeit im Zentrum des öffentlichen Interesses standen. Alma war Mahlers Muse, seine Geliebte und Freundin. Sein Zentralpunkt. Dennoch verbot er ihr selbst als Künstlerin zu arbeiten. Alma, ihrer Zeit in ihren Einstellungen voraus, ließ sich dies lange gefallen, wollte dadurch Teil von Mahlers Genie sein, hielt es jedoch irgendwann nicht mehr aus von ihm klein gehalten zu werden. Symbolhafte Szenerien, die an Theaterkulissen erinnern und theatralische Dialoge verdeutlichen zwar die emotionsgeladenen Aspekte dieser Geschichte, nehmen dem Film jedoch auch häufig die Leichtigkeit.
Auch wenn die Inszenierung von „Mahler auf der Couch“ einen nicht durchgängig einnimmt, die Darsteller tun es. Insbesondere Barbara Romaner agiert als Alma als emotionale Naturgewalt mit unglaublicher Präsenz. Aber auch Johannes Silberschneider, Friedrich Mücke und Karl Markovics gehen ganz in ihren Rollen auf und erweisen sich als starke Besetzung.
Gustav Mahlers schillerndes Leben in nur einen Film zu pressen ist sicherlich ein Ding der Unmöglichkeit. Um ihn als Person dem Zuschauer jenseits seiner Musik jedoch näher zu bringen wäre eine klassische Biopic-Inszenierung sicherlich förderlich gewesen. So ist man hin und her gerissen zwischen unterhalten, beeindruckt und angestrengt und fühlt sich von der geballten Emotion, die aus vielen Szenen spricht, ab und an schlicht überrollt.
"Mahler auf der Couch" ist das erste Vater-Sohn-Regieprojekt von Percy und Felix Adlon.
