Baarìa

Filmplakat Baarìa
Regie Giuseppe Tornatore  Drehbuch Giuseppe Tornatore  Produzenten Tarak Ben Ammar, Marina Berlusconi 
Genre Tragik-Komödie  FSK 12  Filmlänge 150 min
Land Italien, Frankreich  Kinostart 29.04.2010  DVD-Start 09.09.2010  Verleih Tobis

Story

Peppino Torrenuova ist ein junger Mann, der noch etwas vom Leben erwartet. Der Sohn eines Schafshirten erkämpft sich nicht nur die Liebe der schönen Mannina, sondern wird auch in seinem kleinen sizilianischen Heimatort Baarìa zu einer der treibenden Kräfte der kommunistischen Partei. Peppino politisches Engagement öffnet seinen Horizont, ist den Eltern seiner Angebeteten jedoch ein Dorn im Augen. Doch Peppino ist keiner der aufgibt. Zusammen mit Mannina kämpft er sich durch die stürmischen Zeiten seines Lebens und seiner Karriere.

Schauspieler

Baarìa Francesco Scianna, Margareth Madè, Raoul Bova, Michele Placido, Ángela Molina, Giorgio Faletti, Laura Chiatti, Enrico Lo Verso, Nicole Grimaudo, Luigi Lo Cascio, Enrico Lo Verso, Nino Frassica

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 2 von 5 Ms Baarìa Mit „Baarìa“ nimmt sich Regisseur und Drehbuchautor Giuseppe Tornatore ehrgeizig vor nicht nur eine fünfzig Jahre umspannende Familiengeschichte zu erzählen, sondern gleichzeitig auch die Geschichte der kleine Ortschaft Baarìa und der italienischen Provinz Sizilien. Beginnend in den 1930er Jahren schreitet Tornatore dabei hastig voran und lässt weder der Handlung noch den Figuren Zeit sich zu entwickeln. Immer wieder springt die Geschichte gerade zu den Zeitpunkten, die eigentlich noch nach einer Fortführung, einer näheren Betrachtung, verlangen. Neben der Familiensaga erscheinen politische Strömungen und Entwicklungen als Motor der Geschichte, doch werden diese vom Filmemacher lediglich angerissen und bleiben als Fragment oft nicht nachvollziehbar. Kommunisten gegen Faschisten. Landarbeiter gegen Mafia: Giuseppe Tornatore hat für alle Konflikte nur Andeutungen und diffuse Erklärungen parat und holt damit insbesondere die Zuschauer nicht ab, die in italienischer Zeitgeschichte nicht umfassend bewandert sind.

Tornatores geschichtliche Zeitreise ist nur eine der zwei großen Themen die „Baarìa“ beherrschen. Ein weiterer Dreh- und Angelpunkt ist die Familiensaga und der Aufstieg des Schafhirten Peppino zum Politiker. Leider hat Giuseppe Tornatore hier wenig mehr zu bieten als die üblichen Bilder hitzköpfiger, diskutierender Italiener, die gerne gut essen. „Baarìa“ hält zu wenig inne, beleuchtet seine Charaktere zu oberflächlich, als dass deren persönliches Schicksal sonderlich berührt. Tornatores Kernaussage „Die Familie hält immer zusammen“ haben wir einfach schon besser verpackt gesehen. Es wirkt so, als habe der Filmemacher Angst sich dem Kern der Dinge konsequent zu nähern. Den Konflikten ernsthaft nachzuspüren. Selbst bittere Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit wirken bei ihm noch adrett in Szene gesetzt.

Wenn Giuseppe Tornatore am Ende des Films seine ganze Handlung noch einmal in Frage stellt, sie zwischen Traum und Wirklichkeit rückt, erscheinen selbst die spärlich getroffenen Aussagen wieder fraglich. Unter all der hübschen nostalgischen Patina erweist sich „Baarìa“ leider als nichts weiter als viel heiße Luft. Fehlende starke Dialoge bieten auch den guten Darstellern wenig Möglichkeit dem Film mehr Substanz zu geben. „Baarìa“ versprach eine starke italienische Familiensage zu werden und bleibt doch trotz zweieinhalb Stunden Länge nichts weiter als eine ständige oberflächliche Ankündigung selbiger.

Wissenswertes

Baarìa "Baarìa", der als offizieller Wettbewerbsbeitrag am 2. September 2009 seine Weltpremiere auf dem Lido feierte, ist nach zwei Jahrzehnten der erste italienische Eröffnungsfilm des Festivals und eine der teuersten italienischen Produktionen der letzten Jahre.

Auszeichnungen

Baarìa
Golden Globe-Nominierungen

Bester ausländischer Film



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