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Die zwei Leben des Daniel Shore
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Regie
Michael Dreher
Drehbuch
Michael Dreher
Produzenten
Rüdiger Heinze; Rainer Kölmel, Karim Debbagh
Genre Drama FSK 12 Filmlänge 95 min Land Deutschland, Marokko Kinostart 11.02.2010 DVD-Start 18.11.2010 Verleih Kinowelt |
Story
Der Deutsch-Amerikaner Daniel Shore macht in Marokko im luxuriösen Haus eines Freundes Urlaub. Er genießt das faule Leben, die Sonne, das Meer und die schönen Frauen. Vor allem die schöne Marokkanerin Imane hat es Daniel angetan, und bald schon zieht sie mit ihrem Sohn bei ihm ein. Doch dann wird der kleine Junge ermordet – Daniel sieht seinen blutüberströmten Körper auf dem harten Betonboden liegen und muss mit ansehen, wie seine Geliebte komplett zusammenbricht. Er kann nichts tun und geht kurz darauf wieder nach Deutschland zurück. Dort zieht der Student in das alte Mietshaus seiner verstorbenen Großmutter und muss bald schon feststellen, dass seine Mitbewohner von skurril bis verschroben so ziemlich alles abdecken. Eigentlich möchte Daniel nur in Ruhe seine Doktorarbeit schreiben, doch weder die ehemalige Haushälterin Kowalski, noch die junge Sängerin Elli oder der seltsame Bankangestellte Feige lassen ihm seine Privatsphäre.
Die Erinnerungen an das, was in Marokko geschehen ist, lassen Daniel aber auch in Deutschland nicht los, die Bilder der schrecklichen Ereignisse überlagern mehr und mehr die Wirklichkeit. Bald schon kann der Student nicht mehr zwischen Phantasie und Wirklichkeit unterscheiden. Doch dann bietet sich ihm die Chance, einen Jungen zu retten, der sich anscheinend in großer Gefahr befindet. Für Daniel ist klar, dass er keinesfalls nochmals versagen darf…
Schauspieler
Nikolai Kinski, Katharina Schüttler, Morjana Alaoui, Sean Gullette, Judith Engel, Matthias Matschke
Filmkritik von Stefanie Rufle
In seinem Kinodebüt „Die zwei Leben des Daniel Shore“ erzählt Regisseur Michael Dreher eine Film-im-Film-Geschichte und liefert damit einen mutigen und außergewöhnlichen Film ab. Mutig vor allem deswegen, da ein Psychothriller in deutschen Landen ja nicht an der Tagesordnung ist. Schon der Beginn des Films zeigt, dass man sich hier auf einiges gefasst machen muss: Ein blutüberströmter Junge liegt auf einer Terrasse, während die Kamera den Sturz vom Dach für die Blicke des Zuschauers verfolgt. Die Musik kreischt und die hysterische Mutter bricht komplett zusammen. Keine leichte Kost also. Erst allmählich wird einem auch klar, dass der Film in Rückblenden Daniel Shores Leben in Marokko erzählt, denn mit dem Mord an dem kleinen Jungen ist dieses quasi schon vorbei. Der schnelle Wechsel zwischen Marokko und Daniels Leben in Deutschland ist zunächst gewöhnungsbedürftig, bekommt aber im Verlauf des Films eine immer größere Berechtigung. Vor allem der Kontrast zwischen dem sonnendurchfluteten und farbenfrohen Marokko und dem tristen und finsteren Haus in Deutschland ist sehr aussagekräftig, denn mehr und mehr wird deutlich, wie sehr die Grenzen zwischen Realität und Einbildung für den Protagonisten allmählich verschwimmen.
Die Darstellung Nikolai Kinskis ist hierbei nur als grandios zu bezeichnen. Paranoia, Beklemmung, Schuldgefühle und Angst vereint er derart überzeugend, dass man ihm einfach folgen muss. Auch Katharina Schüttler als sexuell verstörte aufdringliche Nachbarin ist für diesen Film eine wahre Traumbesetzung. Die Kamera muss ebenfalls lobend erwähnt werden, tragen doch die finsteren Gänge, die klaustrophobischen Bilder noch zur Beklemmung bei, die dieser Psychothriller hervorruft. Auch wenn die verschachtelte Erzählweise dieser Geschichte den Zuschauer hin und wieder beinahe überfordert, und der Film insgesamt manchmal zu konstruiert wirkt, kann man doch nicht umhin, sich der Faszination der Geschehnisse hinzugeben. Am Ende bleibt die Frage, was denn nun eigentlich die zwei Leben des Daniel Shore sind, denn genau damit spielt der Film permanent.
„Die zwei Leben des Daniel Shore“ ist, vielleicht gerade wegen einiger Unebenheiten, ein hoch spannender und bedrückender Psychothriller, der am Ende einige Fragen offen lässt.
Regisseur Michael Dreher ist Absolvent der Münchner Filmhochschule und überzeugte bereits mit seinem international preisgekrönten Kurzfilm „Fair Trade“, der ebenfalls in Marokko spielt.