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Sin Nombre
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Regie
Cary Fukunaga
Drehbuch
Cary Fukunaga
Produzent
Amy Kaufman
Genre Drama FSK 16 Filmlänge 96 min Land Mexiko, USA Kinostart 29.04.2010 DVD-Start 28.10.2010 Verleih Prokino |
Story
Der Süden von Amerika ist Armut, Hoffnungslosigkeit und Gewalt. Der 18jährige Willy (genannt El Caspar) erlebt das Tag für Tag in seiner Heimat Mexiko. Als Mitglied der stärksten Gang in Tapachula, der Mara Salvatrucha, erledigt er Botengänge für die Gangbosse und rekrutiert neue Mitglieder. Doch sein Herz schlägt längst nicht mehr für die Gang, die „Familie“. Caspar liebt Martha Marlene, ein Mädchen aus der Innenstadt. Als der Ganganführer Lil’ Mago davon Wind bekommt, wird das Eis dünn für Caspar und er muss letztlich fliehen…
Sayra kommt aus Honduras und ist mit ihrem Vater und ihrem Onkel auf der Flucht nach Amerika. Dort hofft sie auf ein besseres Leben. Doch der Weg nach Norden ist weit und voller Gefahren. Sayra und Caspar treffen sich unter widrigen Umständen und doch verbindet sie die Hoffnung auf ein besseres Leben und die Freiheit. Ein starkes Band, durch das Schicksal geschmiedet und dennoch nicht für die Ewigkeit. Oder etwas doch?
Schauspieler
Édgar Flores, Paulina Gaitan, Diana Garcia, Kristian Ferrer, Tenoch Huerta, Gerardo Taracena, Luis Fernando Peña, Guillermo Villegas
Filmkritik von Melanie Frommholz
Der Trailer zu „Sin Nombre“ ließ eine klassische Romeo und Julia Geschichte erwarten. Doch Jungfilmemacher Cary Fukunaga betritt nicht jene ausgetretenen Klischeepfade, sondern überrascht in seinem Langfilmdebüt durch einer authentische, konsequent erzählte Geschichte, die weit mehr ist als eine bloße Liebesgeschichte. Jenseits einer politischen oder moralischen Wertung erzählt er die Geschichte zweiter Menschen, die in Südamerika nichts Ungewöhnliches sind. Fukunaga verbindet mit seinem Film zwei der großen Problemfelder, die dieser Teil von Amerika hat: Gewalt und Armut. Die daraus resultierende Verzweiflung prägt das Leben der Menschen. Auf der Suche nach Alternativen scheint es nicht viele Auswahlmöglichkeiten zu geben. Zum einem ist da die Mara Salvatrucha. Für viele nicht nur Familienersatz, sondern auch die gefährlichste Gang der Welt. Sie bietet, konsequent die staatliche Autorität untergrabend, Sicherheit und Rückendeckung, fordert dafür aber Verbrechen und Mord. Wer das brutale Aufnahmenritual übersteht – 13 Sekunden von der Gang verprügelt zu werden und einen Menschen zu töten – der steigt nicht wieder aus. Ob er will oder nicht. Cary Fukunaga vereint in den Figuren Caspar und Smily gekonnt die Hoffnungen und Ängste, die diese bedingungslose Gefolgschaft mit sich bringt. Auf der anderen Seite haben wir Sayra, die für jene Gruppe steht, die in die Flucht in die Vereinigten Staaten alle Hoffnungen auf den Beginn eines besseren Lebens setzen.
Sayra und Caspars Reise ist aufgrund ihrer jeweiligen Lebensumstände schwierig und ihr erstes Aufeinandertreffen dramatisch. Dennoch gelingt es Fukunaga auch im weiteren Verlauf der Handlung realitätsnah und wahrhaftig zu bleiben. Nicht zuletzt dank des eindringlichen Spiels der beiden Hauptdarsteller Édgar Flores und Paulina Gaitan gelingt ihm ein Film, der den Finger zwar in die Wunden Südamerikas legt, zugleich aber auch den unbändigen Wunsch vermittelt, weiter hoffen zu dürfen: Auf ein besseres Leben, auf Liebe, auf die Freiheit. Getragen von wundervollen und teils auch erschütternden Bildern sowie einer unaufdringlichen Musik bringt uns „Sin Nombre“ ein Stück Südamerika nach Europa. Ein bewegendes Roadmovie, das man gesehen haben sollte.
Wissenswertes
Schätzungsweise 100.000 Mitglieder hat die Mara Salvatrucha weltweit. Die Gang ist streng militärisch organisiert und hat mittlerweile der Mafia und der Camorra den Rang abgelaufen. Die Organisation entstand in den 1980er-Jahren, auch wenn ihre Wurzeln im San Salvador der 1960er-Jahre zu suchen ist.
Filmemacher Cary Fukunaga wurde beim Sundance Filmfestival mit dem Regiepreis ausgezeichnet.
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