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Der Seewolf (TV)
The Sea Wolf
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Regie
Mike Barker
Drehbuch
NigelWilliams, Jack London
Produzenten
Dr. Herbert Kloiber, Rikolt von Gagern
Genre Abenteuer FSK 12 Filmlänge 174 min Land Deutschland, 2009 DVD-Start 05.11.2009 Verleih ZDF |
Story
Humphrey van Weyden, Mitte Dreißig, hat durch ererbtes Geld ein gutes Auskommen. Als Literaturkritiker hat er es zu einigem Ansehen in der Gesellschaft gebracht. Sein Leben verläuft in ruhigen und unaufgeregten Bahnen, als er auf einer Seereise durch ein Unglück über Bord geht und als Schiffsbrüchiger an Bord des Robbenfängers „Ghost“ kommt. Hier führt der grausame Kapitän Wolf Larsen ein unerbittliches Regiment. Aus einer Laune heraus zwingt er Humphrey, an Bord zu bleiben und findet fortan eine zynische Freude daran, den Schöngeist mit der brutalen Rauheit des wahren Lebens zu konfrontieren. Van Weyden, zunächst abgestoßen von der menschenverachtenden Einstellung Larsens, beginnt mit der Zeit immer mehr, den verweichlichten Gentleman abzulegen und seine innere Stärke zu entdecken. Außerdem ist er zunehmend fasziniert von der Mischung aus autodidaktischem Genie und tierischen Instinkthandlungen, die Wolf Larsen in sich zu vereinen scheint. Als Larsen mit der schöne Schriftstellerin Maud Brewster eine weitere Schiffsbrüchige an Bord nimmt, kommt es zum erbitterten Kampf zwischen den beiden unterschiedlichen Männern um die junge Frau...
Schauspieler
Sebastian Koch, Stephen Campbell-Moore, Neve Campbell, Tim Roth, Vinzenz Kiefer, Julian Richings, Andrew R. Jackson, Peter MacNeill, Tobias Schenke
Filmkritik von Melanie Frommholz
40 Jahre ist es her, seit die Verfilmung des Abenteuerklassikers von Jack London mit Raimund Harmstorf in der Hauptrolle des Seewolfes Larsen die Menschen vor die Bildschirme bannte. 2009 trat Sebastian Koch das Erbe Harmstorfs an. Die Neuverfilmung besticht durch eine bildgewaltige Inszenierung. Die Macher haben es verstanden, Jack Londons „Ghost“ authentisch und beeindruckend erneut zum Leben zu erwecken. Wenn der Schoner im Sturm den Gezeiten trotzt, kann man sich vorstellen, was Crew und Cast für die Dreharbeiten auf sich genommen haben. Doch eine überzeugende Optik und Ausstattung sind bekanntlich nur die halbe Miete. Insbesondere, wenn die Romanvorlage, wie in diesem Fall überwiegend von der Auseinandersetzung zweier so gegensätzlicher Figuren lebt wie Wolf Larsen und Humphrey van Weyden.
Regisseur Mike Barker und sein Team vertrauten mehr der Abenteuerseite als der philosophisch-gesellschaftskritischen von Jack Londons „Der Seewolf“ und so wird der Kampf zwischen Wolf Larsen und seinem Bruder „Death“ gleich zu Beginn eingeführt und noch verschärft, in dem die junge Maud Brewster nicht mit einem Postdampfer unterwegs ist, sondern bei Death an Bord geht. Death Larsens Part, schaurig gut ausgefüllt von Tim Roth, wird dadurch ungleich größer als in der Romanvorlage. Scheinbar unbedeutende dramaturgische Änderungen, die dem Medium Film geschuldet Sinn machen und zur Spannung von Beginn an beitragen. Leider gehen die Änderungen auch dort weiter, wo die Romanvorlage ihre starken Seiten hat. Van Weydens Weg auf der „Ghost“ erscheint gerafft und um viele Momente und Auseinandersetzungen mit Larsen gekürzt. Da er, anders als im Buch, nicht die Funktion des Ich-Erzählers einnimmt, musste die Figur Wolf Larsen anders beleuchtet werden. Übernommen haben dies die Gespräche zwischen Maud und Wolfs Bruder Death. Leider verliert die Geschichte dadurch viel von ihrer philosophischen Dimension. Auch die Änderungen gegen Ende der lebensbedrohlichen Seereise scheinen einem breiten Massenpublikum geschuldet und tilgen ein großes Stück der düsteren Buchversion. Humphreys und Mauds Flucht und Überlebenskampf auf der „Mühsalinsel“ werden zum Kurztrip übers Meer zu den Gestaden einer grünen Insel mit weißem Sandstrand. Von der finalen Auseinandersetzung mit Wolf Larsen bleibt auch ein eher enttäuschender Rumpf der dramatischen Version von Jack London.
Ungeachtet der Unterschiede zwischen Filmversion und Romanvorlage ist Sebastian Koch ein ausgezeichneter Wolf Larsen. Sein Spiel sorgt für Gänsehaut und man will nicht in der Haut von Humphrey „Hump“ van Weyden oder der übrigen Mannschaft stecken. Koch verkörpert Larsens Schwanken zwischen instinktgesteuertem Gewaltmenschen und intelligentem Strategen präzise und wird so zu jener unberechenbaren Bestie, als die man ihn beim Lesen vor Augen hat. Auch Stephen Campbell-Moore und Neve Campbell fügen sich gut und glaubwürdig in ihre Rollen.
„Der Seewolf“ – 2009 ist eine aufwändige Produktion und eine gute Abenteuergeschichte mit einer starken Besetzung. Im Vergleich zu Jack Londons gleichnamiger Romanvorlage fehlt es jedoch an der philosophischen Dimension und der kompromisslosen Darstellung von Wolf Larsens Einstellung zum Leben und zu den Menschen.
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Kommentare
Cyrus_Smith schreibt am 31.10.09, 04:53
Ein tiefer Blick in die Glaskugel sagt mir, dass bei den bisher gezeigten mediokren schauspielerischen Auftritten eines Sebastian Koch nicht viel zu erwarten sein wird vom neuen Seewolf!
Für einen guten Film reicht eine gelungene Romanvorlage allein nicht aus. Da braucht man auch gute Darsteller und vor allen Dingen einen guten Regisseur. Gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der Film in dieser Hinsicht etwas zu bieten hat? Nein.
"Der Seewolf" basiert auf der gleichnamigen Romanvorlage von Jack London.


