Der Biber

The Beaver

Filmplakat Der Biber
Regie Jodie Foster  Drehbuch Kyle Killen  Produzenten Steve Golin, Keith Redmon 
Genre Drama  FSK Filmlänge 91 min
Land USA  Kinostart 19.05.2011  DVD-Start 06.10.2011  Verleih Concorde Film

Story

Der Spielzeugfabrikant Walter Black lebt seinen Alltag antriebslos und in emotionaler Leere. Nach außen führt er mit seiner Frau und den beiden Söhnen ein perfektes Leben im finanziellen Wohlstand, doch innerlich frisst ihn die Depression stetig auf. Er kann weder den Posten als agiler Vorstandschef noch länger ausfüllen, noch den des liebevollen Vaters. Schließlich hat seine Frau genug und setzt Walter vor die Tür. Kurz vor dem Abgrund findet er Hilfe in einer Biber-Handpuppe, die fortan alles für Walter regelt. Walter scheint wie verwandelt und lässt nur noch den Biber reden. Sein Umfeld wie auch seine Familie reagieren irritiert, akzeptieren den neuen Spleen jedoch. Plötzlich scheint sich für Walter alles zum Guten zu wenden, doch je weiter er seine Biber-Rolle perfektioniert, desto mehr gewinnt sie die absolute Macht über sein Leben.

Schauspieler

Der Biber Jodie Foster, Mel Gibson, Anton Yelchin, Jennifer Lawrence, Riley Thomas Stewart, Zachary Booth, Michelle Ang

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 5 von 5 Ms Der Biber „Alles wird gut.“ Wie oft bekommen wir diesen Satz gesagt. Zu allen möglichen Anlässen. Bei Problemen im Job, vor Prüfungen, beim Arzt, auf die Frage was aus uns werden wird. Wie oft sagt uns jemand ehrlich, dass auch dunkle Zeiten kommen, oder dass es ihm nicht gut geht? Selten. Wir sind eine Leistungsgesellschaft in der man jung, fit und motiviert zu sein hat. Immer und überall. Das Eingeständnis von Schwäche oder gar Depressionen kommt einem Versagen auf der ganzen Linie gleich, das zudem niemand hören will. So machen wir weiter, ignorieren die Anzeichen und irgendwann sind wir eventuell an dem Punkt, an dem wir Walter Black in „Der Biber“ begegnen. An einem Punkt, an dem die Abspaltung unseres kranken Selbst, die einzige Überlebensmöglichkeit scheint. Charaktermimin Jodie Foster hat sich für ihr neues Regie- und Hauptrollenprojekt mit dem Kernthema Depressionen wahrlich keine einfache Aufgabe vorgenommen. Wenn es nicht blutet, ist es oftmals schwer zu beschreiben, was genau verletzt ist und woher die Verletzung rührt. Die Mimin, die sich sowohl vor als auch hinter der Kamera rar macht, geht mit ihrem Film bewusst eines der großen Tabuthemen unserer von Leistung geprägten Gesellschaft an und liefert damit einen wichtigen Beitrag. Die passende Grundlage hierfür hat sie in dem Drehbuch von Autor Kyle Killen gefunden. Der Newcomer hat Jodie Foster eine Geschichte geschrieben, die geprägt ist vom richtigen Gespür für das Thema und die einen sehr guten Überblick über die vielen Facetten und Abstufungen der schwer zu greifenden Erkrankung beweist. Foster erlaubt dies bei ihrer Inszenierung die Problematik authentisch einzufangen, ohne rührselig, kitschig oder plakativ zu werden.

Geschickt lässt uns der Film stellenweise vergessen, warum Walter diesen Biber mit sich herumträgt, läst uns mit ihm und über ihn lachen, nur damit wir im nächsten Moment die ganze Bürde, die die Erkrankung für ihn und seine Familie bedeutet, auf unseren Schultern spüren oder mit Walters Sohn bei seiner ersten Romanze mitfiebern. Mit seinem gelungenen Genremix schafft es „Der Biber“, dass man vom ersten Moment an emotional mitlebt, sich seinen Figuren auf ihrer Achterbahnfahrt nahe fühlt, mit ihnen hofft, liebt und verzweifelt. Dies gelingt, weil Drehbuchautor Kyle Killen auch die Komik absurder Momente zulässt und damit der Geschichte eine gute Balance gibt, die Jodie Foster in ihrer Arbeit atmosphärisch einfängt. Außerdem kann sie sich bedingungslos auf ihren Cast verlassen. Neben Foster selbst überzeugt Mel Gibson in seiner tragisch-komischen Rolle absolut. Er zeigt einmal mehr seine nachdenkliche Seite und gibt Walter nie der Lächerlichkeit preis. Ausdruckstark präsentieren sich aber vor allen Dingen auch Jennifer Lawrence und Anton Yelchin. Zwei Mimen, von denen wir in Zukunft hoffentlich noch sehr viel zu sehen bekommen, glänzen sie doch auch hier wieder mit Präsenz und feinfühligem Spiel.

Gegen Ende entschwindet „Der Biber“ dem aufgebauten Depressions-Szenario etwas zu glatt. Kyle Killens Geschichte hätte hier durchaus noch Potential für eine tiefergehende Betrachtung gehabt, welches der Autor aber nicht ausbaut. Dennoch bleibt ein gelungener und bewegender Gesamteindruck und die Erkenntnis, dass Jodie Foster hier Tragik und Komik mit einem Schuss Romantik stimmig vereinen konnte.

Wissenswertes

Der Biber "Der Biber" ist Jodie Fosters dritte Regiearbeit für einen Kinofilm.



Besucherbewertung
5.0 / 5  (1 vote)

Kommentare

+ Kommentar schreiben
Deine Daten
(wird nicht veröffentlicht)
Dein Kommentar*

*Pflichtfeld
Der Kommentar wird von uns vor dem Freischalten geprüft.