Sturm

Storm

Filmplakat Sturm
Regie Hans-Christian Schmid  Drehbuch Hans-Christian Schmid, Bernd Lange  Produzenten itta Knöller, Hans-Christian Schmid 
Genre Krimi  FSK 12  Filmlänge 110 min
Land Deutschland, Dänemark, Niederlande  Kinostart 10.09.2009  Verleih Pfiffl

Story

Bei der Beförderung zur Chefanklägerin des Den Haager Kriegsverbrechertribunals knapp von einem Kollegen überholt, übernimmt die Staatsanwältin Hannah Maynard von ihm genau einen Fall, der perfekt vorbereitet scheint. Der serbische General Duric wird wegen ethnischer Säuberungen in der Republika Srpska angeklagt. Doch dann fliegen ihr beim ersten Gerichtstermin die vermeintlichen Fakten um die Ohren und als sich der, der Lüge überführte, Hauptzeuge umbringt, kann es eigentlich nur noch um öffentliche Schadensbegrenzung gehen. Doch Hannah lässt der Fall nicht los. Sie recherchiert weiter und stößt dabei auf die Schwester des Toten. Die junge Frau weigert sich zunächst aus Angst vor Repressalien auszusagen. Nicht die einzigen Schwierigkeiten, denn schon bald erkennt Hannah, dass man ihr nicht nur auf serbischer Seite bei den Ermittlungen Knüppel zwischen die Beine wirft. Auch in Den Haag sind nicht alle über die Ermittlungsfreude der Staatsanwältin begeistert…

Schauspieler

Sturm Kerry Fox, Anamaria Marinca, Stephen Dillane, Rolf Lassgård, Alexander Fehling, Tarik Filipovic, Kresimir Mikic, Steven Scharf, Joel Eisenblätter, Wine Dierickx, Reinout Bussemaker, Bent Mejding, Alexis Zegerman, Arturo Venegas, Drazen Kuhn

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 5 von 5 Ms Sturm Regisseur Hans-Christian Schmid stand in der Vergangenheit für unterschiedliche Projekte wie „23“, „Crazy“ oder „Lichter“ hinter der Kamera. Inspiriert durch einen Artikel im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erzählt er mit „Sturm“ nun die Geschichte einer starken Frau im Netz von flüchtigen Kriegsverbrechern und Justizdeals am Den Haager Tribunal für Kriegsverbrechen. Er bringt damit auch ein, aus der aktuellen Presse längst verdrängtes Thema, zurück ins Rampenlicht: Die immer noch nicht aufgeklärten Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien.
Schmids Film, zu dem er mit seinem Co-Autor Bernd Lange auch das Drehbuch schrieb, besticht durch seinen dokumentarischen Charakter, der die Handlung sicher davor bewahrt ins Melodramatische abzudriften und gleichzeitig für eine ungeheure Spannung und Dynamik sorgt. Es ist ein ernüchternder Film, der dennoch einen kleinen Funken Hoffnung auf Gerechtigkeit vermittelt. Die hat man als Zuschauer bitter nötig, denn wenn man der Anklägerin Hannah Maynard (eindrucksvoll gespielt von Kerry Fox), durch den Justiz-Dschungel mit seinen Absprachen und politischen Kuhhandeln bis zu dem Punkt gefolgt ist, an dem auch sie glaubt die Gerechtigkeit gegen einen Deal eingetauscht zu haben. Ganz nach dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“, darf ein Kriegsverbrecher, Vergewaltiger und Massenmörder schon mal den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. Die Gefühle der Opfer spielen in dieser Welt keine Rolle. Schließlich, so muss sich Maynard/Fox von ihrem Vorgesetzten sagen lassen, ist das Den Haager Tribunal „keine verdammte Selbsthilfeeinrichtung für traumatisierte Zeugen“. Schmid arbeitet mit Szenen wie dieser die Vielschichtigkeit der Problematik auf allen Seiten heraus und zeigt schonungslos wie die bürokratische Schwerfälligkeit der Institution den Glauben an die Gerechtigkeit für den Einzelnen zermürben kann.
„Sturm“ – der Filmtitel wird zum Programm: Diese 110 Minuten sorgen für einen Sturm der Gefühle in einem selbst. Man schwankt zwischen empört, ernüchtert, entsetzt und unglaublich wütend. Auf der anderen Seite ist man beeindruckt von einer starken Frau, die ihren Glauben an die Gerechtigkeit mit Zähnen und Klauen verteidigt. Der Schlusssatz gehört der zweiten starken Frau in diesem Film: Anamaria Marinca („4 Monate 3 Wochen 2 Tage“, „Die Gräfin“) ist als Opfer Mira Arendt erneut mit einer starken Leistung zu sehen.

Wissenswertes

Sturm Bei den Berliner Filmfestspielen 2009 erhielt "Sturm" den Preis der Gilde Deutscher Filmkunsttheater sowie den Leserpreis der "Berliner Morgenpost"und den Amnesty International Filmpreis. Außerdem war "Sturm" für den Goldenen Bären nomminiert.

Beim 27. Filmfest in München erhielt Rehisseur und drebuchautor Hans-Christian Schmid den Bernhard Wicki-Friedenspreis des Deutschen Films



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