Die Einsamkeit der Primzahlen

La solitude dei numeri primi

Filmplakat Die Einsamkeit der Primzahlen
Regie Saverio Costanzo  Drehbuch Saverio Costanzo, Paolo Giordano  Produzenten Mario Gianani, Philipp Kreuzer, Anne-Dominique Toussaint 
Genre Drama  FSK 12  Filmlänge 119 min
Land Italien, Deutschland, Frankreich  Kinostart 11.08.2011  DVD-Start 05.04.2012  Blu-ray-Start 05.04.2012  Verleih NFP

Story

Durch ein traumatisierendes Erlebnis in früher Kindheit in der eigenen Welt gefangen, sind Alice und Mattia dazu verdammt Außenseiter zu sein. Eine Rolle, die in der Schulzeit mit Demütigungen und weiteren seelischen Verletzungen einhergeht. Doch es gibt auch Hoffnung, denn sie begegnen einander und erkennen sich als gleich. Die beiden Jugendlichen am Rand der Gruppe werden zu Freunden, mehr noch, zum Fixpunkt im Leben des Anderen. Eigentlich wären sie für einander wie geschaffen, doch wie bei den Primzahlenzwillingen gibt es immer noch eine Zahl, die sie trennt und die verhindert, dass sie zueinander finden.

Schauspieler

Die Einsamkeit der Primzahlen Alba Rohrwacher, Luca Marinelli, Isabella Rossellini, Riccardo Scamarcio, Filippo Timi, Maurizio Donadoni

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 3 von 5 Ms Die Einsamkeit der Primzahlen Paolo Giordano gelang 2008 mit seinem Debütroman „Die Einsamkeit der Primzahlen“ ein großer Überraschungserfolg. Binnen kürzester Zeit eroberte das Buch des Italieners nicht nur sein Heimatland, sondern wurde auch in mehrere Sprachen übersetzt und begeisterte die Leser über die Landesgrenzen hinaus. Giordano erwies sich als virtuoser Geschichtenerzähler. „Die Einsamkeit der Primzahlen“ lebt von seiner poetischen Sprache, die die melancholische Stimmung und Tragik der Handlung so wunderbar einfängt, dass das Schicksal von Alice und Mattia bis ins Mark berührt. Ein Buch, das so sehr von seiner Sprache lebt für einen Film zu adaptieren ist mutig und keine leichte Aufgabe. Regisseur und Drehbuchautor Saverio Costanzo hat es dennoch gewagt und hatte dabei Unterstützung vom Autor selbst. Dennoch kann sein Film nicht durchweg überzeugen und erreicht leider nicht die Intensität der Romanvorlage. Costanzo versucht gar nicht erst Giordanos Sprache zu imitieren, was gut und stimmig ist, sondern verleiht seelischer Pein und Trauma in seiner eigenen Interpretation des Stoffes mit Bildern Ausdruck. Diese muten teils surreal an, teils im Stil der 80er Jahre avagardistisch und bringen in der Kombination mit den ausdruckstarken Darstellern Alba Rohrwacher und Luca Marinelli, die Alice und Mattia im Erwachsenenalter spielen, die von Giordano im Buch beschriebenen dunklen Gefühle ans Licht. Besonders Alba Rohrwacher gibt für ihre Rolle der Alice auch körperlich viel und bleibt nachhaltig im Gedächtnis.

Warum war das Buch „Die Einsamkeit der Primzahlen“ trotz all seiner Tragik, der geschilderten Ausweglosigkeit und seiner Düsternis solch ein Erfolg? Die Figuren und ihr Schicksal berührten die Menschen, weil sie ihnen auf ihrem Weg folgen können. Paolo Giordano schlug so eine Brücke in die Herzen der Leser. Saverio Costanzo hat bei all der ambitionierten Bildgestaltung und atmosphärischen Herangehensweise leider nicht genug beachtet, dass Paolo Giordano seiner besondere Geschichte auch eine Handlung gegeben hat, die aus mehr besteht als aus den dunkelsten Momenten, die Constanzo für sich aufgreift und zudem noch teilweise kürzt und verändert. Wo das Buch die leise Entwicklung der Figuren aufzeigt, ihre stille Annäherung und die damit verbundene Hoffnung, das Sehnen nach Normalität und Liebe, konzentriert Saverio Costanzo den Focus ganz auf die Unfähigkeit dieser beiden ihre Gefühle zu zeigen und zu leben. Er entfernt Alice und Mattia damit mehr vom Publikum, als dass er sie ihnen näher bringt, weil er nur und ausschließlich ihre tonnenschwere Last thematisiert und ihre Entwicklung zwischen den Punkten außen vor lässt.

Wissenswertes

Die Einsamkeit der Primzahlen Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Roman von Paolo Giordano, der auch das Drehbuch mitschrieb.

"Die Einsamkeit der Primzahlen" wurde zum Wettbewerb des 67. Internationalen Filmfestivals von Venedig eingeladen.




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