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Narren
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Regie
Tom Schreiber
Drehbuch
Ingo Haeb
Produzenten
Ute Schneider, Wim Wenders
Genre Drama FSK 12 Filmlänge 93 min Land Deutschland Kinostart 11.09.2003 DVD-Start 18.03.2004 Verleih Neue Visionen |
Story
Ausgerechnet zur Zeit des Karnevals verschlägt es den konservativen Roman nach Köln. Den einzigen sozialen Kontakt pflegt er zu seiner demenzkranken Oma, die ihren Enkel allerdings ständig mit ihrem Sohn verwechselt. Damit treibt sie Roman in die Enge: In der Rolle seines Vaters fühl er sich unwohl, ebenso wie im bunten Treiben des Karnevals. Als er sich an einem Abend dennoch mit Kollegen in selbigen stürzt, werfen ihn gleich zwei Ereignisse gänzlich aus der Bahn. Zum einen beobachtet er, wie zwei Harlekine einen Taschendieb im Zorro-Kostüm brutal zusammenschlagen und zum anderen hat er einen abenteuerlichen One-Night-Stand ohne Abschied. Als er am nächsten Tag den jungen Taschendieb tot in einer Ecke auffindet, wendet er sich Hilfe suchend an einen Polizeibeamten. Doch auch auf dem Revier scheint der Wahnsinn des Karnevals Einzug gehalten zu haben…
Schauspieler
Christoph Bach, Victoria Deutschmann, Hannelore Lübeck, Markus John, Christian Tasche, Waldemar Kobus, Lutz Schmidt, René Haustein, Nicholas Bodeux, Arved Birnbaum, Peter Clös, Wilfried Schmickler
Filmkritik von Kathrin Lang
Mit seinem Spielfilmdebüt „Narren“ bringt uns Tom Schreiber einen Film auf die Leinwände, der in seiner beklemmenden und alptraumhaften Atmosphäre zu bedrückender Größe findet. Der Film gelingt vor allem durch seine starken Kontraste und die dadurch hervorgerufene Absurdität des Handlungsverlaufes. Hauptfigur Roman, ein offensichtlich konservativer und geradliniger Typ, zieht zur Zeit des Karnevals nach Köln. Sofort wird er unwillentlich in den Sog des oberflächlichen Frohsinns gezogen, wirkt dort jedoch auffallend deplaziert. Verloren unter all den Narren, die dem Karneval viel mehr mit Alkohol frönen, als mit wahrer Freude an dem Ereignis, wird er plötzlich von der Realität eingeholt. Alleingelassen mit seinen Problemen, sucht er einen Ausweg, den es zu Zeiten des Karnevals jedoch nicht zu geben scheint. Christoph Bach versinnbildlicht diese Problematik mit seiner Darstellung hervorragend. Er versteht es die tief sitzende Unsicherheit seiner Figur vor der Kamera glaubhaft umzusetzen, ohne dabei als Schauspieler hilflos zu wirken.
Christoph Bachs Spiel fügt sich dabei gut zu der gesamten Geschichte. Wirkt das Geschehen zu Beginn noch sicher und geerdet, verschwimmen schon bald die Grenzen zwischen Realität und Alptraum. Schnell wird aus „Narren“ ein Film, der sich seinen filmischen Möglichkeiten bewusst ist und mutig damit spielt. Auf welcher Bewusstseinsebene sich „Narren“ eigentlich bewegt, ist noch weit nach dem Abspann nicht klar. Dadurch gewinnt der Film an Reiz und wirkt spannender als gängige Abhandlungen.
Thematisch ist „Narren“ ein sehr vielschichtiger Film geworden. Parallel werden mehrer Problembereiche aufgespannt: Von einem kritischen Blick auf den Karneval, über Prostitution und schwierigen Familienverhältnissen, bis hin zu der Suche nach der eigenen Identität. Trotz dem großen Themenkomplex, ist es Schreiber gelungen die einzelnen Bereiche gut miteinander zu verweben und letztlich zu einem werden zu lassen. Zusammen wirkt das Gespann wie eine gelungene Groteske, der die Gratwanderung zwischen absurdem Witz und bedrückender Beklemmnis gut gelingt.
"Narren" ist der Debütspielfilm von Regisseur Tom Schreiber. Der Film wurde 2003 auf der Berlinale gezeigt.