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Der große Crash - Margin Call
Margin Call
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Regie
J.C. Chandor
Drehbuch
J.C. Chandor
Produzenten
Robert Ogden Barnum, Michael Benaroya, Neal Dodson, Joe Jenckes, Corey Moosa, Zachary Quinto
Genre Thriller FSK 6 Filmlänge 109 min Land USA, 2010 Kinostart 29.09.2011 DVD-Start 24.02.2012 Blu-ray-Start 24.02.2012 Verleih Koch Media |
Story
Die amerikanische Wirtschaft schwächelt 2008 bereits, als an der Wall Street der erste personelle Aderlass beginnt. Auch Risikoanalyst Eric Dale ist ein Opfer dieses „Blutbades“ wie Kollege Will Emerson es nennt. Noch jagen Broker, Börsenmakler und Finanzmanager täglich Milliardenbeträge rund um den Erdball und kassieren dabei dicke Gewinnmargen, doch die guten Geschäfte könnten bald ein Ende haben. Kurz vor seinem Rauswurf arbeitete Dale an einer brisanten Unternehmensanalyse, die er kurz vor Verlassen des Büros dem jungen Peter Sullivan in die Hand drückt. Sullivan rechnet Dales Ergebnis nach und schlägt Alarm. In einer nächtlichen Krisensitzung beschließt die Firmenleitung eine riskante Rettungsaktion, die die Finanzmärkte mit katastrophalen Folgen erschüttert.
Schauspieler
Kevin Spacey, Paul Bettany, Jeremy Irons, Zachary Quinto, Penn Badgley, Simon Baker, Mary McDonnell, Demi Moore, Stanley Tucci, Aasif Mandvi, Ashley Williams, Susan Blackwell, Maria Dizzia, Al Sapienza, Jim Kirk, Jimmy Palumbo
Filmkritik von Melanie Frommholz
„Entweder Du bist der Erste, der Schlauste oder Du bist ein Betrüger.“
Wenn Vorstandschef John Tuld die Strategie seiner jahrzehntelagen Karriere in der Finanzwelt zum Besten gibt und damit gleichzeitig den Startschuss setzt für den größten Crash der Kapitalmärkte in der jüngeren Geschichte, dann ist man bereits mittendrin in dem packenden und nervenaufreibenden Finanzthriller von Regie- und Drehbuchdebütant J.C. Chandor. Mit „Der große Crash – Margin Call“ legt der Filmemacher nicht nur seinen ersten Spielfilm vor, sondern auch einen der genialsten Beiträge zu einer brandheißen Krise, deren Auswirkungen wir immer noch spüren. Firmen, die nichts mehr produzierten außer Geld, Anlagestrategien und Beteiligungen hatten sich 2008 mit einem ihrer „Produkte“ verspekuliert. Die Spekulationsblase platze und die Märkte liefen Amok und gaben der schwächelnden amerikanischen Konjunktur den Rest. Die Talfahrt begann, Jobs und ganze Existenzen wurden vernichtet, während die Verursacher mit millionenschweren Abfindungen sozialverträglich entlassen wurden. Spätestens seit 2008 hat auch der Otto Normalverbraucher begriffen, dass die Jungs an der Wall Street und anderenorts mit Produktbegriffen wie „Optionsscheine“ und „Derivate“ wohl nichts anderes verklausuliert umschrieben haben, was in Casinos schlicht Wetten heißt. „Der große Crash – Margin Call“ schlägt hier den Bogen zwischen Ursachenforschung und Charakterstudie. Wie kam es zu dem Crash und wer zog die Strippen? Chandors exzellentes Drehbuch, das mit starken Dialogen und einer für das komplexe Thema großen Klarheit überzeugt, schaffte das scheinbar Unmögliche. Es macht uns die Zusammenhänge dieser Welt unterbewusst begreiflicher, immer da, wo der Verstand sie schon lange nicht mehr fassen kann. Es ist dieses Schaffen einer Atmosphäre des wortlosen Begreifens, das „Der große Crash – Margin Call“ zu etwas ganz Besonderem werden lässt. Geschickt greift J.C. Chandor alle noch so kleinen Facetten der Problematik auf, beleuchtet eindringlich aber ohne lautes Getöse die Tragweite von Entscheidungen, Motivationen und das teils abgehobene Denken der Akteure, die selbst nicht immer ganz begreifen was sie da tun. Dabei geht der Filmemacher durch alle Hierarchiestufen und zeichnet mit dem richtigen Gespür für kleine Gesten und berede Bilder Charaktere, die, nur allzu menschlich, lediglich das eigene Schicksal im Blick haben. „Es ist doch bloß Geld!“ Noch ein Satz von John Tuld alias Jeremy Irons, der verdeutlicht, wie weit sich die Finanzjongleure gedanklich bereits von der wirklichen Welt verabschiedet haben. Der heiligen Kuh „Bonuszahlung“ dient man entweder aus Gier oder auch mit der Ausrede „keine Wahl“ zu haben. Verantwortliches Handeln oder moralische Bedenken rücken in weite Ferne.
Belebt werden die spannenden Figuren von einem exzellenten Cast, der angeführt wird von Namen wie Kevin Spacey, Jeremy Irons und Paul Bettany. Aber auch Ex-„Heroes“-Bösewicht und Mitproduzent Zachary Quinto macht erneut eine gute Figur, genauso wie Simon Baker, Stanley Tucci oder Demi Moore. Sie alle agieren großartig miteinander ohne, dass einer den anderen an die Wand spielt und tragen so durchweg zur großen Glaubwürdigkeit des von J.C. Chandor entworfen Szenarios bei.
Eine Krise birgt immer auch die Chance auf einen Neuanfang. Die Finanzmärkte gingen 2008 nicht zum ersten und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal auf Talfahrt. Es bleibt abzuwarten, ob wir dieses Mal aus unseren Fehlern und unserer Gier gelernt haben. J.C. Chandor bleibt auch bei seinem Blick in die Zukunft ehrlich und widersteht dem moralischen Zeigefinger. „Der große Crash – Margin Call“ überzeugt auch hier, weil er zeigt und nicht wertet. Hier gibt es keine großen moralischen Schlussansprachen, Ausbrüche oder Rechtfertigungsversuche. Am Ende des Tages, an dem er geholfen hat den größten Börsencrash der Neuzeit loszutreten geht ein ausgelaugter Börsenhändler in seinen Exgarten, zu seiner Exfrau und beerdigt dort eigenhändig den kürzlich verstorbenen Hund, um endlich etwas mit seiner Hände Arbeit zu tun, dass einen reellen Nutzen hat. Ein großartiger Schluss für einen großartigen Film, der mehr sagt als tausend Worte es je könnten.
Wissenswertes
"Der große Crash - Margin Call" ist das Spielfilmdebüt von Regisseur und Drehbuchautor J.C. Chandor. Chandor war 2011 bei der Berlinale damit für den Goldenen Bären nominiert.
Auszeichnungen
OSCAR-Nominierungen
Bestes Drehbuch (Original)
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