Lebanon

Filmplakat Lebanon
Regie Samuel Maoz  Drehbuch Samuel Maoz  Produzenten Anat Bikel, Leon Edery, Moshe Edery, Ilann Girard, Benjamina Mirnik, Uri Sabag, David Silber 
Genre Drama  FSK 16  Filmlänge 93 min
Land Israel, Frankreich, Großbritannien  Kinostart 14.10.2010  DVD-Start 13.05.2011  Blu-ray-Start 13.05.2011  Verleih Senator Film

Story

Juni 1982 - Der erste Libanon-Krieg Israels hat begonnen. Die vier jungen und unerfahrenen Soldaten Shmulik, Assi, Hertzel und Yigal erhalten den Befehl Land zu sichern, das zuvor durch Luftangriffe gesäubert wurde. Das Gefährt und seine Besatzung kommen zusammen mit der Begleittruppe von der Route ab und geraten hinter feindliche Linien. Sie stranden in einer ausgebombten Stadt und warten auf neue Befehle. Doch die Heeresführung lässt die Soldaten im Stich. Der Druck für die Männer steigt von Tag und Tag mit zunehmender Orientierungslosigkeit und schon bald liegen die Nerven blank. Als der Panzer von feindlichen Geschützen getroffen wird, scheint ein Entkommen unmöglich.

Schauspieler

Lebanon Yoav Donat, Itay Tiran, Oshri Cohen, Michael Moshonov, Zohar Strauss, Dudu Tassa, Ashraf Barhom, Rey Amsellem

Filmkritik von Melanie Frommholz

Melli vergibt 4 von 5 Ms Lebanon Bereits 2007 begann Regisseur und Drehbuchautor Samuel Maoz mit der Arbeit an seinem Spielfilmdebüt „Lebanon“. Der Filmemacher verarbeitet darin seine eigenen Erfahrungen als 20jähriger Soldat im Libanon-Krieg. Eine traumatische Erfahrung, die Maoz mit vielen Männern seiner Generation teilt. Auch Filmemacher-Kollege Ari Folman bannte seine Erlebnisse auf Zelluloid und bescherte uns 2008 mit „Waltz with Bashir“ eindrückliche Einblicke in ein dunkles Kapitel israelischer Zeitgeschichte. Während Folman den Bogen zwischen individuellem Grauen und einem übergeordneten Blick auf das Kriegsgeschehen schlägt, geht Samuel Maoz einen sehr viel radikaleren Weg. Sein Fokus liegt kompromisslos und ausschließlich auf dem erlebten Grauen des einzelnen Soldaten. Welche Kraft ihn dieser Ansatz vor dem Hintergrund seiner eigenen schrecklichen Erfahrungen gekostet haben muss, merkt man dem Film jede Minute an. „Lebanon“ ist die Aufarbeitung seines persönlichen Kriegstraumas. Der Filmemacher löst seinen Film los von politischen Beweggründen. Der Zuschauer erhält weder Erklärungen zum Geschehen noch zu den übergeordneten Zusammenhängen. Auch Moaz Figuren bleiben ohne echte Vorgeschichte und Einführung. Eingepfercht in einen Panzer, spielt sich die Handlung von „Lebanon“ in der klaustrophobischen Enge des Panzerinneren ab. Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist der Blick durch das Zielfernrohr. Seine Figuren mögen zwar losgelöst wirken, sie werden durch Maoz Herangehensweise jedoch zum Symbol für den Soldaten an sich. Wir sehen in seinem eingeschränkten Fokus das Leiden der Zivilbevölkerung genauso wie den Tod von Kameraden und eine von Bomben zerstörte Welt und erhalten dadurch einen verstörend direkten Einblick in das tägliche Grauen, während eines Krieges.

Samuel Maoz reizt seine gewählten Stilmittel sehr aus und überschreitet hier bewusst Grenzen. Die Kamera klebt an den Protagonisten im Panzerinneren und das ständige Quietschen der Hydraulik des Zielfernrohrs zerrt an den Nerven. Maoz überfordert den Zuschauer damit ein Stück weit, er holt ihn mit dieser Herangehensweise jedoch auch unweigerlich mit Haut und Haaren in diesen Panzer hinein. „Lebanon“ vermag uns den Libanon-Konflikt nicht näher zu bringen, er zeigt uns jedoch wie sich Krieg anfühlt. Der Film wird damit ein schonungsloses und aufrichtiges Plädoyer gegen den Krieg.

Wissenswertes

Lebanon 2008 hatte Regisseur Ari Folman das Thema Libanonkrieg eindrücklich in den Film "Waltz with Bashir" aufgegriffen.

2009 gewann der Film bei den 66. Internationalen Filmfestspiele von Venedig den Goldenen Löwen.

"Lebanon" ist das Spielfilmdebüt von Regisseur Samuel Maoz.



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