Der verlorene Vater (TV)

Der verlorene Vater

Regie Hermine Huntgeburth  Drehbuch Daniel Nocke  Produzent Manuela Scheidt 
Genre Drama  Filmlänge 90 min
Land Deutschland, 2010  Verleih Arte

Story

Arndt Salzbrenner ist Mitte vierzig, verheiratet und hat zwei Kinder. Von Bettina, der Mutter seiner Kinder, lebt Arndt mittlerweile getrennt, hat aber eine neue Frau kennen gelernt. Elke Hagestedt ist aber keineswegs jünger als Arndts Nochehefrau, sondern sogar zehn Jahre älter. Dennoch scheint es zwischen den beiden die große Liebe zu sein und alles wäre perfekt, wären da nicht die schier unüberbrückbaren Differenzen zwischen Arndt und Bettina, unter denen vor allem die gemeinsamen Kinder zu leiden haben. Schonungslos macht Arndt Bettina vor seinen Kindern schlecht, lässt kein gutes Haar an ihr und versucht gar, die beiden gegen die Mutter aufzuhetzen. Elke erzählt Arndt, Bettina sei Alkoholikerin und ganz allein am Scheitern ihrer Ehe schuld.

Trotz ihrer Verliebtheit spürt Elke, dass Arndts Verhalten etwas zweifelhaft ist, und als er dann eines Tages Sohn David heimlich von der Schule abholt und mit nach Hause nimmt, kommt es zur offenen Konfrontation zwischen Arndt, Bettina und Elke. Daraufhin sucht Elke heimlich das Gespräch mit ihrer Vorgängerin – und erfährt dabei einiges über ihren Geliebten, das sie wohl lieber nicht gewusst hätte. Sie, die verhuschte und durch und durch ehrliche Frau, die einer grundsoliden Arbeit auf dem Amt nachgeht, gerät nun in einen Gewissenskonflikt, der für sie kaum auszuhalten ist. Denn das Leben mit zwei Kindern erscheint ihr, die selber nie Kinder bekommen konnte, als das absolute Paradies, für das sie einiges zu tun bereit wäre…

Schauspieler

Der verlorene Vater (TV) Ulrike Krumbiegel, Edgar Selge, Jeanette Hain, Michael Altmann, Carlo Ljubek, Jan Peter Kampwirth, Paraschiva Dragus, Louis Hofmann

Filmkritik von Stefanie Rufle

Steffi vergibt 4 von 5 Ms Der verlorene Vater (TV) Edgar Selge als verzweifelter Vater Arndt und Ulrike Krumbiegel als verhuschte und zugleich fest entschlossene Elke liefern in diesem Fernsehfilm eine grandiose und beeindruckende Leistung ab. Die Thematik ist denkbar ernst und schildert das Schicksal einer Trennungsfamilie, wie es sie zu Tausenden in Deutschland gibt. Selge hat eine Paraderolle als absolut überspannter und neurotischer Vater, der verzweifelt versucht, seine neue Liebe und die beiden Kinder zusammenzubringen. Manchmal laufen einem Schauer den Rücken herunter, so eindringlich und beängstigend ist Edgar Selge in seiner Rolle. An seiner Seite kann Ulrike Krumbiegel in jeder Sekunde bestehen, denn Elkes Auf und Ab der Gefühle, ihre Zweifel und die Angst vor dem zu Ausbrüchen neigenden Geliebten, stellt sie absolut glaubhaft dar. Einerseits ist sie die unsichere und scheinbar blind verliebte Behördenangestellte, auf der anderen Seite die resolute und zu allem entschlossene Frau, die unerschütterlich auf Arndts Seite steht. Gerade das Schwanken zwischen bedingungsloser Loyalität und gesundem Menschenverstand macht diese Figur so glaubhaft.

„Der verlorenen Vater“ behandelt eine ernste und hochaktuelle Thematik über lange Strecken äußerst glaubhaft und durch und durch eindringlich. Regisseurin Hermine Huntgeburth gelingt es, das Drama um einen Sorgerechtsstreit äußerst realitätsnah und von allen Seiten zu beleuchten. Wer hat Recht, wer ist im Unrecht? Wer erzählt die Wahrheit, wer lügt? Diese Fragen werden bis zum Schluss nicht erschöpfend beantwortet, weshalb sich dieses Drama stets auf einem schmalen Grat bewegt. Gegen Ende verliert „Der verlorene Vater“ allerdings leider viel von seiner Glaubwürdigkeit. Das Verhalten Arndts in Bezug auf die Beinverletzung seiner Tochter Melanie wird immer schwerer nachvollziehbar und raubt dem Film damit doch etwas von seiner Authentizität. Vieles an diesem Drama bleibt rätselhaft und der unvermittelte Schluss lässt den Zuschauer mit einer gewissen Ratlosigkeit zurück.



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